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Die Abenteuer des Odysseus 11 +

nach Homer
von Michael Schachermaier

Stückinfo

Ort: Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Zeitraum: 12. Januar 2022 - 26. März 2022
Premiere: 14. Januar 2022
Dauer: 01:25
Regie: Michael Schachermaier

»Wenn man mich fragt, warum ich reise, antworte ich: Ich weiß wohl, wovor ich fliehe, aber nicht, wonach ich suche.«

Michel de Montaigne

Heureka! – Es ist vollbracht! Mit Hilfe einer genialen List hat Odysseus den zehn Jahre andauernden Krieg gegen Troja zu Gunsten der Griechen entschieden, und auch für ihn scheint sich nun alles zum Guten zu wenden. Dass jedoch ausgerechnet sein Name in ferner Zukunft mit einer beschwerlichen und langwierigen Irrfahrt in Verbindung gebracht werden soll, hätte er sich wohl nie träumen lassen. Dabei will er doch nur eines: nach Hause. Doch hat er seine Rechnung ohne die Götter gemacht.
Voller Vorfreude auf seine Frau Penelope und seinen Sohn Telemachos tritt der listenreiche Odysseus schließlich die Heimreise nach Griechenland an. Was er zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht ahnt: Es wird weitere zehn Jahre dauern, bis er Frau und Kind endlich wieder in die Arme schließen kann. Denn ohne es zu wissen, macht er sich den rachsüchtigen Meeresgott Poseidon zum Feind, der fortan Wind und Wellen in Bewegung setzt, um eine sichere Heimkehr des griechischen Helden zu verhindern. Ein Abenteuer jagt das nächste, Prüfung um Prüfung muss Odysseus bestehen – eine gefährlicher als die andere.
Wodurch sich Odysseus den Zorn Poseidons zugezogen hat und ob seine turbulente Irrfahrt jemals ein glückliches Ende finden wird, davon erzählt der Dichter Homer in einem der ältesten Texte der Menschheit. Regisseur Michael Schachermaier wagt sich an einen der großen Klassiker der Weltliteratur und bringt die Abenteuer des Odysseus auf die Bühne des Theaters im Zentrum.


Aufführungsrechte: Michael Schachermaier


Besetzung

Odysseus Bijan Zamani
Telemachos Curdin Caviezel / Alduin Gazquez
Penelope / Pallas Athene / Odysseus' tote Mutter / Sirene Cathrine Sophie Dumont
Antinoos, Fürst auf Ithaka / Teukros / Tote Seele / Chor im Sturm Jürgen Heigl
Eurylochos / Ein Bote / Teiresias / Freier auf Ithaka / Chor im Sturm Markus Feustel / Rafael Schuchter
Argos, der Hund / Skýlos / Tote Seele / Höllenhund / Freier auf Ithaka / Chor im Sturm Enrico Riethmüller
Diversos / Circe / Tote Seele / Freier auf Ithaka / Chor im Sturm Johanna Egger
Dementes / Menelaos / Polyphemos / Poseidon / Freier auf Ithaka / Tote Seele / Chor im Sturm Clemens Matzka
Swing Curdin Caviezel
Regie Michael Schachermaier
Bühne Judith Leikauf und Karl Fehringer
Kostüme Regina Rösing
Musik Thomas Felder
Licht Lukas Kaltenbäck
Dramaturgie Gerald Maria Bauer
Assistenz und Teilinspizienz Eva Maria Gsöllpointner
Hospitanz René Kmet

Kritiken

Kronen Zeitung – 20.01.2022

Held von Troja erzählt

Platz ist auf der kleinsten Bühne, selbst für die großen Geschichten der Mythologie. Das beweist Michael Schachermaier mit seiner Adaption von Homers "Abenteuer des Odysseus" im Theater im Zentrum in der Liliengasse. Mit einfachsten Mitteln wird dabei von einem Mythos erzählt, der die Kunst bis heute beschäftigt.

Bescheidene Mittel - und doch voll Zauber, egal, ob in der Höhle des Zyklopen, auf der Insel der Zauberin Circe oder im Strudel von Skylla und Charybdis: Schachermaiers Version lässt Odysseus (Bijan Zamani) selbst die lange Irrfahrt bei der Rückkehr nach Ithaka Sohn Telemachos (überzeugender Einspringer: Curdin Caviezel) erzählen - während seine Gattin Penelope (Cathrine Sophie Dumont) unaufhörlich Stoff für ein Hochzeitskleid webt. Warten doch schon neue
Brautwerber.

Auf kleinstem Raum schafft er mit Licht einfachste Effekte: Für das trojanische Pferd (Odysseus "Königsidee" im Kampf gegen Troja) genügt Umriss, für Poseidons Zorn Bühnennebel, für Göttin Athenes Auftritte goldenes Licht hinter Gazevorhang, und selbst für den Eingang in den Hades, in die Unterwelt, wenig Aufwand.
Er ist eine düstere Schreckenspforte (Bühne: Judith Leikauf & Karl Fehringer). Schachermaier bleibt der Geschichte treu, fand dafür Typen im jungen, spielfreudigen Ensemble des Theaters der Jugend.

Thomas Gabler


Falter – 19.01.2022

Einmal Odyssee, leicht gekürzt

Warum nicht eigentlich eine Wildsau anstatt eines Pferdes? Da wäre viel mehr Platz im Bauch für die griechischen Soldaten. Weil "die Trojanische Sau" für die Nachwelt nicht so ruhmreich klingen würde, erklärt der listenreiche Odysseus seinen Männern.

Michael Schachermaiers Blitz-Odyssee im Theater im Zentrum heißt "Die Abenteuer des Odysseus" und bringt in knapp 90 Minuten tatsächlich die wichtigsten Geschichten aus dem homerischen Epos unter, von der widerwilligen Abreise nach Troja über die jahrelange Irrfahrt, weil vergessen wurde, den Meeresgott Poseidon um günstige Winde zu bitten, bis zur Rückkehr nach Ithaka, wo nicht nur der mittlerweile pubertierende Sohn Telemachos, die treue Gattin Penelope und der Hund Argos warten (Enrico Riethmüller hat sich diverse kanine Verhaltensweisen angeeignet, er darf zwischendurch auch den Höllenhund Kerberos spielen), sondern auch Penelopes Freier, die sich nicht mehr länger hinhalten lassen wollen.

Inmitten von unablässigem Meeresrauschen vom Band erzählt Schachermaier stimmungsvoll mit der Unterstützung kleiner Choreografien und Schattenspiele. (...)

Martin Pesl


KIJUKU.at – 16.01.2022

Vater, wo warst du so laaaaange?

Telemachos fragt Odysseus, weshalb er in den Krieg gezogen ist und danach auch noch so viele Abenteuer absolviert hat.

Schon drei Mal Applaus, bevor das Stück noch beginnt. Die Abenspielleiterin Eva Maria Gsöllpointner verkündet dem Publikum, dass aufgrund von Erkrankungen bzw. Arbeitsunfällen zwei Schauspieler binnen kürzester Zeit eingesprungen sind und der Darsteller der Hauptfigur mit gebrochener Nase spielt. Großer Beifall für diesen Einsatz – und irgendwie schwingt auch die Erleichterung mit, dass dennoch und überhaupt der Theaterabend zu erleben ist.

Hunde

Und dann spielrauscht das Ensemble aus acht Schauspieler:innen im Theater im Zentrum, dem kleineren Haus des Theaters der Jugend (Wien), in knapp eineinhalb Stunden durch ein bearbeitetes, adaptiertes Remake der eigenen „Odysseus“-Inszenierung (aus dem Herbst 2011, auch damals schon Regie: Michael Schachermaier). Die fast 3000 Jahre alten, immer wieder neu erzählten Abenteuer von Homer (an dessen alleiniger Autorenschaft immer wieder gezweifelt wird) über den Helden werden hier meist aus der Sicht seines Sohnes Telemachos erzählt. Er findet den ausgemergelten, an den Strand gespülten alten Mann, der aber von dessen Hund Argos (geniale Figur, wunderbar gespielt von Enrico Riethmüller, der auch in die Rolle des Höllenhundes Zerberus/Kerberus und etliche andere schlüpft) erkannt wird. Weshalb der anfangs skeptische Jüngling den Alten doch als seinen Vater akzeptiert. Erkennen konnte er ihn so oder so nicht, war Telemachos doch noch ein ganz junges Baby als der Vater in den Krieg der Griechen gegen Troja zog. Und so fragt der Junge (sehr überzeugend der für Alduin Gazquez kurzfristig eingesprungene Curdin Cavaziel) kritisch, was denn Odysseus so lange getrieben hätte.

Der Trick mit dem Holzpferd

Er hätte nix dafür gekonnt, hatte er doch dem König Menelaos Beistand versprochen, versucht dieser (Bijan Zamani) sich zu rechtfertigen. Da hilft seiner Ehefrau Penelope auch nichts, dass sie Odysseus daran erinnert, genauso familiäre Verpflichtungen gegenüber ihr und dem gemeinsamen Kind zu haben. Vor Troja, der Stadt, die sie ewig erfolglos belagern, um Helena, die Paris geraubt hatte, zurückzubringen, erfindet Odysseus das „Trojanische Pferd“. Als Gabe für die Göttin Pallas Athene ließen sie es vor den Stadtmauern zurück, die Trojaner zogen’s rein. Doch im Bauch den Holzpferdes waren Krieger versteckt, die nächtens rauskrochen, die Tore der Mauer öffneten und die zuerst weggesegelten, heimlich wiedergekehrten anderen griechischen Kämpfer reinließen. Gemetzel. Griechischer Sieg, aber fast alle tot.

Ver“zaubert“

Diese Kunde verbreitet sich auch in Ithaka, weshalb Telemachos ganz schön sauer ist, dass sein Vater noch immer nicht zurückgekehrt ist. Penelope (meist leise aber stark Cathrine Sophie Dumont) verdammt sich selbst zu Geduuuuuld. Und weil Odysseus „vergessen“ hat, dem Meeresgott Poseidon zu opfern, schickt ihn der auf die unterschiedlichsten gefährlichen – teilweise weltberühmt gewordenen Abenteuer. Lediglich bei der Zauberin Circe (Johanna Egger), die seine Schiffsbesatzung in Schweine verwandelt, scheint er sich doch ziemlich sauwohl zu fühlen. Mit nur wenig schlechtem Gewissen seiner Familie gegenüber.

Kurz am Image kratzen

Immer wieder an diesem von großer Spielfreude gekennzeichneten Abend wird knapp mit Fragen am Heldenmythos gekratzt. Nicht nur das doch recht gemütlich sich einrichten bei Circe, sondern auch so manch brutales Handeln von Odysseus kommt zur Sprache. (...)

Follow@kiJuKUheinz
kijuku.at/buehne/vater-wo-warst-du-so-laaaaange/

Heinz Wagner


Online Merker – 15.01.2022

WIEN / Theater der Jugend: DIE ABENTEUER DES ODYSSEUS

Bevor man sich den griechischen Helden zuwendet, muss man die Helden des Theateralltags würdigen, die vermutlich in allen Häusern, wo gespielt wird, von Tag zu Tag Kunststücke vollbringen, damit der Vorhang auch aufgehen kann. Das Theater der Jugend schaffte die Premiere des „Odysseus“ mit zwei Umbesetzungen in letzter Minute (dass sich der Hauptdarsteller im Eifer der Proben die Nase gebrochen hat, erscheint daneben wie ein Klacks). Sich in letzter Minute in diese turbulente Inszenierung einzufügen, wie es Curdin Caviezel und Rafael Schuchter taten, erfordert grundsätzliches Sonderlob.

Wer immer sich der „Odyssee“ des Homer nähert, einem der größten Epen der Literatur- und Weltgeschichte, beweist Mut. Der Salzburger Michael Schachermaier, dem Theater der Jugend in Wien eng verbunden, hat hier schon vor einem Jahrzehnt die Odysseus-Version eines anderen Autor inszeniert. Nun hat er selbst (wie schon gelegentlich bei Literatur-Bearbeitungen) zur Feder gegriffen (oder eher in den Computer getippt), um seine Fassung der Abenteuer von Griechenlands schillerndstem Helden zu zeigen. Er tut es in einer Corona-gerechten pausenlosen Eineinhalb-Stunden-Fassung, was natürlich zwingt, vieles weg zu lassen.

Wie packt man es an? Bei Schachermaier wird ein Rahmen gebaut. Es beginnt mit einer der schönsten Szenen, wenn der Schiffbrüchige nach zwanzigjähriger Abwesenheit wieder an den Strand seiner Heimatinsel geworfen wird und sein Hund Argos der einzige ist, der ihn erkennt. (Allerdings nicht so stürmisch wie in der Schachermaier-Fassung, aber so genau darf man es in einem Stück, das schon für Elfjährige aufwärts gedacht ist, nicht nehmen.)

Hier trifft Odysseus nun auf seinen Sohn Telemachos und erzählt ihm seine Erlebnisse – natürlich nur andeutungsweise, Menelaos zwingt Odysseus in den Krieg gegen Troja, dann gleich ein bisschen Trojanisches Pferd, Polyphem, Circe, Hades mit Teresias, Scylla und Charybdis, da fehlt dann schon eine Menge (ob Nausikaa, ob Kalypso), aber es ist ja ein Kinderstück. Am Ende spannt Odysseus als Einziger seinen Bogen und verscheucht die Freier seiner treuen Frau Penelope. Happyend. Schachermaier als Regisseur hetzt das im schnellen Durchlauf in einer geschickten szenischen Lösung (Judith Leikauf und Karl Fehringer) über die Bühne. (...)

Immerhin ist Bijan Zamani ein auch optisch eindrucksvoller Titelheld, der sich gelegentlich schüchterner und leiser gibt, als man Odysseus zu kennen meint. Eine Großleistung vollbringt der Einspringer Curdin Caviezel in der in dieser Fassung so wichtigen Rolle des Telemachos. Die vier Randalierer sind mit Jürgen Heigl, Rafael Schuchter, Clemens Matzka und Enrico Riethmüller besetzt, wobei Letztgenannter seine großen Szenen als Hund Argos hat.
Von bemerkenswerter Präsenz ist Cathrine Sophie Dumont als Penelope (zu Beginn wie ein Lustspiel gehalten, wenn sie Odysseus hier sozusagen in den Ehehafen einfängt), die sich überzeugend zu keiner neuen Ehe zwingen lässt und das Schicksal schließlich dem legendären „Bogen des Odysseus“ anvertraut. Johanna Egger als Circe darf ein wenig Pop singen, die heutige Version von Verführung. (...)

Renate Wagner


Mottingers-Meinung.at – 18.01.2022

Griechischer Wein und ganz viel Blut auf der Erde

Bevor es über den mythologischen Troja-Helden zu berichten gilt, ein Wort über die Alltagshelden des Theaters, die dieser Tage allüberall alles tun, damit der Vorhang hochgeht. Im Theater im Zentrum, dem kleineren Haus des Theaters der Jugend, gelang dies bei „Die Abenteuer des Odysseus“ mit zwei Umbesetzungen: Curdin Caviezel, der die in dieser Spielfassung sehr wichtige Rolle des Telemachos übernahm.

Und Rafael Schuchter als Eurylochos, Bote, Teiresias, Freier auf Ithaka und Teil des Chors im Sturm. Wie die beiden in Windeseile in die Produktion gerauscht sind, nötigt Respekt ab. Auch Bijan Zamani als Odysseus, der sich im Probeneifer die Nase gebrochen hat, und dennoch auf der Bühne steht. Michael Schachermaier hat „nach Homer“ inszeniert und dafür die Magiemaschine angeworfen (Bühnenbild aus beweglichen Schiffsbausteinen: Judith Leikauf und Karl Fehringer, Kostüme: Regina Rösing, Abenteuerfilmmusik: Thomas Felder, das hier Atmosphäre schaffende Licht: Lukas Kaltenbäck); er hat am Haus vor einem Jahrzehnt schon mal bei der „Odyssee“ eines anderen Autors Regie geführt, nun machte er sich selber an den Text heran.

Schachermaier hat dafür einen Rahmen gebaut. Nach zwanzig Jahren Abwesenheit wird Odysseus als letzter Überlebender von Poseidons Rache an die Gestade von Ithaka gespült. Er ist traumatisiert, verwirrt, erkennt die Heimat erst nicht. Da torkelt sein steinalter Hund Argos heran, anrührend knuffig: Enrico Riethmüller, der später auch den Zerberus gibt (bis auf Odysseus und Telemachos sind die Darstellerinnen und Darsteller für mehrere Charaktere zuständig), er erkennt seinen Herrn. Pfötchen, ein Schlecker übers ganze Gesicht – Odysseus findet sich wieder, und Telemachos, der auf der Suche nach seinem treuen, vierbeinigen Freund ist. Jetzt kommt Schachermaiers genialer Kunstkniff. Der Vater erzählt dem Sohn, was bisher geschah – nicht die ganze Odyssee, die passte nicht ins 90-Minuten-Format -, und Telemachos, skeptisch und unentschlossen, wie er sich dem Alten gegenüber verhalten soll, findet sich plötzlich mitten drin in den „Abenteuern des Odysseus“.

Odysseus verliebt sich in Penelope, kein Heimchen am Herd: Cathrine Sophie Dumont, die hinter milchigen Folien auch als Schemen der Pallas Athene zu sehen ist, und im Hades als Odysseus‘ tote Mutter, Telemachos wird geboren, da erscheint Menelaos, Clemens Matzka martialisch in schwarzem Leder, und fordert vom Kriegsdienstverweigerer Gefolgschaft ein. Die zehn Jahre vor Troja sind schnell erzählt. Trojanisches Pferd. Kein Dankesopfer für Poseidon, abermals Matzka, den Gott der Meere und der Pferde, ergo Irrfahrt.

Jürgen Heigl, Rafael Schuchter, Enrico Riethmüller, Clemens Matzka – und Johanna Egger wechseln von Odysseus‘ Mannschaft zum präpotenten Pack von Penelopes Freiern, als erstere dem Listenreichen treu ergeben, obwohl der „Ithaka“-Ruf alsbald vom Stinkefinger begleitet wird, als zweitere sind sie famose Intriganten. Johanna Egger soll wohl ein Gegengewicht zu so viel toxischer Männlichkeit sein. Das alles zeigt Schachermaier nicht bitterernst, sondern modern und mit einer Portion frechen Humors. Vom Zyklopen Polyphem hört man aus den Tiefen des Saals nur ein Brüllen und Stampfen, die Schiffscrew in der Höhle, heißt: auf giftgrüner Leinwand, will den einäugigen Riesen zwecks Flucht betrunken machen, die Männer singen Udo Jürgens „Griechischer Wein“ und kommen schließlich mit dem aufgespießten Auge aus dem Untergrund.

Johanna Egger kann auch Circe. In durchsichtigen Gewändern singt sie den Popsong „Give in, you never win, whatever Circe wants Circe gets“. Kein Wunder, dass da Telemachos Hormone verrücktspielen, der Vater setzt zu einem „Du kommst jetzt in eine Phase…“-Vortrag an, Kichern im Saal, bevor sich der Kriegsverbrecher entschließt, bei der schönen Zauberin auch Ehebrecher zu werden. Der Schweinechor intoniert dazu eine Rumba, Odysseus fühlt sich jedenfalls sauwohl. Telemachos fragt: „Und was ist mit Mutter?“, darauf Odysseus: „Komm erst mal in mein Alter …“

Vom Hades, wo Odysseus auf „Mama?“ trifft und den Seher Teiresias befragt, wird man aufgerieben zwischen Skylla und Charybdis, dies alles erzeugt durch Lichteffekte. Ein Papierschiffchen wird auf den Stoffbahnen-Wellen hin und her geworfen, bis es zerfetzt ist. Dann die Sirenen. „Die Abenteuer des Odysseus“ im Theater im Zentrum, das ist Spiel, Satz und Sieg für Bijan Zamani, der nicht nur als grüblerischer, leise gewordener später Kriegsheimkehrer überzeugt, sondern auch die Statur eines, wenn auch angeschlagenen, eigentlich: Anti-, Helden mitbringt. Das Ensemble rund um ihn agiert vom Feinsten. Mit viel Nebel, Zwielicht und Höllenlärm kommt die Sage des klassischen Altertums hier aufs nicht nur jugendliche Publikum zu. (...)

Michaela Mottinger


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Die Abenteuer des Odysseus« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.

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Hörbuch in fünf Kapiteln:

Zur Vor- und Nachbereitung des Stückes »Die Abenteuer des Odysseus« hat das Theater der Jugend ein exklusives Hörbuch aufgezeichnet. In einer Kooperation aus Regie (Simone Tomas), Theaterpädagogik (Lisa Brameshuber) und Schauspiel (Jürgen Heigl, Markus Feustel) entstand eine eigene Fassung, die auf dem Band »Klassische Sagen des Altertums« von Gustav Schwab basiert.

Der inhaltliche Fokus des Hörbuchs liegt auf einer Kontextualisierung des Trojanischen Krieges. Hierfür wird eingangs erzählt, was zu dessen Ausbruch geführt hat. Anschließend erfahren die Zuhörer*innen, welche Konsequenzen der Krieg für die in der Heimat zurückgebliebene Familie Odysseus‘, insbesondere für seinen Sohn Telemachos, hatte.

Troja und das Urteil des Paris

Der Raub der Helena

Aufruf des Königs Menelaos zum Rachefeldzug

Telemachos und die Freier

Odysseus und sein Sohn

Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmxpc2EuYnJhbWVzaHViZXJAdGRqLmF0]