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Wuthering Heights - Sturmhöhe 13 +

nach Emily Brontë
von Thomas Birkmeir

Stückinfo

Ort: Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien
Zeitraum: 28. März 2017 - 28. April 2017
Premiere: 29. März 2017
Dauer: 02:05
Regie: Thomas Birkmeir

»Ich werde dorthin gehen, wohin meine Natur mich führt. Es widerstrebt mir, mich von jemandem anderen führen zu lassen.«

Emily Brontë

Blog: "Making of Wuthering Heights"
Die 19-jährige Schülerin Elena Zohmann besucht im Rahmen eines theaterpädagogischen Projektes regelmäßig die Proben und veröffentlicht ihre Eindrücke von hinter den Kulissen in ihrem Blog www.makingofwutheringheights.wordpress.com/blog/


1848 starb eine gerade 30-jährige Frau an Lungenentzündung. Sie hatte sich beharrlich geweigert, ärztliche Hilfe anzunehmen, denn man solle »der Natur ihren Lauf lassen«. Dieses unbelehrbare, eigenbrötlerische, emanzipatorische Wesen Emily Brontë hatte ein Jahr zuvor ihren einzigen Roman unter dem männlichen Pseudonym Ellis Bell veröffentlicht: Wuthering Heights – Sturmhöhe. Ein Roman, der heute als Klassiker der britischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts gilt.
Ob Liebe jemals »romantisch« sein kann, ist die Grundfrage dieser seltsamen Schöpfung, die die beiden Hauptfiguren Heathcliff und Cathy wie Naturgewalten aufeinanderprallen lässt. Seit ihrer Kindheit in gemeinsamen Träumen, abenteuerlichen Spielen, aber auch Hassliebe einander zugewandt, entwickeln sie sich zu Erwachsenen, die den jeweils anderen vergessen wollen, sich deshalb verletzen und demütigen, sich aber wie mächtige Magneten immer wieder ungewollt anziehen.
Die »tugendhaften« Zeitgenossen waren entsetzt und empört über diesen Roman. So schrieb man nicht über Gefühle, Leidenschaften, das Sich-einander-verfallen-Sein. So schrieb man schon gar nicht, wenn man eine Frau war… Es dauerte über 50 Jahre bis Literatur-wissenschaftler erkannten und anerkannten, dass »Wuthering Heights« auch von der künstlerischen Konstruktion her eine gewaltige Neuerung darstellte.
Ihre Schwester Charlotte schrieb über Emily: »Ihr Wille war nicht sehr anpassungsfähig. Ihr Temperament war großmütig, lebhaft und jäh, ihr Geist unbeugsam. Sie war stärker als ein Mann und einfacher als ein Kind.«
Dieses umstrittene Kuriosum der Weltliteratur, häufig verfilmt, ein düsterer Gegenentwurf zu Shakespeares Romeo und Julia, befragt die möglichen Schattenseiten der Liebe, wo »Romantik« umschlagen kann in Eigennutz, Eifersucht und Besitzgier.

Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien

Besetzung

Heathcliff Luka Dimic
Catherine Earnshaw Felicitas Franz
Edgar Linton Jürgen Heigl
Nelly Dean Elisabeth Findeis
Isabelle Linton Aline-Sarah Kunisch
Hindley Earnshaw Pascal Groß
Joseph Florian Stohr
In weiteren Rollen Ensemble
Regie Thomas Birkmeir
Bühne Vanessa Achilles-Broutin
Kostüme Irmgard Kersting
Videogestaltung Felix Metzner
Dramaturgie Markus Emil Felkel
Licht Christian Holemy
Assistenz/Inspizienz Felix Metzner
Hospitanz Julia Philomena Baschiera

Kritiken

Der Standard – 31.03.2017

"Wuthering Heights": Hinab ins Erdloch der ewigen Liebe

Geht unter die Haut: Thomas Birkmeir inszeniert "Wuthering Heights" im Wiener Renaissancetheater

Wien – Alles führt hinab ins Grab. Der schräge Bühnenboden im Renaissancetheater lässt die Protagonisten direkt auf das Erdloch zusteuern und gibt damit zugleich einen düsteren Ausblick: Die Geschichte von Heathcliff (Luka Dimic) und Catherine (Felicitas Franz) wird tragisch enden, und Letztere wird sterben, ohne dessen Liebe bestätigt zu wissen. Auch Emily Brontë erlebte den Erfolg ihres Romans Wuthering Heights nicht mehr. Ihr unromantischer Blick auf alle Formen der Liebe – zu Partner, Kind oder Gott – empörte ihr zeitgenössisches Publikum. Thomas Birkmeir hat sich nun Brontës Text angenommen, seine nahe gehende Inszenierung gelangt im Theater der Jugend zur Uraufführung.

Das Kindermädchen Nelly (Elisabeth Findeis) und der gottesfürchtige Joseph (Florian Stohr) führen als Erzähler durch die Geschichte: Als Catherines und Hindleys (Pascal Groß) Vater von einer seiner Reisen einen Buben mit nach Hause bringt und ihm den Namen des verstorbenen Bruders Heathcliff gibt, entzweit dies das Geschwisterpaar völlig. Während Hindleys Hass wächst, schwören Catherine und Heathcliff einander ewige Abhängigkeit. Mit dem Tod des Vaters geht das Anwesen in den Besitz des Sohnes über, der seinen "Bruder" misshandelt. Catherine und Heathcliff beschließen zu fliehen, dabei wird sie verletzt und von den Nachbarn gesundgepflegt. Heathcliff sieht sie erst nach Wochen wieder. Als sie auch noch in die Heirat mit Edgar Linton (Jürgen Heigl) einwilligt, schwört Heathcliff ihr Rache.

Die Bühnenlandschaft (Vanessa Achilles-Broutin) wirkt karg, doch die Schräge hat es in sich. Eine drehbare Rundbühne in der Mitte verleiht dem Raum zusätzliche Ebenen. Ein fahrbarer Kronleuchter zeigt das Haus der Lintons an. Mehr ist gar nicht nötig, denn das beeindruckende Spiel der Darsteller füllt den Raum komplett aus. Mit starkem Körpereinsatz lässt vor allem Dimic Schweiß und Tränen fließen. Franz ist ihm eine würdige Partnerin. Eine Leinwand im Hintergrund verleiht stimmungsvoll Farbe, ehe sie die verstorbene Catherine in Heathcliffs Vorstellung auferstehen lässt. Das geht berührend nahe. Jubelnder Applaus.

Katharina Stöger


Neuer Merker – 30.03.2017

WIEN / Renaissancetheater: WUTHERING HEIGHTS – STURMHÖHE

Die Braven und Angepassten schaffen nur selten große Kunstwerke. Emily Brontë (1818-1848), die gerade 30 Jahre alt wurde (und von der es hieß, dass sie bewusst willentlich starb, weil sie ärztliche Hilfe verweigerte), muss für ihre Familie eine ziemliche Plage gewesen sein. Und für die Mitwelt ein sagenhafter Schock: 1847 erschien (unter Pseudonym) ihr einziger Roman „Wuthering Heights“ (zu Deutsch als „Sturmhöhe“ bekannt), der alle Erwartungen an Frauenliteratur und „Liebesromane“ unterwanderte. Tragische Liebe durfte ja sein, aber sie hatte romantisch und unter edlen Charakteren abzulaufen.

Weder Catherine Earnshaw noch Heathcliff sind solche, im Gegenteil, beide wirken in ihrer Exzentrik auf Normalmenschen eher erschreckend – ihr egoistisches, manipulatives, besitzergreifendes Wesen, sein Außenseitertum, das durch elende Behandlung durch die Umwelt dann in blanke Grausamkeit umschlägt. Zu viel für eine bürgerliche Gesellschaft, die damals Romane las. Interessant allerdings für die Nachwelt.

Wenn Thomas Birkmeir „Wuthering Heights – Sturmhöhe“ nun in höchst geschickter eigener Bearbeitung auf die Bühne des Renaissancetheaters bringt, mutet er einem jugendlichen Publikum (als Alter ist 13 + vorgesehen) einiges zu. Nicht nur elende Familienverhältnisse und schäbige, verrottete Menschen, auch jede Menge körperlicher und seelischer Grausamkeit. Demütigungen, Beleidigungen, Enttäuschungen, Besessenheit, Sadismus, Rache… kaum etwas, das die junge Miss Brontë ausgelassen hat, also muss es der Regisseur auch nicht.

(...)

Birkmeirs Bearbeitung ist fraglos sehr geschickt, zumal er sich mit dem halben Werk begnügt, die nächste Generation ist ausgespart, aber zweifellos sind Catherine / Heathcliff der stärkste Teil der Geschichte. Die Reduktion auf sieben Personen (die manchmal auch schattenhaft in anderen Nebenrollen auftreten) funktioniert, Nelly Dean bleibt, wie im Roman, die Erzählerin, und im übrigens sind neben dem bösen Bruder und dem Geschwisterpaar Linton nur noch der alte Joseph dabei – der Diener, der mit seinem Katholizismus nervt, der den unmoralischen Agnostikern entgegengestellt wird, aber durch die fast parodistische Gestaltung von Florian Stohr kaum positives Gewicht erhält. Für dieses ist einzig und allein Elisabeth Findeis als treue Dienerin Nelly zuständig, die alles versteht und alles verzeiht.

Luka Dimic als Heathcliff wandelt sich auch optisch überzeugend vom struppigen, von allen getretenen Naturkind zum gnadenlosen, sadistischen Herrenhausbesitzer, das hat Kraft und Stil. (...)

Felicitas Franz ist von Catherines Jugend an so hyperaktiv-hektisch, dass sie später keine Schwierigkeit hat, sie als Borderline-Persönlichkeit mit geringem Realitätsbezug und hochgradiger, aggressiver Hysterie zu gestalten. Pascal Groß ist ihr hochmütiger, bösartiger Bruder, Jürgen Heigl ihr knieweich-freundlicher Ehemann und Aline-Sarah Kunisch die Frau, die meint, Heathcliff durch Liebe zähmen zu können, und dabei fast zugrunde geht.

Kurz, eine rundum unerfreuliche Geschichte, die sich als Buch im stillen Kämmerlein leichter rezipiert als auf der Bühne, wo die ganze Brutalität des Geschehens direkt auf den Zuschauer zukommt. Wobei die Bühnenbildlösung von Vanessa Achilles-Broutin mit einer starken Bühnenbodenschräge, in die eine Drehbühne eingearbeitet ist, die sich nicht nur dreht, sondern auch hebt und senkt, überaus eindrucksvolle Effekte bietet. Die Kostüme von Irmgard Kersting wandern quer durch die Zeit.

Etwas mehr als zwei Stunden Spieldauer, die vor Intensität platzen. Das Premierenpublikum zeigte sich sehr beeindruckt.

Renate Wagner


Die Presse – 31.03.2017

Theater der Jugend im Krater der Leidenschaft

Thomas Birkmeir inszeniert Brontës „Sturmhöhe“ als Popmärchen.

(...) Ein gewaltiger Krater dreht sich auf der schrägen Bühne, Geräusche werden akustisch zugespielt. Junge Leute im Adelsmilieu kämpfen um die Liebe. Catherine (Felicitas Franz), ein vitales, exzentrisches Mädchen, freundet sich mit einem Findelkind an, das ihr Vater heimbringt: Heathcliff heißt der Bursch. (Die lungenkranke Pfarrerstochter Brontë, die nur 30 Jahre alt wurde, soll sich in dem sinistren Wilden verewigt haben.) Nach dem Tod des Gutsherren übernimmt dessen Sohn Hindley, ein Säufer, den Besitz und verjagt Heathcliff. Dieser erbt ein Vermögen in den Kolonien, kehrt zurück und rächt sich, auch an Catherine, die den landadeligen Nachbarn Edgar erhörte und sich in eine kränkelnde Lady verwandelt hat, die in Wahnsinn fällt.

Archetypen aus Jugendgangs

Die Schauspieler sind großartig, speziell Luka Dimic als Heathcliff und Pascal Groß als Hindley. (...) Birkmeir hat den Roman gestrafft und aktualisiert. Catherine ist magersüchtig, Heathcliff ein Bootsflüchtling. (...) Heathcliff übernimmt den Landsitz und ruiniert alle – so wie er vor seinem Aufstieg selbst ruiniert worden ist – der eingebildeten oder brutalen Aristokraten.

Insgesamt geht Birkmeirs düsteres Popmärchen mit seinen klassischen Frontstellungen, die immer haarscharf am Klischee vorbeischrammen, auf. Aus dem altertümlichen und langwierigen Buch, ein Klassiker, den heute selbst eingefleischte Romantiker kaum freiwillig zu Ende lesen dürften, hat er eine messerscharfe Parabel über Konstellationen in Jugendcliquen oder Gangs destilliert.

Barbara Petsch


Wiener Zeitung – 03.04.2017

Brutaler Bilderbuch-Kosmos

Thomas Birkmeier bringt "Sturmhöhe" nach Emily Brontë auf die Bühne des Theaters der Jugend.

Thomas Birkmeir, Direktor und Hausregisseur, verwirklicht sich im Theater der Jugend auch als Romanbearbeiter. Nach Patricia Highsmiths Krimihelden "Mister Ripley" für die kleine Bühne im Zentrum nun das 400-Seiten-Buch "Wuthering Heights" von Emily Brontë im Renaissancetheater. Der einzige Roman der mittleren der drei Brontë-Schwestern, 1847 erschienen, errang erst mit Verspätung im Kanon der englischen Literatur einen Sonderplatz zwischen Schauerromantik und feministischer Moderne.

Einschichtdumpfheit und Herrenmenschengrobheit von den ersten Seiten an. Doch allmählich erschließt sich das Landgut "Wuthering Heights" am Rande eines luftverpestenden Moors als ein - sorgsam wie eine Puppenstube konstruiertes - Labor für Belastungsexperimente. Hier reizt ein gedemütigtes Findelkind, nur kurz Heathcliff genannt, seine Rache- und Vernichtungsgier bis zur Menschenvernichtung aus. Hier klammert sich das Mädchen Cathy in christlich grundierter Bemutterungs-Inbrunst an den zuerst stummen Kaspar-Hauser-Verwandten. Für ihre frühe Verliebtheit wird sie mit Nachstellung und Kontrolle bis zum Tode hin büßen.

Unwirtliche Welt

Die Erbfolge des Unglücks über drei Generationen hinweg verknappte Birkmeir auf zwei. Wie von der Dichterin - und Pfarrerstochter - vorgeschrieben, baut die Magd Nelly (Elisabeth Findeis) als in die Handlung eingebettete Erzählerin den Einzelnummern Verständnisbrücken. (...)

Ein betörend simpler Bildbuch-Kosmos, in dem sich ein Teil des Bühnen-Unterbaus dreht und wendet. Den unwirtlichen Ort "Sturmhöhe" breitet Vanessa Achilles-Broutin auf einer schiefen Ebene aus. Die Steigung - Bühnenfall 27 Grad - hindert die Figuren im landläufigen Schritt. Stakend, schlitternd, schleifend meiden sie den Boden des Gewohnten. Die Kostüme (Irmgard Kersting) wie aus viktorianischen Figurenalben. Im Typenkabinett dieses Psychodramas erscheinen prima vista die Männer als Monster, die Frauen als Opfer. Doch Opfer mit Eigensinn, darum auch Täterinnen. Cathy (Felicitas Franz), einmal vom Hund gebissen, einmal die Hand im Verbrüderungsritual selbst blutig geritzt, holt sich Luxus als Gattin des Nachbarn (Jürgen Heigl). Isabelle (Aline-Sarah Kunisch), dessen Schwester, macht Heathcliff (Luka Dimic) kirre und will ihn zuletzt aus der Welt schaffen. Der Diener Joseph (Florian Stohr) poltert als religiöser Eiferer mit Bibelsprüchen über die Schräge. (...)

Im Reich des Bösen

Manche der schönen Augenblicke sind stumme frozen pictures.
Heathcliff beginnt in eine Decke gehüllt wie ein aus dem Meer geborgener Flüchtling. Sein Nennbruder Hindley (Pascal Groß) sperrt ihn in den Schweinestall. Als sich auch Cathy von ihm - nicht gesellschaftsfähig! - distanziert, flieht er in die Fremde und kehrt als reicher Mann zurück. Als ein Antichrist, schwarz gekleidet, der Vergeltung übt und auch Cathy nicht verschont. Mit ihrem Begräbnis beginnen und enden die zwei Spielstunden. Heathcliff springt in die Grube und will sein gehasstes Liebesobjekt zurückholen in seinen Terrorbezirk. Mehr als im Roman, wo er das Böse, Verderbte schlechthin verkörpert, sichert ihm Birkmeir Mitleid. Den jungen Zuschauern gefällt das schwarze Kunstmärchen. Als Bekenntnis-Hit der britischen Sängerin Kate (Cathy) Bush kennen wohl viele "Wuthering Heights".

Hans Haider


Kinder Kurier – 02.04.2017

Was ist schon Liebe gegen Haben?!

„Wuthering Heigts – Sturmhöhe“ ein Theater-der-Jugend-Stück nach dem Roman von Emily Brontë verströmt Gefühlskälte pur auf der Bühne.

Gut gegen Böse – sehr verkürzt gesagt/geschrieben, lassen sich darauf viele Romane, Theaterstücke, Filme, Serien ... zusammenfassen. „Wuthering Heigts – Sturmhöhe“ ist anders. Hier gibt’s praktisch nur Böse. Im Roman, dem einzigen von Emily Brontë und der verdichteten Fassung des Theater-der-Jugend-Direktors Thomas Birkmeir.

Von den zwei möglicherweise Guten – wir wissen zu wenig über sie – stirbt der eine bald, der andere ist laaaangweilig. Die Spannung ergibt sich aus dem Gegeneinander der Bösen von denen die meisten unter dem Banner der Liebe agieren. Doch stets ist das, was sie den anderen gegenüber als Liebe ausgeben, immer nur die Liebe zu sich selbst. Lauter Ich-AGs sozusagen.

Haben zählt mehr als Menschenwürde

Geschenke! Geschenke!... rufen die Kinder als der Vater Earnshaw nach Hause auf den Hof von Wuthering Heigts kommt. Stattdessen bringt er einen ausgemergelten in Lumpen gehüllten Buben mit. Der eigene Sohn Hindley, enttäuscht die versprochene Geige nicht gekriegt zu haben, bespuckt den fremden Jungen. Die Tochter Cathy hingegen freundet sich mit ihm, den der Vater nach einem verstorbenen Sohn Heathcliff nennt, an – allerdings betrachtet sie ihn erst eher als so etwas wie ein lebendiges Spielzeug.

Später, als beide heranwachsen und sich ineinander verlieben – in der stürmischen Einöde laufen ihnen aber auch kaum andere Menschen über den Weg – entpuppt sich das was sie als Liebe bezeichnen, mehr als die/den anderen besitzen wollen. Und Leidenschaft entblößt sich eher als Gier.

Lieber reich als geliebt

Cathys Bruder, mittlerweile Erbe des Hofs, verbannt den vom Vater aufgenommenen Waisenbuben in den Schweinestall. Sollte die Schwester weiterhin auf Heathcliff stehen, würde er beide verbannen. Und so nimmt Cathy das Angebot des Nachbarn, des einzigen, der in den zwei Stunden nie wirklich bös, dafür sehr fadisierend, wirkt, an und heiratet ihn. Lieber reich verheiratet als mit dem Geliebten arm durch die Welt ziehend. Noch dazu wo die Liebe ja eher auf Besitzdenken basiert.

Und so zieht der einst vom Vater aufgenommene Jungen – in dieser Fassung eines Flüchtlings, der’s übers Mittelmeer geschafft hat – hinaus in die weite Welt. Um als gemachter Mann zurückzukommen, der den herabgewirtschafteten Hof gekauft hat und nun Rache übt – den versoffenen einstigen Hof-Erben in den Schweinestall verbannt und Cathy, mit der er in inniger Hassliebe verbunden ist, nicht in Ruhe lässt.

Hass als Liebe getarnt

In ihrer scheinbaren Liebe quälen sich die Beteiligten gegenseitig – aber auch sich selbst. Gefühlskälte durchzieht die zwei Theaterstunden auf einer schrägen Ebene. Die Drehbühne wird somit manchmal zum hoch erhabenen Anwesen von wo aus auf die anderen herabgeschaut wird und dann wieder zum Loch, in das Beteiligte fallen. Das stärkste Gefühl ist Hass, selbst wenn sie sich als Liebe tarnt – das transportieren vor allem Luka Dimić als Hheathcliff als auch Felicitas Franz als Catherine Earnshaw schüttelfröstelnd. Erwähnenswert jedenfalls noch Florian Stohr als Diener Joseph, der so manch Scheinheiligkeit entlarvt, wenn er von anderen unausgesprochene Dinge drastisch anspricht.

Fantastisch, dass kein Zeigefinger auftaucht, der besagt: So sollt ihr ja nicht handeln. Das vermittelt sich durchs Spiel der Figuren ganz von allein.

Heinz Wagner


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu "Wuthering Heights - Sturmhöhe" bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf phantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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