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  • Mitten im Gesicht Mitten im Gesicht
 

2024/2025

Mitten im Gesicht 11 +

Musical von Gerald Schuller (Musik)
und Peter Lund (Text)

Stückinfo

Ort: Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Zeitraum: 25. April 2025 - 21. Juni 2025
Premiere: 29. April 2025
Dauer: 02:25 inkl. Pause
Regie: Peter Lund

»Schönheit beginnt in dem Moment, in dem du beschließt, du selbst zu sein.«

Coco Chanel

Sophie Neumann ist 15 und hat ein Problem, und zwar mitten im Gesicht. Dass die Nase, a.k.a. »Neumannscher Zinken« Familientradition hat, macht die Sache nicht besser, ebensowenig, dass die zauberhaften Klassenkolleg*innen seit Neuestem Gefallen daran finden, das Erbstück mit allerlei Spottnamen zu bedenken: von Spitzmaus bis Nasenbär war schon alles dabei. Das kann man doch gar nicht brauchen, noch dazu, wenn die Jungs aus der Klasse sich gerade in der Muckibude den Traumbody antrainieren.
Zu schmal, zu breit, zu klein, zu groß… Hand aufs Herz: Wer ist denn eigentlich wirklich mit dem eigenen Aussehen im Reinen? Und woher kommt dieser Druck, von dem die anderen behaupten, man mache ihn sich nur selber? Immerhin leben wir im 21. Jahrhundert und man kann gegen alles, was einen am eigenen Ich stört, etwas tun.
Selbstoptimierung ist doch kein Schimpfwort, sondern vielmehr ein erstrebenswerter Prozess der ständigen Verbesserung der persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten mittels Selbstthematisierung, rationaler Selbstkontrolle und permanenter Rückmeldungen. Mit nur einem Ziel: der bestmöglichen persönlichen Verfassung. Dann klappt es auch ganz sicher mit dem Glücklichsein, oder?

Nach seiner Inszenierung »Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer« in der vergangenen Saison geht Peter Lund nun gemeinsam mit Gerald Schuller in einer Musicaluraufführung dem Phänomen Bodyshaming auf den Grund.


Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien

Besetzung

Sophie Lucia Miorin
Luisa Shirina Granmayeh
Leon Jakob Pinter
Paul Fabian Grimmeisen
Constanze Neumann Susanne Altschul
Regie Peter Lund
Komposition und Orchesteraufnahme Gerald Schuller
Ausstattung Ulrike Reinhard
Choreographie Peter Lund und Ensemble
Musikalische Einstudierung und Korrepetition Béla Fischer jr.
Choreographie- und Tanzcoaching Nina Tatzber
Licht Peter Lund und Ulrike Reinhard
Dramaturgie Gerald Maria Bauer
Assistenz und Inspizienz Natalie Ogris
Hospitanz Fritz-Xaver Schimpl

Kritiken

Kronen Zeitung – 01.05.2025

Schön & Schiach, Schwarz & Weiss

Die Jungen von heute sind nicht zu beneiden. Sie stehen dank Sozialen Medien unter Dauerbeobachtung und im Permanenzkonkurrenz, sind Loser oder Winner, haben gewaltig Druck. Erst  recht, wenn sie nicht ins Gardemaß passen, wie die 15-jährige Sophie, die eine viel zu große Nase im Gesicht trägt. Zu dieser Thematik plus ein bisschen Klima und Umwelt haben sich Gerald Schüller (Musik) und Peter Lund (Text) ein Musical ausgedacht. Lund hat das auch fürs Theater der Jugend mit gutem Ensemble nett und flott inszeniert. Die gekonnt gebaute Musik geht dazu flink ins Ohr. (...) Die Burschen gehen trainieren und trinken Eiweißshakes, damit das Sixpack wächst. Die Mädchen stehen auf Schönheitstipps und vergleichen Körbchengröße etc. Sophie lässt sich  schließlich die Nase operieren, wird zum egoistischen It-Girl und verliert ihre Freunde. Am Ende des recht langen Musicals schlägt Lund dann noch eine Finte (...) Wie, wird aber nicht gespoilert.   

Stefan Musil


KIJUKU - Kinder, Jugend, Kultur und mehr – 02.05.2025

Gesang und Schauspiel rund ums Thema Beauty

„Mitten im Gesicht“ – ein Musical im kleineren Haus des Wiener Theaters der Jugend dreht sich um eine zu große Nase, aber auch um Freund- und Kameradschaft.

Wer regelmäßig Vorstellungen im Theater im Zentrum, dem kleineren Haus des Theaters der Jugend in Wien besucht, hat beim Betreten des Saals, in dem das jüngste Stück „Mitten im Gesicht“ läuft, vielleicht zunächst ein Déjà-Vu: „(...) ist das nicht fast das gleiche Bühnenbild wie beim vorigen Stück „Echtzeitalter“? (...)“
Tatsächlich sind die quadratischen Kästchen, das Innere digitaler Bilder, unabhängig voneinander zum Hintergrund der ganz unterschiedlichen Stücke geworden. Gemeinsam ist beiden, es geht um Zentrales im Leben Jugendlicher. Und bei deren Leben verschwimmen nicht selten auch reale und digitale Welt zu ihrer echten Wirklichkeit.

Wieder Flexible Pixel-Wände

Basierte „Echtzeitalter“ auf dem gleichnamigen Erfolgsroman Tonio Schachingers über (s)ein Leben in einem Wiener privaten Elite-Gymnasium rund um eine Hauptfigur, der einen Gutteil seines Selbstbewusstseins aus seinen Erfolgen in Bewerben eines Computerspiels bezog, so geht’s bei „Mitten im Gesicht“ eben um eine Nase mit wechselnden Homepage-Url als Art Kapitelüberschriften (Ausstattung: Ulrike Reinhard). Wie die Echtzeitalter-Pixelwände, so sind auch diese hier sehr flexibel.  (...)

(Cyber-)Mobbing

Und was für eine. Ihre Trägerin, die 15-jährige Sophie Neumann vermeint, dass sie die größte der Welt ist. Und das ist kein feiner Rekord. Sie findet sich selbst damit unmöglich hässlich – da hilft kein Trost der Oma, die einen ähnlichen „Zinken“ ihr eigen nennt. Denn Mitschüler:innen verspotten sie, „Nasenbär“ ist noch eines der harmloseren Schimpfwörter, mit denen sie ständig konfrontiert ist.
Kränkungen und Selbstmitleid lassen sie gar nicht mitkriegen, dass einem Mitschüler, Paul, in der kleinen Arbeitsgruppe zum Thema Klima, in das sie aufgrund ihres Wissens viel einbringen kann, einiges an ihr liegt. Sie aber will eher dem aufgeblasenen Schönling Leo gefallen. Was ihre Gesichtsmittelgebirge eben verhindert.

Operation muss her

Einzig denkbarer Ausweg für Sophie: Eine OP muss her, Nasenverkleinerung. Ihre Freundin Luisa will Gegenteiliges bei ihren Brüsten, „Bienenstich statt Busen“, nennt sie es. Außerdem hat sie das Problem, dass sie auf diesen Paul steht, der wiederum sie nur als Kumpel mag.
In diesem personellen Setting lassen Peter Lund (Text), der schon etliche meist musikalischen Stücke (nicht nur) fürs Theater der Jugend verfasste und Gerald Schuller (Musik) ein 2¼-stündiges Ab und Auf rund um die Hauptfigur und vor allem das Thema Beauty, aber genauso auch Freund- und Kameradschaft und noch Cybermobbing samt Missachtung von Recht aufs eigene Foto ablaufen. Und so „nebenbei“ wird auch so manches rund um das Thema der Arbeitsgemeinschaft, nämlich Klima, angesprochen.  (...)

Schöner, aber…

Und plötzlich sagt der – nie in Erscheinung tretende – Vater, der strikt gegen einen chirurgischen Eingriff ist, ja zur Operation. Die Nase ist klein, Sophie wunderschön, Leo wird ihr Freund und sie – urgrauslich, eingebildet, überheblich…
Wie die Nase kleiner auf einer Bühne kleiner wird? Es bleibt dem wandlungsfähigen Schauspiel von Lucia Miorin überlassen – und einem Trick, der hier sicher nicht verraten wird. Neben ihr spielen Shirina Granmayeh die kumpelhafte, ein bisschen eifersüchtige Freundin Luisa. Fabian Grimmeisen ist „für einen CIS-Mann ein verständnisvoller, aufgeschlossener Junge“, Jakob Pinter ein „schöner“ Widerling Leon und Altmeisterin Susanne Altschul eine weise Großmutter Constanze Neumann. (...)

„Schönheit beginnt in dem Moment, in dem du beschließt, du selbst zu sein“, zitiert das Theater der Jugend die französische Modedesigner-Ikone (1883 – 1971) auf seiner Homepage der Stückinfo vorangestellt.

Ein Viertel denkt an Operationen

Wie groß das Thema für viele Jugendliche tatsächlich ist, zeigte eine für die Plattform  Safer Internet Ende 2023 durchgeführte Studie: „Mehr als die Hälfte der befragten 400 Jugendlichen würde gerne etwas am eigenen Aussehen ändern, mehr als 100 der 11- bis 17-Jährigen in dieser Studie (Dezember 2023) hat sogar schon einmal über eine Schönheitsoperation nachgedacht. Großen Einfluss auf das eigene Selbstbild, das sie zu Veränderungswünschen veranlasst, haben vor allem Influencer:innen und generell Social-Media-Plattformen im Internet“, berichtete Kinder I Jugend I Kultur I Und mehr… anlässlich des Safer Internet Tages im Vorjahr

Wwdt – Was würdest du tun?

Mehrmals sprechen die jungen Protagonist:innen in ihrem Spiel untereinander mit dem Kürzel Wwdt – was würdest du (an meiner Stelle) tun an. Gegen Ende geht diese Botschaft auch ans Publikum. Über einen QR-Code im Foyer des Theaters ist die Teilnahme an einer Meinungsumfrage möglich, ob die Zuschauerin / der Zuschauer an Stelle von Sophie „die Nase machen lassen würde“.

Heinz Wagner


Online Merker – 30.04.2025

Teenager-Schmerzen

Die Nase, die die 15jährige  Sophie mitten im Gesicht trägt, ist ein Familienerbstück und viel zu groß. Aber es geht nicht, wie man annehmen würde, um das Problem von Schönheitsoperationen bei Teenagern. Die Nase wird gänzlich problemlos wegoperiert, die einst verspottete Sophie wird bildhübsch und in der Folge ein Social Media-Star, allerdings vor allem wegen ihrer Klugheit und ihres Engagements für den Umweltschutz.

Das klingt geradlinig und nicht unbedingt wie ein Musical, Aber Autor Peter Lund hat sich für „Mitten im Gesicht“ eigentlich etwas anderes ausgedacht: Diese anfangs Fünfzehnjährigen, die im Lauf des Stücks ein bißchen älter  werden, kämpfen mit jenen Problemen, die in der Pubertät niemandem erspart bleiben, wobei der Wunsch, „schön“ zu sein, natürlich durch die Sozialen Medien und ihre Zwänge forciert wurden.

Tatsächlich aber geht es um die Gefühle der beiden Mädchen und beiden Jungs, um ihren Einsatz für den Klimaschutz (eigentlich das stärkste Thema des Stücks), um ihre „Karrieren“ als Social-Media-Stars, um Freundschaft und die dazugehörigen Probleme ebenso wie um Verliebtheit, Eifersucht, Rivalität. Das ganze Repertoire des langsamen Erwachsenwerdens eben.

Das Stück ist äußerst sparsam konzipiert, vier junge Leute (don denen am Ende offen bleibt, welche von ihnen sich als Paar zusammen finden werden) machen sich das Jungsein untereinander aus. Für die erwachsenen Zuseher wird allerdings die lebenskluge Großmutter die Bezugsperson sein, die richtig erkennt, dass sich seit ihrer Zeit zwar die Technologie (sprich Digitalisierung) geändert hat, aber eigentlich nicht die Menschen….

Darüber hinaus ist es ein Musical, das heißt, die Darsteller brechen zur Musik von Gerald Schuller und in der Regie des Autors Peter Lund in einer geschickt-sparsamen Ausstattung von Ulrike Reinhard dauernd in Gesang und Tanz aus, wie sie es von ihren Pop-Stars gewöhnt sind.  (...) der Stil der heutigen Jugend zwischen neuen Lebensformen und alten Gefühlen scheint sehr gut getroffen.

Lucia Miorin. anfangs die Sophie mit der zu großen Nase, dann die erfolgreiche Umweltkämpferin (die mit ihrer Gruppe sogar im Wiener Rathaus einbricht – was daraus wird, erfährt man nicht), ist so überzeugend wie Shirina Granmayeh als ihre Freundin Luisa, deren Minderwertigkeits-komplexe aus der Erkenntnis erwachsen, dass Sophie die Klügere von ihnen ist. Ihr Schönheitsproblem besteht übrigens in einem zu kleinen Busen… Natürlich geht es um die Boys. Jakob Pinter als Leon ist der Schönling, der intellektuell nicht allzu viel auf dem Kasten hat, Fabian Grimmeisen als Paul ist der sensible und charaktervolle. Ein Clou sind die Szenen von Susanne Altschul als Großmutter (...)

Gedacht für ein Publikum ab 11 Jahren, treffen sie Probleme wohl eher die etwas Älteren, aber was man sagen will, ist für alle verständlich aufbereitet. Dem jungen Publikum hat es gefallen. Es wurde mit der Erkenntnis nach Hause geschickt, dass man sich nicht so sehr um sein „schönes“ Aussehen kümmern, sondern sein Interesse wichtigen Dingen zuwenden sollte.

Renate Wagner


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Mitten im Gesicht« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.

Klicken Sie hier um die Materialien herunterzuladen.

Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmthdGphLnNlZ2VsYmFjaGVyQHRkai5hdA==]