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Spielplan 2021/2022

Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone 11 +

nach Mark Haddon von Simon Stephens
Deutsch von Barbara Christ

Stückinfo

Ort: Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Zeitraum: 25. April 2022 - 18. Juni 2022
Premiere: 26. April 2022
Dauer: 01:55
Regie: Carmen Schwarz

»Wer nicht auf seine eigene Art denkt, denkt überhaupt nicht.«

Oscar Wilde

Christopher Boone wird des »Mordes« beschuldigt. Dabei hatte er den toten Nachbarshund Wellington doch immer gemocht. Ganz im Gegensatz zu den Farben Gelb und Braun, Unordnung, fremden Menschen und Überraschungen, die ihn regelrecht in Panik versetzen können. Denn Christopher tickt ein bisschen anders als die meisten Menschen. Auch wenn ihn seine mathematische Begabung in die Lage versetzt, die kompliziertesten Gleichungen zu lösen, fällt es ihm schwer, mit Veränderungen umzugehen oder die Stimmungen seiner Mitmenschen zu verstehen. Diese wiederum begegnen Christopher häufig mit missbilligendem Kopfschütteln.
In der Tradition von Sherlock Holmes und dessen glasklarer Logik begibt sich Christopher auf eine akribische Spurensuche, die selbst einem genialen Denker wie ihm alles abverlangt. Dabei stößt er auf dunkle Geheimnisse, die ihn schließlich auf eine abenteuerliche Mission aus seiner vertrauten Umgebung bis weit über die Grenzen seiner Komfortzone in die hektische Metropole London führen. Im Gepäck: die Briefe seiner Mutter, die er doch eigentlich schon seit zwei Jahren tot glaubt…
Mark Haddons gefeierter Roman führt in der mehrfach preisgekrönten Bühnenadaption des britischen Erfolgsdramatikers Simon Stephens auf einfühlsame und unvoreingenommene Weise in die Gedankenwelt seines Protagonisten und sorgt für einen faszinierenden Perspektivwechsel.


Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Hamburg

Besetzung

Christopher Jasper Engelhardt
Siobhan / Mrs. Shears Shirina Granmayeh
Ed / Mr. Thompson / Geldautomat Frank Engelhardt
Judy / Mrs. Alexander / Mrs. Gascoyne / Schalter / Punkerin Shlomit Butbul
Roger / Polizist / Reverend Peters / Nr. 44 / Mann mit Socken Igor Karbus
Rafael Wieser
Stimmen / Schaffner / Information Ensemble
Regie Carmen Schwarz
Bühnenbild Janna Keltsch
Video Janna Keltsch
Kostümbild Ina Vahitova
Licht Fritz Gmoser und Christian Holemy
Komposition Philipp Koelges
Dramaturgie Sebastian von Lagiewski
Inspizienz Simone Tomas
Hospitanz Louis Marley Crowfoot Schropp

Kritiken

Salzburger Nachrichten, Oberösterreichisches Volksblatt, News / APA – 27.04.2022

Chaos und Ordnung

Jasper Engelhardt in "Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone"

"Supergute Tage" sind für den jungen Christopher Boone jene, wenn er mehr als sechs rote Autos hintereinander sieht. Bei einer Bahnfahrt weiß er auf einen Blick, wie viele Kühe auf der Weide stehen, wie viele davon braun-weiß gescheckt sind, und wie viele ihren Kopf zu ihm gedreht haben. Dafür zuckt er aus, wenn man ihn berührt, fühlt sich unter vielen Menschen sehr unwohl und kann sich nur schwer orientieren. Boone ist Autist. Und steht im Zentrum eines Theaterstücks.

"Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone" heißt der 2003 erschienene Roman des Engländers Mark Haddon, den Simon Stephens 2012 erfolgreich dramatisierte. Seither wird das Stück über die Probleme eines Burschen mit Asperger-Syndrom weltweit gespielt, so etwa 2014 am Volkstheater Wien. Bei dieser Österreichischen Erstaufführung bestand der Raum aus Hunderten Kuben, die sich wie Tetris-Elemente zusammensetzten. Ein naheliegendes Setting, denn die wichtigste Orientierungshilfe im Alltag des 15-Jährigen ist eine strenge Ordnung, in der alles zusammenpasst. Entsteht eine Lücke im Ablauf, verliert er schnell die Kontrolle. Bühnenbildnerin Janna Keltsch hat nun im Theater im Zentrum eine ähnliche Lösung gewählt: eine Art Bühnenlandschaft, die bald in einzelne Würfel zerlegt wird. Chaos entsteht. Christopher bekommt die Krise.

Inszeniert hat die Produktion des Theaters der Jugend, die gestern Nachmittag Premiere hatte, die junge Regisseurin Carmen Schwarz, die "zwischen Süddeutschland und Brasilien" aufgewachsen ist, am Mozarteum in Salzburg Regie studierte, heute in Köln lebt, auch als Fotografin arbeitet und davon träumt, "mal ein bilinguales Stück auf meiner Muttersprache Porto-Deutsch zu inszenieren". Bisherige Inszenierungen bauten - nach eigenen Angaben - schon mal "Bühnenmagie und partizipative Spiele" mit ein. Diesmal konzentriert sie sich auf die Darsteller. "Supergute Tage" könnte gut (...) auch im leeren Raum stattfinden.

Jasper Engelhardt ist ein Glücksgriff für die knapp zweistündige Aufführung (eine Pause), die für Menschen ab 11 Jahren empfohlen wird. Der 28-Jährige schafft nicht nur eindrucksvoll, den fast halb so alten Burschen zu verkörpern, sondern hält in seiner Darstellung des Christopher auch sensibel die Waage zwischen sozialer Unauffälligkeit und den Reaktionen auf Ausnahmesituationen, die ihn komplett aus der Spur bringen, einen Polizisten schubsen oder Menschen mit dem Messer bedrohen lassen.

Rund um ihn herrscht eine Art übersteigerter Realismus, der vor allem die Hilflosigkeit der Umgebung, mit der Besonderheit des Buben umzugehen, unterstreicht, immer wieder aber unfreiwillig komisch wird. Ob Eltern, Passanten, Priester oder Beamte - alle haben mit ihren eigenen Problemen mehr als genug zu tun. Einzig der Geldautomat (Frank Engelhardt in der kuriosesten Nebenrolle des Abends) funktioniert so, wie er soll. Und Christophers Betreuerin natürlich (Shirina Granmayeh). Die steht ihm als Art Schutzengel zur Seite, sodass er am Ende trotz aller Turbulenzen auch die Abschlussprüfung in Mathematik (...) schafft. Denn die Primzahlen sind jene Welt, in der sich Christopher am besten zurecht findet: ausufernd fantasievoll und streng strukturiert zugleich. (...)

Wolfgang Huber-Lang


Online Merker – 26.04.2022

WIEN / Theater der Jugend: SUPERGUTE TAGE

(...) Autisten haben es schwer mit der Welt – und diese mit ihnen. Genau das zeigt das Stück „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“, das der britische Dramatiker Simon Stephens nach dem im englischen Sprachraum berühmten Kinderbuch von Mark Haddon geschrieben hat. In Wien wurde das Werk 2014 im Volkstheater gespielt. Nun zeigt es das Theater der Jugend für ein Publikum ab 11 Jahren im Theater im Zentrum.

Christopher Boone ist also Autist, der in seiner eigenen Welt lebt. Von Zahlen versteht er mehr als von Menschen, jede körperliche Berührung kann einen Anfall auslösen, jede Abweichung von seinen strikten Vorstellungen irritiert ihn aufs höchste. Am Beispiel seines Vaters wird gezeigt, wie man sich mit vollkommener Hingabe auf einen solchen Sohn einlässt. Seine Mutter hingegen, die ihn auch sehr liebt, ist von seinem erratischen Benehmen überfordert. (...)

Wie Christopher nun die Rätsel seines Lebens löst (ein toter Hund, die verschwundene Mutter), wobei er immer wieder über die Schatten seiner in ihm aufgerichteten Schranken springen muss, ist der Gegenstand des Stücks, das Regisseurin Carmen Schwarz stringent am Laufen hält, Reales und Surreales mischend (wie auch das Bühnenbild von Janna Keltsch es tut).
Und Hauptdarsteller Jasper Engelhardt mischt bohrende Fragen, die ihn quälen, mit Angst und Mut. Obwohl man selbst im Leben vermutlich mit seinem abweichendem Verhalten kaum umgehen könnte, wird er auf der Bühne zum Exempel eines Andersseins, das man nicht ausgrenzen sollte. Und am Ende verkündet er überzeugend die Absicht, sich nicht unterkriegen zu lassen… und als Mathematiker ein großer Wissenschaftler werden zu wollen.

Mit nur vier weiteren Darstellern, Frank Engelhardt (besonders berührend als Vater), Shirina Granmayeh, Shlomit Butbul und Rafael Wieser, die alle Personen (und gelegentlich auch Abstraktionen wie einen Bankomaten…) spielen, läuft der Abend überzeugend ab. Das Stück ist mit seinen vielen Ausbrüchen hart und stellt an die Zuschauer durchaus schwierige Anforderungen. Aber die positive Schlußwendung ist so stark, dass die Hoffnung, alles erreichen zu können (...), alles überstrahlt. Stürmischer Beifall.

Renate Wagner


Der Standard – 27.04.2022

Problemfall Eltern: "Supergute Tage" im Theater der Jugend in Wien

Das auf Mark Haddons Roman basierende Theaterstück von Simon Stephens, Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone, hat seit der deutschsprachigen Erstaufführung 2013 auch hierzulande Karriere gemacht. Im Zentrum steht ein 15-jähriger Teenager mit autistischen Eigenschaften, dessen Eltern auf ganzer Strecke überfordert sind. Die aktuelle Inszenierung im Theater der Jugend, Spielstätte Theater im Zentrum (Regie: Carmen Schwarz), schärft diese Schlagseite weiter zu. (...)

Auf einer Bühne mit großen, nach Art des Playmobil-Spiels zusammengesteckten Rasen-Puzzleteilen (Bühne: Janna Keltsch) findet Christopher (Jasper Engelhardt) den Hund der Nachbarin tot mit einer Mistgabel im Bauch. Dass der Jugendliche aufgrund seiner besonderen, zwanghaften Fähigkeiten da Stress bekommt, insbesondere mit einem Polizisten, liegt auf der Hand.

Konfliktuntauglich

Dass aber auch Vater und Mutter alles so derart falsch und verantwortungslos angehen (...) und einfach zu oft ins Leere hinein "Ich verspreche es dir" sagen, ist eine Schwäche des Plots. Es macht ihn konfliktuntauglich, denn wer würde bei solchen Eltern nicht Reißaus nehmen? Mehr als ein Stück über einen Teenager wird Supergute Tage also zu einem über unfähige Eltern.

Christophers Leben würde nämlich ganz gut laufen. Er will nur nichts Braunes oder Gelbes essen und lieber nicht berührt werden. Und er träumt davon, einmal Astronaut zu sein, was Regisseurin Schwarz mit schönen grafischen Projektionen darstellt, die Christophers Wahrnehmungswelt passend abbilden. Etwa auch die Details einer beim Zugfahren vorbeiziehenden Landschaft.

Margarete Affenzeller


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmxpc2EuYnJhbWVzaHViZXJAdGRqLmF0]