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Nennt mich nicht Ismael! 11 +

von Michael Gerard Bauer
in einer Fassung von Stefan Behrendt

Stückinfo

Ort: Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Zeitraum: 23. April 2014 - 24. Juni 2014
Premiere: 25. April 2014
Dauer: 01:45
Regie: Stefan Behrendt

»Das Ismael-Leseur-Syndrom macht aus
einer völlig normalen Person eine wandelnde
Katastrophe, die auf der nach oben offenen
Idioten-Skala mindestens den Wert neun Komma
neun erreicht.«

Michael Gerard Bauer. Nennt mich nicht Ismael!

»Nennt mich Ismael.« Mit diesen berühmten Worten beginnt eines der Hauptwerke der Weltliteratur: Herman Melvilles »Moby Dick«.
Dieser Roman brachte die Eltern von Ismael Leseur auf die Idee, ihren Sohn eben so zu nennen. Ein gefundenes Fressen für seine Klassenkameraden – gerade aufgrund seines Namens wird Ismael gehänselt und heftig drangsaliert. Das absolut schlimmste Grauen jedoch hat einen anderen Namen: Barry Bagsley.
Mehr und mehr wird Ismael zum Außenseiter und wählt die Isolation. Bis der schwächliche, aber höchst intelligente James Scobie neu in Ismaels Klasse kommt.
Ein Junge, der es schafft, sich – allein mit Worten – Respekt zu verschaffen. Vor allem beim Mobber Barry.
Bald wird ein Debattierclub gegründet, in dem sich alle Außenseiter der Schule wiederfinden. Als es zu einem ersten Wettbewerb kommt, fällt Scobie wegen Krankheit aus. Wie ohne ihn bestehen? Jetzt ist die Sache an Ismael, sich und seine Freunde endlich aus den Fesseln der Verachtung und Unterdrückung zu befreien.
Soll er seinen Rivalen Barry vor der gesamten Schule bloßstellen? Oder ist das Prinzip »Auge um Auge, Zahn um Zahn« überholt – da man letztlich nur so handelt, wie diejenigen, unter denen man leidet? Eine Entscheidung, die Ismael nicht leicht fällt…
»Nennt mich nicht Ismael!« ist eine mitreißende und höchst amüsante Geschichte über Mobbing, Freundschaft und Zivilcourage sowie über die Macht der Sprache.
Michael Gerard Bauer war Lehrer, bevor er den Entschluss fasste, sich ausschließlich dem Schreiben zu widmen. Der Roman wurde mehrfach ausgezeichnet und in viele Sprachen übersetzt.

Aufführungsrechte: Carl Hanser Verlag, München


Besetzung

Ismael Leseur Wolfgang Türks
James Scobie Korbinian Josef Müller
Orazio Zorzotto Markus Freistätter
Bill Kingsley Benedikt Paulun
Ignatius Prindabel Matthias Hacker
Kelly Faulkner Melanie Flicker
Barry Bagsley Jürgen Heigl
Danny Wallace Rafael Wieser
Dad Rainer Doppler
Mum Pilar Aguilera
Miss Tarango Pilar Aguilera
Mr. Barker Rainer Doppler
Marty Faulkner Ensemble
Regie Stefan Behrendt
Bühne Ann Heine
Kostüme Annabel Lange
Licht Johann Cizek
Dramaturgie Markus Felkel
Assistenz und Teilinspizienz Magdalena Gartner
Teilinspizienz Nina Baak
Hospitanz Annika Rotter

Kritiken

Der Standard – 13.05.2014

Gewitzter Klassenkampf - Rüpelhafte Rabauken machen den Schulalltag zur Qual: "Nennt mich nicht Ismael!" im Theater der Jugend

Den erfolgreichen Jugendroman "Nennt mich nicht Ismael!" des australischen Autors Michael Gerard Bauer hat Regisseur Stefan Behrendt für das Wiener Theater der Jugend adaptiert
Kevin ist seit einigen Jahren bekanntlich kein Name, sondern eine Diagnose. Doch auch andere Namen können mühlsteingleich am Hals ihres Trägers hängen, etwa wenn sie berühmten Romanen entnommen sind.
So führt auch der 14-jährige Ismael Leseur all sein jugendliches Unglück darauf zurück, dass sich seine Eltern von Melvilles Moby Dick inspirieren ließen. Er sieht sich eindeutig als Gezeichneter des von und nach ihm benannten Ismael-Leseur-Syndroms, das aus ihm „eine wandelnde Katastrophe“ macht.
Nennt mich nicht Ismael! heißt dementsprechend auch der erfolgreiche Jugendroman des australischen Autors Michael Gerard Bauer, den Regisseur Stefan Behrendt für das Wiener Theater der Jugend adaptierte. Ismael (Wolfgang Türks) erzählt darin, wie ihm sein Schulalltag von Barry Bagsley (Jürgen Heigl) und dessen Kadetten Danny (Rafael Wieser) zur Qual gemacht wird. Kontra bekommen die beiden Rüpel erst, als mit Scobie (Korbinian Josef Müller) ein neuer Schüler zur Klasse stößt. Diesem entgleiten nach einer Tumoroperation zwar gelegentlich die Gesichtszüge, die Rabauken hat er jedoch mit selbst¬sicherer Wortgewandtheit schnell im Griff. Bis sich Ismael und seine Mitschüler auch ohne Scobie gegenüber Barry und Danny behaupten können, braucht es allerdings noch einige Zeit.
Behrendt inszeniert den Klassenkampf vor, hinter und zwischen Schultafeln (Bühne: Ann Heine) mit einer Handvoll guter Ideen und deutlicher Freude an pubertären Verhaltensauffälligkeiten. Dennoch werden alle Figuren mit Respekt behandelt und wird das erns¬te Thema Mobbing nie veralbert. Schließlich sollen Theaterbesucher ab elf Jahren auch erleben, wie wohlgewählte Worte über Lärm und Gewalt triumphieren.

Dorian Waller


Wiener Zeitung – 28.04.2014

Kampf dem Mobbing - Theater der Jugend zeigt "Nennt mich nicht Ismael!" von Michael G. Bauer

Mit welchen Strategien sich Mobbing-Opfer gegen ihre Peiniger zur Wehr setzen können, schildert der australische Autor Michael Gerard Bauer in seinem mehrfach preisgekrönten Jugendroman "Nennt mich nicht Ismael!" (2006). Nicht weniger spannend, unterhaltend und lehrreich ist die Bühnenfassung des Werkes, die nun im Theater der Jugend als österreichische Erstaufführung in der Regie von Stefan Behrendt auf dem Programm steht.
Die Bühne (Ann Heine) wird zum Klassenzimmer mit einer riesigen schwarzen Tafel. Der Titelheld (Wolfgang Türks) erinnert sich sowohl als Erzähler als auch als Mitspieler an die Stationen seiner vom "I-L-Virus" - besser gesagt: Ismael-Leseur-Virus - verursachten Leidensgeschichte. Sein nicht alltäglicher Vorname, den ihm seine Eltern aus Begeisterung für Herman Melvilles Kultroman "Moby Dick" verpasst haben, wird für ihn bereits am ersten Schultag im St. Daniel’s Boys College zum Stigma. Der Rabauke Barry und sein Kumpan Danny schikanieren ihn gnadenlos zum Gaudium der Klassengemeinschaft. In seiner Hilflosigkeit bietet er sich den Rowdys geradezu als bestens geeignetes Demonstrationsobjekt an, um ihre Vormachtstellung in der Klasse zu festigen. Allerdings nur so lange, bis ein neuer Mitschüler auftaucht.

Mit geschliffener Rhetorik

Dieser blitzgescheite Scobie (Korbinian Josef Müller) hat als Folge einer Gehirntumor-Operation die Kontrolle über sein Mienenspiel verloren, doch er gibt den Quälgeistern mit geschliffener Rhetorik furchtlos und pointiert Kontra, so dass Barry (Jürgen Heigl) und Danny (Rafael Wieser) ihre Mitläufer abhanden kommen und sich dem von Scobie gegründeten Debattierklub anschließen. Dank Scobie gewinnt auch Ismael schrittweise an Selbstbewusstsein. Am Ende erreicht die Debattiergruppe im Schulwettbewerb das Finale und Ismael wird vor den Lehrern aufgefordert, beim Jahresabschlussfest ans Rednerpult zu treten - für ihn eine Möglichkeit, es Barry heimzuzahlen. Doch im letzten Moment nimmt er davon Abstand. Barry hingegen droht mit dem nächsten Schuljahr, dem Ismael jedoch angstfrei entgegensieht.
Das junge Ensemble bringt in Behrendts flotter, einfallsreicher Inszenierung die Stimmungsschwankungen im Gruppenverhalten gekonnt zum Ausdruck und bewährt sich bestens bei der Charakterisierung der unterschiedlichen Schülertypen. Ein Theaterabend, von dem auch Erwachsene profitieren können.

Hilde Haider-Pregler


KiKu – 03.05.2014

"Schlag"fertig - Wie Mobbingopfer Ismael lernt, sich mit Worten zu wehren - Ein Stück voller Witz und Ironie im Theater der Jugend (Wien)

"Das Ismael-Leseur-Syndrom macht aus einer völlig normalen Person eine wandelnde Katastrophe, die auf der nach oben offenen Idioten-Skala mindestens den Wert neun Komma neun erreicht“, schon dieses Originalzitat bringt das Wesen auf den Punkt. Ein Bursch wird wegen seines Vornamens ausgelacht, verspottet, fühlt sich selbst als der letzte I… Und er zeichnet sich gleichzeitig durch Witz, Ironie und Sprachgewandtheit aus. Den Vornamen verdankt er übrigens „Moby Dick“. Herman Melvilles Romanbeginn „Nennt mich Ismael“ fiel Herrn Leseur ein, als Frau Leseur mit dem Baby schwanger und wie er es sagt, so dick wie ein Wal, war. Ismael war auch kein Problem für den heranwachsenden jungen Leseur – bis er in die neue Schule kam, wo Barry Bagsley und Danny Wallace ihm das Leben zur Hölle machen.

"BEVOR...."

Mit Sprache könne Macht aber auch anders ausgeübt werden, versucht Lehrerin Miss Tarango dem Ober-Mobber Barry Bagsley zu vermitteln in dem sie ihn auf einen Sessel setzen lässt und ankündigt, noch BEVOR sie ihn drei Mal umrundet, werde er aufstehen. Nach der zweiten Runde läutet die Pausenglocke, sie verlässt das Klassenzimmer…

Viele Gesichter

„Nennt mich nicht Ismael!“ nach dem Roman des australischen Autors Michael Gerard Bauer hatte kürzlich im kleineren Haus des Theaters der Jugend in Wien (im Zentrum) Premiere. Das Stück befasst sich mit einer Thematik der immer mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgesetzt sind – Mobbing. Gezielte Schikanen, abwertende Bemerkungen, unfaire Kritik, fiese Machenschaften aller Art – Mobbing hat viele Gesichter. Ob in der Schule oder im Beruf – Mobbing kann jede und jeden treffen.

Strategien?

Gibt es wirksame Strategien oder Möglichkeiten gegen Mobbing vorzugehen? Ja! Mit welchen Strategien sich Mobbing-Opfer gegen ihre Peiniger zur Wehr setzen können, schildert der Autor in seinem mehrfach preisgekrönten Roman.
Ismael Leseur ist in den Augen einiger Klassenkameraden ein regelrechter Freak und muss stetig verschiedene Blamagen über sich ergehen lassen. Er wehrt sich nicht. Doch eines Tages kommt James Scobie, ein neuer Schüler in die Klasse, der sich allein mit seinen schlagfertigen Kontern Respekt verschaffen kann. Obendrein leitet er sofort den nun auch in dieser Schule ins Leben gerufenen Debattierklub. Ismael macht – ein bisschen widerwillig – mit, aber nur für die Recherche, reden will er in den Bewerbsrunden nicht. Springt dann aber doch ein, als Scobie wieder ins Krankenhaus muss, nachdem der Verdacht auftaucht, sein operierter Tumor beginne doch wieder zu wuchern.

Kraftraubend

Sich gegen Mobbing zu wehren, braucht Kraft und Durchsetzungsvermögen. Im Stück wird gezeigt, dass man sich mit Wörtern besser wehren kann und Konflikte verbal sinnvoller lösen kann, als mit Fäusten. Ismael und seine Freunde verschaffen sich Respekt. Und nicht etwa durch Gewalt, sondern durch die Sprache. Mag sein, dass es nicht immer hilft, wenn man zungenfertig ist, aber es ist dennoch die sinnvollere Möglichkeit sich zu wehren, anstatt zu schweigen oder gar zuzuschlagen.

Mediation und Streitschlichtung

Wenn Betroffene mit der Situation nicht alleine fertig werden, sollen sie sich unbedingt Hilfe holen. Sie können lernen, sich mit den richtigen Reaktionen und Worten zu verteidigen und zu wehren. Wer sich nicht wehrt und schweigt, wird immer mehr zum Opfer. Worum geht es den Mobbern eigentlich? Meist geht es ihnen darum, ihre Stärke und Macht zu demonstrieren. Inzwischen werden in vielen Schulen in der Abgrenzung zu Mobbing SchülermediatorInnen oder StreitschlichterInnen ausgebildet und eingesetzt. Dies erweist sich in der Praxis als hilfreiche und sinnvolle Methode.
„Nennt mich nicht Ismael!“ ist ein gelungenes Theaterstück von dem Jugendliche aber auch Erwachsene profitieren können!

Heinz Wagner, Mitarbeit: Jana Ribarich, 14


Materialien

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