Spielplan 2025/2026
Das Geheimnis der verzauberten Stimme 6 +
von Alan Ayckbourn
Deutsch von Inge Greiffenhagen
Stückinfo
| Ort: | Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien |
|---|---|
| Zeitraum: | 04. Oktober 2025 - 16. November 2025 |
| Premiere: | 07. Oktober 2025 |
| Dauer: | 02:00 inkl. Pause |
| Regie: | Nicole Claudia Weber |
»Die Stimme eines Menschen ist sein zweites Gesicht.«
Gérard Bauer
Tia Maria hat einen Traum: Wenn sie groß ist, dann will sie Marktschreierin werden. Und deswegen übt sie jetzt schon – sehr zum Leidwesen ihrer Eltern, die sich hin und wieder wünschten, einen ruhigeren Sprössling gekriegt zu haben. Nicht eine Sekunde kann sie die Klappe halten und stellt damit die Nerven ihrer Eltern auf eine Zerreißprobe. Aber sie lieben ihr Kind und wollen natürlich nichts als sein Glück.
Doch dann geschieht etwas Unfassbares, das das Leben der Familie Perkins völlig umkrempeln soll: Nach einem Jahrmarktbesuch und ausgiebigen Schreiübungen ist Tia Marias Stimme ganz plötzlich verschwunden! Kehlkopfentzündung, meint der Hausarzt und verordnet Bettruhe, Pillen und Tinkturen. Und die Behandlung scheint zunächst von Erfolg gekrönt: Nach zwei Kuren kann Tia Maria endlich wieder sprechen. Doch was ist das!?! Die neue und überaus tiefe Bassstimme mag so gar nicht zu einem jungen Mädchen passen und sorgt bei anderen Menschen im besten Fall für Irritation, im schlimmsten Fall für Verstörung, Angst und Schrecken.
Wie ist das geschehen? Woher kommt diese fremde Stimme? Und wo ist bloß die eigene Samtstimme geblieben? Fragen, die weder der ausgewiesene Stimmspezialist Dr. Trampelmaine noch der weltberühmte Opernsänger Enzo Grandiosi beantworten können. Bald hat Tia Maria vom Hohn und Spott der anderen genug und beschließt, dem Spuk auf eigene Faust ein Ende zu bereiten. Die Jagd nach der verlorenen Stimme führt Tia Maria dabei nicht nur in die zwielichtigen Gefilde einer illegal im Untergrund operierenden Stimmen-Mafia, sondern auch in die illustren Kreise eines gastierenden Wanderzirkus, der ihr einen furiosen Fernsehauftritt mit nicht gerade geringen Karrierechancen beschert.
Am Ende dieser theatralen Tour de Force zieht Ayckbourn in einem brüllend komischen Finale noch einmal alle Register und entfesselt ein Bühnenchaos, das seinesgleichen sucht. Verpackt in ein humoristisches Feuerwerk widmet sich Ayckbourn geschickt den Fragen nach der eigenen Identität sowie der absoluten Notwendigkeit, die eigene Stimme zu finden und dieser auch Gehör zu verschaffen. Ebenso wichtig ist es, so Ayckbourns augenzwinkerndes Fazit, auch die anderen mal zu Wort kommen zu lassen.
Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Hamburg
Besetzung
| Tia Maria Perkins | Charlotte Zorell |
| Mrs. Perkins, Passantin 1 | Sophie Aujesky |
| Mr. Perkins, Mr. Creeper | Frank Engelhardt |
| Erzählerin, Riesenberühmtheit, Frau mit Hund, Eduna von Swutsch, Nachbarin, Ladenbesitzerin, Zauberin, Passantin 2 | Benita Martins |
| Marktschreier, Erzähler, Dr. Trampelmaine, Mann mit Hund, Bettler, Zirkusdirektor, Pförtner | Christian Graf |
| Erzähler, Jahrmarktgast, Dr. Bottle, Enzo Grandioso, Gewichtheber, Verkäufer 1 | Rafael Schuchter |
| Erzähler, Jahrmarktgast, Sekretär, Hund, Polizist, Ronny | Stefan Rosenthal |
| Erzähler, Jahrmarktgast, Polizist, Bauchredner, Rollo der Clown | Jonas Graber |
| Erzähler, Jahrmarktgast, Verkäufer 2, Boris, Inspektor | Uwe Achilles |
| Regie | Nicole Claudia Weber |
| Bühnenbild | Karl Fehringer, Judith Leikauf |
| Kostümbild | Almasa Jerlagic |
| Licht | Barbara Zukal |
| Dramaturgie | Sebastian von Lagiewski |
| Assistenz und Inspizienz | Natalie Ogris |
| Hospitanz | Julia Schmid |
Kritiken
Der Standard – 15.10.2025Kindertheater "Das Geheimnis der verzauberten Stimme": Gut gebrüllt!
Im Theater der Jugend packt das Stück über ein Mädchen, das plötzlich mit einer fremden Stimme aufwacht, Publikum ab sechs Jahren zu Recht
Man könnte meinen, alle Kinder teilen Tia Marias Traum: Marktschreierin zu werden. Das Mädchen ist die Heldin in Alan Ayckbourns Das Geheimnis der verzauberten Stimme, das jetzt im Theater der Jugend für Publikum ab sechs Jahren zu sehen ist. Doch schnell kehrt Aufmerksamkeit im Zuschauerraum ein – denn Regisseurin Nicole Claudia Weber und dem Ensemble gelingen rasant-fesselnde zwei Stunden (mit Pause).
Der Plot? Tia Maria (Charlotte Zorell) hat immer das Mundwerk offen, bis sie nach einem Jahrmarktbesuch mit ihren Eltern (Sophie Aujesky, Frank Engelhardt) ohne Stimme aufwacht. Sie hat dort den Ausrufer (Christian Graf) bewundert. Aber was ist los mit ihr? Der Hausarzt muss her, macht aber alles nur schlimmer, denn nach hunderten Pillen klingt Tia Maria wie ein Brummbär. Also ab zum Stimmspezialisten, der in Ohnmacht fällt. Wo andere ein Problem sehen, erkennt ein Opernsänger (Rafael Schuchter mit reizendem Schweizerdeutsch) Talent und rät statt zur Heilung zur Gesangskarriere. Mit der Stretchlimo (smarte, wandelbare Bühne: Karl Fehringer, Judith Leikauf) geht's nun zur unfreundlichen Gesangslehrerin (Benita Martins).
Mit Verve
Natürlich ist das keine Lösung. Tia Maria nimmt es also selbst in die Hand, kommt auf ihrer Odyssee auf der Polizeiwache (Uwe Achilles), am mafiösen Stimmenschwarzmarkt und im Zirkus vorbei. Gastauftritt als Puppe eines Bauchredners (Jonas Graber) inklusive.
Das ergibt viele charmante Rollen und Kostüme (Almasa Jerlagic), in die die Darsteller mit Verve schlüpfen; Gelegenheit zu Grimassen und Körperkomik (Stefan Rosenthal als Puppe); genau die richtige Menge Schmäh. Die Moral am Ende, dass man seine eigene Stimme finden muss, belastet die Geschichte gar nicht. Jubel. Für Publikum ab elf erzählt passend dazu Der Junge mit dem längsten Schatten neu im Programm, dass man sich akzeptieren muss, wie man ist.
Michael Wurmitzer
KIJUKU.at - Kinder, Jugend, Kultur und mehr – 08.10.2025
Super und witzig gespielte Botschaft: Auf Kinder hören
Rasantes, clowneskes Spiel mit starker Ansage, einem ebensolchen Ensemble und einer darin noch überragenden Hauptdarstellerin.
Ein Kind, das – seinen Eltern zufolge – zu viele quasselt, steht am Beginn einer der Dutzenden Erfolgsstücke von Alan Ayckbourn, „Das Geheimnis der verzauberten Stimme“. Dann verliert das Mädchen – in der ursprünglichen Übersetzung Mariakron Perking, nun im großen Haus des Theaters der Jugend Tia Maria Perkins – tagelang ihre Stimme. Nach vielen Tabletten und Säften wacht sie mehr als eine Woche später eines Morgens mit einer voll tiefen Männerstimme auf. Beim Versuch, diese loszuwerden, kommt aus ihrem Mund Töne einer eher piepsigen Bauchredepuppe. Und natürlich endet alles gut.
Mit zugespielten und ohne Stimmen spielen
Die Hauptfigur steht vor der großen Herausforderung, außer in den Anfangs- und Schluss-Szenen ganz ohne Stimme spielen zu müssen – das erfordert von ihr -und dem Sound-Team exaktes Timing, aufeinander in Sekundenbruchteilen zu achten. Die Schauspielerin, die nicht ganz 30-jährige Charlotte Zorell, verkörpert das Mädchen mit den „Stimmproblemen“ überragend, verleiht den unterschiedlichen Phasen das entsprechende Gehabe zwischen damit „reden“ und es weitgehend vermeiden wollen bzw. jeweils zu Beginn das überraschte Entsetzen. Hier sei auch das ganze Ton-Team genannt: Matthias Kaczmarczyk, Michael Hammerstiel, Roland Maurer, Gregor Morawek, Melanie Rácz und Maurice Wiederin.
„Charly“, wie die Schauspielerin von der Szene genannt wird, bringt – neben ihrer Ausbildung im DiverCITYLAB – und schauspielerischen Erfahrung mit familiärer Prägung, eine kräftige clowneske Note ins Spiel. Mit dieser „kommentiert“ sie so manche sie nervenden Situationen und setzt Komik als Widerstandselement ein.
Witz, Komik, Ironie
Letztere durchziehen auch viele andere Szenen und Figuren, besonders zu nennen sind dabei jene auf der Polizei-Station – Uwe Achilles als Inspektor, Jonas Graber und Stefan Rosenthal als untergebene Wachmänner. Selbstironische „Amtshandlungen“, oft vor allem in Filmen gesehen, und doch hier nicht zum Überdruss gespielt. Der zuletzt Geannnte gibt übrigens auch eine sehr gekonnte Bauchrede-Puppe. Etliche Augenblicke ist gar nicht klar, ob bei diesem Ronny nicht Kostüm und Maske (Kostümbildnerin Almasa Jerlagić) „nur“ eine besonders täuschend echte Puppe gelungen ist.
Wandlungsfähige Spieler:innen
Wobei noch unbedingt zu erwähnen ist, dass alle außer Charlotte Zorell in mehrere Rollen schlüpfen, allen voran Benita Martins, die sich in mehr als einem halben Dutzend Charakteren als besonders wandlungsfähig erweist, besonders witzig als Frau Banister mit Hund Dodo, wo sie fast mit ihrem kuscheligen Stofftier zu einem Wesen verschmilzt.
Die Erzählrolle mit Zwischentexten über den Fortgang der Geschichte übernehmen übrigens zu Beginn alle neun Schauspieler:innen im Chor und in der Folge immer wieder andere, die kurzfristig aus ihrem Charakter aussteigen. Sophie Aujesky als Tia Marias Mutter sowie eine Passantin, Frank Engelhardt als ihr Ehemann und Vater der unfreiwilligen Stimmwandlerin, vor allem aber als Mafiaboss für Arme im windigen Stimmentauschladen, Christian Graf und Rafael Schuchter beide jeweils in einem halben Dutzend Rollen sorgen für vielseitige Facetten des kurzweiligen zweistündigen Theater-Nachmittags.
Wandelbare Bühne
Besonders wandlungsfähig ist auch die Drehbühne (Karl Fehringer und Judith Leikauf), wozu nicht zuletzt die verblüffend aus 2D-Auto-Vorder- und Rückteil „gezauberte“ Stretch-Limousine zählt.
Übrigens, der schon erwähnte Uwe Achilles, der neben dem leitenden Polizei-Inspektor als mehrfacher Streitschlichter auch noch den Chauffeur des sich selbst als größten Opernsänger fühlenden großzügigen Enzo Grandioso (Schuchter) und weitere kleinere Figuren spielt, war schon vor fast zwei Jahrzehnten in der damaligen Version von „Das Geheimnis der verzauberten Stimme“ auf der Theater-der-Jugend-Bühne, als Mr. Perkins, Tia Marias Vater.
Re-Naissance
Wiedergeburt ist die aus dem Französischen kommende Bedeutung von Renaissance. So heißt auch das Theater in der Wiener Neubaugasse. Wieder gespielt werden so im Abstand von rund eineinhalb Jahrzehnte so manche Erfolgsstücke – in neuen Inszenierungen – diesfalls Nicole Claudia Weber – mit weitestgehend neuen Schauspieler:innen.
Berührend
Die Botschaft des Autors und auch jeder Inszenierung liegt klarerweise auf der Hand: Kindern eine Stimme geben – auch wenn meist verabsäumt wird, dass auf Kinder achten nicht unbedingt nur hören meinen muss; auch Gehörlose (Kinder) können mit Gebärden ihre Gedanken und Anliegen zum Ausdruck bringen! Aber wie „Charly“ als Tia Maria Perkins am Schluss – der hier sicher nicht gespoilert wird – gemeinsam ausschließlich mit den Kindern im Publikum in einem kürzesten Satz Kinderrechte zum Ausdruck bringt, berührt Herzen und Sinne.
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Heinz Wagner
Materialien
Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Das Geheimnis der verzauberten Stimme« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmthdGphLnNlZ2VsYmFjaGVyQHRkai5hdA==]