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Grußwort von Thomas Birkmeir

Liebes Publikum,

Kulturlosigkeit scheint um sich zu greifen. Ob es sich nun um grundsätzliche Respektlosigkeit anderen Menschen gegenüber handelt, um die Ignoranz, sich mit anderen Kulturen, Kunstformen, der Geschichte oder aktuellen Ereignissen auseinanderzusetzen, ob es die Intoleranz ist, andere Lebensweisen, Meinungen oder Glaubensrichtungen zu akzeptieren, ob es sich um Gewalt oder Vandalismus handelt oder schlicht um mangelnde soziale Verantwortung.

In einer Gesellschaft, die zunehmend von Konsumismus und Profitstreben geprägt ist und in der die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird, droht die Kultur in den Hintergrund zu geraten. Doch Kultur ist viel mehr als nur Unterhaltung – sie ist ein essenzieller Bestandteil unseres Menschseins. Sie formt unsere Identität, ermöglicht uns, uns auszudrücken und unsere Welt kritisch zu betrachten. Insbesondere für Kinder und Jugendliche ist der Zugang zur Kultur von entscheidender Bedeutung, um ihre Kreativität zu entfalten, ihre eigenen Stimmen zu finden und zu erheben.

Das Theater ist ein mächtiges Instrument im Kampf gegen Kulturlosigkeit. Hier werden Geschichten erzählt, die das Herz berühren, den Verstand herausfordern und zum Nachdenken anregen. Im Theater erfahren junge Menschen den Wert der Diversität, indem sie professionellen Schauspieler*innen dabei zusehen, wie diese in verschiedene Rollen schlüpfen und alternative Perspektiven anbieten. Sie lernen Empathie und entwickeln ein Verständnis für die Erfahrungen anderer Menschen. Das Theater ist ein Ort, an dem unsere Kinder und Jugendlichen vielleicht sogar ihre eigene Stimme finden und so engagiert für eine gerechte und inklusive Gesellschaft eintreten können.

Kulturlosigkeit bedeutet nicht nur einen Mangel an (künstlerischem) Ausdruck, sondern auch das Fehlen von Vielfalt und Gerechtigkeit. Unsere Gesellschaft ist geprägt von Ungleichheiten, Diskriminierung und Ausgrenzung. Hier setzt das Theater als Instrument des sozialen Wandels an. Es bietet eine Plattform, um Themen wie Rassismus, Sexismus, Klassismus und andere Formen der Unterdrückung anzusprechen und zu hinterfragen. Theater schafft Bewusstsein, es gibt marginalisierten Stimmen Raum und es konfrontiert uns mit den gesellschaftlichen Missständen, die wir bekämpfen müssen.

Das Theater ist kein neutraler Raum. Es ist politisch. Auch schon für die Kleinsten. Es zeigt uns die Ungerechtigkeiten unserer Welt auf und ermutigt uns, dagegen anzugehen. Es fordert uns auf, uns für eine gerechtere Gesellschaft einzusetzen, in der alle Menschen gleiche Chancen haben, unabhängig von ihrer Herkunft und Religion, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer körperlichen Fähigkeiten. Das Theater inspiriert uns dazu, gemeinsam für soziale Gerechtigkeit zu sorgen und eine Welt zu schaffen, in der Vielfalt gefeiert wird.

Wir müssen daher für eine umfassende kulturelle Bildung eintreten, die allen Kindern und Jugendlichen zugänglich ist. Dazu gehört die Schaffung von bezahlbarem Zugang zu kulturellen Veranstaltungen und die Förderung von Theaterprogrammen an Schulen und in benachteiligten Gemeinschaften.

Lassen Sie uns gemeinsam kämpfen, um sicherzustellen, dass Kultur für alle da ist. Lassen Sie uns diejenigen unterstützen, die alternative Geschichten erzählen und sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen, Barrieren durchbrechen und Veränderungen anstoßen. Nur durch eine breite Beteiligung und den Einsatz aller können wir eine Gesellschaft schaffen, in der Kultur keine Luxusware ist, sondern ein grundlegendes Menschenrecht.

Viel Spaß beim Durchblättern unseres neuen Jahresheftes für die Saison 2023/24 – Mögen Sie durch unsere neuen Produktionen Denkanstöße finden, aber auch zum befreiten Lachen angeregt werden, mögen Sie ein wertvolles »Stück Leben« aus unseren Theatern mit nach Hause nehmen – und sich noch stärker bewusstwerden, dass Kunst und Kultur den Menschen ausmachen.

Herzlich  
Thomas Birkmeir

Künstlerischer Direktor