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  • Bradley – Letzte Reihe, letzter Platz Bradley – Letzte Reihe, letzter Platz
 

Spielplan 2022/2023

Bradley – letzte Reihe, letzter Platz 11 +

von Louis Sachar
Deutsch von Gerald Maria Bauer

Stückinfo

Ort: Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Zeitraum: 13. Oktober 2022 - 13. Dezember 2022
Premiere: 18. Oktober 2022
Dauer: 02:00
Regie: Nicole Claudia Weber

»Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber vieles herausstreicheln.«

Astrid Lindgren

Es gibt Kinder, die sind gute Spucker, und das sieht man ihnen auch gleich an. Bühne frei für Bradley Chalkers, den vielleicht besten Spucker der Welt! Ein Anti-Held der Spitzenklasse – denn niemand ist so unbeliebt wie er… Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass er von seinem ganz besonderen Talent nur allzu gerne Gebrauch macht. Deshalb sitzt er auch alleine, auf dem letzten Platz in der letzten Reihe. Doch das ist Bradley egal, denn »alle anderen sind Idioten«, und am liebsten wäre er sowieso unsichtbar. Mit seinen Klassenkamerad*innen gibt er sich nicht ab, denn diese verstehen ihn ohnehin nicht. Ganz im Gegensatz zu den Stofftieren in seinem Kinderzimmer, bei denen er endlich einmal er selbst sein kann. Das rote Kaninchen Kim und der Bär Bartholomew sind seine besten Freunde. Zumindest bis ein neuer Mitschüler beginnt, Bradleys geordnetes Leben gehörig durcheinander zu wirbeln. Denn Jeff ist erstaunlicherweise nett zu ihm und setzt sich sogar auf den von allen anderen gemiedenen Nachbarplatz. Als dann auch noch eine neue Psychologin an die Schule kommt, gerät Bradleys Weltbild endgültig ins Wanken – er beginnt doch tatsächlich, seine Hausaufgaben zu machen! – und was noch schlimmer ist: Er ist zum ersten Mal ein ganz klein wenig verliebt…
Als der New Yorker Anwalt Louis Sachar begann, in seiner Freizeit Kinderbücher zu schreiben, ahnte niemand, dass er bald mit seinen humorvoll-charmanten Geschichten, allen voran dem Roman »Löcher«, von der Kritik als die Entdeckung auf dem Kinderbuchmarkt gefeiert wird. »Bradley – Letzte Reihe, letzter Platz« ist die besondere Geschichte eines besonderen Jungen, der auf der Suche nach Anschluss viele Hürden überwinden muss, dem es schlussendlich aber gelingt, mit viel Liebenswürdigkeit und Grips einen großen Schritt auf seine Mitmenschen zuzugehen.

Aufführungsrechte: Österreichischer Bühnenverlag Kaiser & Co. G.m.b.H., Wien


Besetzung

Bradley Chalkers Robin Jentys
Jeff Fishkin Stefan Rosenthal
Brian / Die Gans (Puppe) Jan Walter
Robbie / Ronnie, der Hund (Puppe) / Schulwart Thomas Kolle
Colleen Verigold Victoria Hauer
Melinda Birch / Mrs. Chalkers Christine Garbe
Lori Westin / Kim, ein Zwergkaninchen (Puppe) Shirina Granmayeh
Carla Davis Ursula Anna Baumgartner
Mrs. Ebbel / Colleens Mutter Karoline-Anni Reingraber
Mr. Chalkers / Colleens Vater Valentin Späth
Bartholomew, der Bär (Puppe) / Schuldirektor Uwe Achilles
Regie Nicole Claudia Weber
Bühnenbild Gerald Maria Bauer / Nicole Claudia Weber
Kostümbild Katharina Kappert
Licht Fritz Gmoser
Puppenbau Julia Elisabeth Beyer
Dramaturgie Gerald Maria Bauer
Regieassistenz und Inspizienz Eva Maria Gsöllpointner
Hospitanz Louis Marley Crowfoot Schropp

Kritiken

orf.at – 18.10.2022

Anarchostofftiere gegen das System Schule

Es gibt Bereiche der Bühnenkunst, die sind vor Regietheaterdebatten sicher. Nach der jüngsten erfolgreichen Premiere von „Mehr als alles andere auf der Welt“ am Akademietheater für ein junges Publikum zeigt das Theater der Jugend in Wien, wie man Coming-of-Age mit großer Wirkung thematisiert. „Bradley – letzte Reihe, letzter Platz“ heißt das Stück, das vom Aufstand eines Burschen gegen alle Systemzwänge der Schule erzählt. Es stellt ihm am Anfang eine Armada sprechender Stofftiere an die Seite, sodass selbst die „Muppet Show“ blass würde.

Bradley Chalkers ist der beste Spucker der Welt. Er lehnt seine Mitmenschen ab, fühlt sich von Lehrern und Eltern missverstanden. Bradley verteidigt seine Kindheitswelt gegen die Systemzwänge von Schule und Gesellschaft, mit einer mit ihm eingeschworenen Gruppe von Stofftieren. Die Tiere können Gott sei Dank reden, solange niemand in Bradleys Welt stört. Doch es stören eben ganz schön viele – und so muss sich Bradley eine Welt von Notlügen zimmern, die ein Lügengebäude erzeugen, in dem es immer enger und unerfreulicher wird.

Dass man aus einer engen Welt nur rauskommt, wenn einem jemand die Hand reicht, man selber den Mut fassen kann, die Geister, die einen vermeintlich schützen, loszuwerden, davon erzählt das Stück des New Yorker Anwalts Louis Sachar, der sich auf dem Terrain der Jugendliteratur einen großen Namen gemacht hat – nicht zuletzt mit dem Roman „Löcher“. Gerald Maria Bauer hat die deutsche Bühnenfassung von „Bradley“ besorgt, die ab Dienstag am Theater der Jugend zu sehen ist – und die mit einem leichtfüßigen Szenenwechseltheater und großem Soundtrack im Hintergrund zeigt, dass es keine ausweglose Situation in der Ecke der Gesellschaft geben muss.

Wenn die Außenseiterwelt in Bewegung kommt

Als Bradley, großartig verkörpert von Robin Jentys, mit Jeff Fishkin (Stephan Rosenthal) einen neuen Schulkameraden erhält, kommt Bewegung in ein Klassengefüge zwischen Funktionieren müssen und alltäglichem Bullying. Als dann noch eine Psychologin an die Schule geholt wird, die keinem Normklischee entspricht, kommt die Welt von Bradley in Bewegung.

Bradleys Stofftiere sind die gar nicht so stummen Zeugen dieses Wandlungsprozesses. Als Kollektiv einer Gegenwelt kommentieren sie den mutigen Aufstand ihres besten Freundes mit – und müssen doch fürchten, auf dem Friedhof einer jugendlichen Entwicklungsgeschichte zu landen. Doch das Stück in der Regie von Nicole Claudia Weber liebt die Rebellen – und so bringt die Allianz aus Anarchostofftieren und einer unangepassten Psychologin so viel Befreiung in diese Welt, dass zwar am Ende just die gehen muss, die mit ihrem Hang, sich nicht anzupassen, gerade den spießigen Direktor und die nicht weniger verkrampften Eltern gegen sich aufbringt.

Auflehnung und der Mut zum Mut

Den Kindern darf aber eine Welt gelingen, in der man alte Rollenmuster ablegt. Man muss nicht mit Boris Vian auf die Gräber der Generation vor sich spucken. Aber man darf sich auflehnen gegen alles, was einen umgibt, solange die Auflehnung nicht die eigenen Schwächen zudeckt. Davon handelt „Bradley“. Und das Stück ist zugleich frech genug, die Coming-of-Age-Konflikte an so heiklen Orten wie Buben- und Mädchenklos zu inszenieren.

Leicht ist diese Form des Theaters, direkt und schön. Und so, dass man trotz des großen, anzitierten Soundtracks zwischen Foals, Metronomy, Red Hot Chili Peppers und Guns n’ Roses die eine oder andere Träne verdrücken darf, zu der Art, wie Entwicklungsgeschichte hier perspektiviert wird.

Gerald Heidegger


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Bradley - letzte Reihe, letzter Platz« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
Klicken Sie hier um die Materialien herunterzuladen.

Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmthdGphLnNlZ2VsYmFjaGVyQHRkai5hdA==]