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Grußwort von Thomas Birkmeir

Liebes Publikum,

Wir älteren Generationen, bisher an ein mehr oder weniger sorgenfreies Leben in Frieden und Freiheit gewöhnt, finden uns in einer Welt wieder, die wir so nicht für möglich gehalten hätten. Pandemie, Krieg in Europa, die ersten erschreckenden Konsequenzen des Klimawandels, bis hin zur Ungewissheit, ob wir uns Gas, Strom und Benzin demnächst noch werden leisten können. Natürlich gab es genug warnende Stimmen, aber der Mensch neigt nun mal sehr zur Verdrängung dessen, was ihm unbequem erscheint.

Eine der wohl schwierigsten Aufgaben, die sich uns stellt, ist, wie wir unseren Kindern und Jugendlichen, die in ihrer Gegenwart nicht auf jahrzehntelange Sicherheiten zurückblicken können, erklären, was vor sich geht. Ob wir wollen oder nicht, der jüngsten Generation, jenen, die wir schützen und fördern wollen, ist die Illusion einer »heilen Welt« genommen. Allein das Eingeständnis, dass wir Älteren nicht nur »Opfer« sind, sondern durchaus in vielen Belangen auch »Täter« waren, fällt schwer und kriecht erst langsam unangenehm in unser Bewusstsein.

Lange Zeit in der Geschichte der Menschheit waren es die Götter, dann ein einziger Gott, denen/dem man das teilweise unbegreifliche Geschehen im menschlichen Leben zugeschrieben hat. Noch im »Krieg um Troja« des Homer waren die hohen Mächte die Strippenzieher und der Mensch nur eine Art Marionette, also eigentlich »schuldlos«. Doch schon früh begannen unsere Vorfahren auch, ihr Menschsein – abseits von den Göttern – zu diskutieren – und zu hinterfragen: am Theater.

Ob nun Sophokles die chancenlose Antigone gegen den Tyrannen Kreon antreten ließ, Shakespeare in seinen Königsdramen die Trunkenheit der Macht analysierte, Molière die menschlichen Eitelkeiten dem Gelächter preisgab oder Brecht die Frage nach dem sozialen Wesen Mensch auf die Bühne brachte – Theater war immer Spiegel der Seele des Menschen und eine Hilfestellung, ausweglose Situationen auszuforschen und Lösungsansätze anzubieten.

Nicht umsonst wurde Theater so häufig in der Menschheitsgeschichte bis hin zum Heute verboten oder zumindest zensiert, denn, was auf der Bühne stattfand, bohrte sich häufig wie ein Stachel in das Fleisch der Mächtigen – und hinterfragte die Moral der jeweiligen Machthaber, sowie der Gesellschaft.

Viele Moden und Sackgassen hat es dabei durchlaufen, vom blutrünstigen Schauerspiel, der »Bildungsanstalt« Schillers, bis zur heutigen postmodernen Beliebigkeit mit ihrer Weigerung, überhaupt noch Geschichten und Menschen zu »erzählen«.

Denn der Mensch – auch schon der kleinste – will sich auf der Bühne gespiegelt sehen und eine Geschichte schauen, die ihn etwas angeht. Gutes Theater ist Gegenwehr gegen die menschliche Unvernunft und stellt sehr wohl anhand seiner Held*innen die Frage nach moralischem Verhalten und den Maximen menschlichen Zusammenlebens – und das haben wir gegenwärtig wohl sehr nötig.

Sparen Sie also nicht an ihrem Kind, was Kunst und Kultur anbetrifft! Es könnte eine wohlinvestierte Versicherung sein, damit diejenigen, die in wenigen Jahren das »Heft in der Hand« halten werden, besonnen und mündig und mental gerüstet auf ihr Leben zugehen.

Nach so vielen ernsten Worten, seien Sie getrost: wir wären nicht das Theater der Jugend, wenn wir nicht auch schwierige Themen in interessante und bisweilen komödiantische Unterhaltung verwandeln könnten! Nicht nur das Hirn will versorgt und herausgefordert werden, sondern auch das Herz und die Seele – das wissen wir!

In diesem Sinne viel Spaß beim Durchblättern des Saisonheftes unserer Eigenproduktionen, beim Durchstöbern unserer Website http://www.tdj.at und beim Genuss, in einem unserer Häuser unseren Held*innen in das Hirn, das Herz und in die Seele zu schauen!

Ihr

Thomas Birkmeir

Künstlerischer Direktor