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Spielplan 2021/2022

Der kleine dicke Ritter 6 +

von Robert Bolt
in der Neuübersetzung von Konstantin Küspert

Stückinfo

Ort: Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien
Zeitraum: 08. Oktober 2021 - 21. November 2021
Premiere: 12. Oktober 2021
Dauer: 02:15
Regie: Werner Sobotka

»Wenn die einen finden, dass man groß ist, und andere,
dass man klein ist, so ist man vielleicht gerade richtig.«

Astrid Lindgren

Ritter Länglich ist ein ernsthafter kleiner Mann, etwas rundlich um die Leibesmitte, der seine Ritterschaft nicht nur als Profession, sondern auch als Leidenschaft betrachtet. Dabei zeichnet er sich vor allem durch sein großes Herz aus, kann er doch keinem Drachen etwas zuleide tun. Mit seinem Edelmut steht er freilich ziemlich alleine da in der Runde der Ritter, die lieber eine ruhige Kugel schieben als Heldentaten am laufenden Band zu vollbringen. Sein unermüdliches Engagement könnte gar so weit führen, ein schlechtes Licht auf den gesamten Berufsstand zu werfen…
Und so kommt es, wie es kommen muss: Damit er seine faulen Kollegen nicht länger mit seiner musterhaften Einstellung behelligen kann, wird Ritter Länglich auf die abgelegenen Bulligrob-Inseln geschickt, um dem dortigen Baron – einem wirklich gemeinen Alleinherrscher und Bösewicht – das Handwerk zu legen. Eine Aufgabe, an der sich vor ihm angesichts der Übermacht des korrupten Fieslings schon viele die Zähne ausgebissen haben. Zum Glück ist er dabei nicht allein auf seinen scharfen Verstand angewiesen, denn viele eifrige Hände und schnatternde Schnäbel vor Ort helfen ihm dabei, seiner wackeren Mission trotz aller Hindernisse bis zum Ende treu zu bleiben – und das kommt dick!
Mit »Der kleine dicke Ritter« ist Robert Bolt ein parabelhaftes Stück gelungen, das einen kritischen Blick auf gesellschaftliche Phänomene wirft, die uns vielleicht nicht ganz unbekannt vorkommen. Ein Plädoyer für Mitgefühl, Nächstenliebe und Gerechtigkeit, das durch die vielen skurrilen Figuren und humorvollen Situationen auch für kleinste ZuschauerInnen verständlich, unterhaltsam und spannend ist.


Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main

Besetzung

Ritter Länglich von Länglich Niklas Doddo
Baron Bulligrob Florian Stohr
Junker Schwarzherz Benedikt Paulun
Moloch / Wacholder / zweiter Bauer / Sekretär Uwe Achilles
Herzog / Oberbürgermeister Thomas Zimmer
Obadja / Ritter Trampelbert von Starkleib Kaj Louis Lucke
Elster Else (Handpuppe) / Bäuerin Claudia Waldherr
Erzähler / Kapitän / fünfter Bauer / Postbote / Mazeppa (Handpuppe) / Koch Curdin Caviezel
Ritter Parzival von Schlüpferig-Schlüpf / erster Bauer / vierter Bauer / Kapellmeister Michael Schusser
Ritter Mutig von Mausholz / Soldat / dritter Bauer Felix Rank
Ritter Derp von Eytel-Haudrauff Stefan Rosenthal
Regie Werner Sobotka
Bühne Stephan Prattes
Kostüme Elisabeth Gressel
Licht Christian Holemy
Figurendesign Richard Panzenböck
Figurenbau Annkathrin Kraus
Figurenspielcoaching Richard Panzenböck
Kampfcoach Martin Woldan
Dramaturgie Sebastian von Lagiewski
Hospitanz Alina Hainig

Kritiken

Wiener Zeitung – 13.10.2021

Toll trieben es die alten Ritter

Robert Bolt feat. Monty Python: Werner Sobotkas "Der kleine dicke Ritter" begeistert Jung und Alt.

Hätten Monty Python "Die Ritter der Kokosnuss" als kindgerechtes Theaterstück adaptiert, dann wäre vielleicht etwas Ähnliches dabei herausgekommen wie das, was Regisseur Werner Sobotka auf die Bühne des Wiener Renaissance Theaters zaubert. Denn der Hektiker-Mitgründer trägt, in bester Tradition der großen Vorbilder, bei der aktuellen Produktion "Der kleine dicke Ritter" des Theaters der Jugend ganz dick auf.

Natürlich gibt es in der aufwendigen Bühnenfassung des Kinderbuchklassikers von Robert Bolt aus dem Jahr 1963 einiges an lehrreichen Erkenntnissen, aber auch und vor allem sehr viel zu lachen - und zwar für die erwachsenen Begleitpersonen fast noch mehr als für das junge Publikum, weil viele Gags für die Großen dabei sind, die ihre Kinder gar nicht mitkriegen.

Was deren Vergnügen aber keinen Abbruch tut, weil allein schon das imposante Bühnenbild (Stephan Prattes), die sehr ansprechenden Kostüme (Elisabeth Gressel) und überhaupt das wilde Spiel des elfköpfigen Ensembles beste Unterhaltung garantieren. Der Saal tobt, wenn der kleine dicke Ritter Länglich (Niklas Doddo) im Slapstick-Zweikampf mit Junker Schwarzherz (Benedikt Paulun gibt einen hinreißenden dumm-groben Klotz) über die Bühne wirbelt.

Prinzipientreuer Edelmann gegen intriganten Fiesling

Im Hintergrund spinnt Baron Bulligrob (Florian Stohr ist als Fiesling einfach göttlich) seine Intrigen, unterdrückt seine Untertanen und überlegt, wie er Länglich wieder loswerden kann. Den hat ihm nämlich der Festland-Herzog (Thomas Zimmer) unwissentlich auf den Hals gehetzt. Eigentlich wollte er den veganen Ritter nämlich nur für einige Zeit loswerden, weil er zu motiviert war, was den anderen, faul gewordenen Rittern nicht schmeckte.

Aber es kommt halt dann, wie es kommen muss: Ritter Länglich, ein Edelmann ohne jeden Tadel, folgt seinen Prinzipien konsequent bis ins Letzte, egal wie unangenehm auch die Folgen sein mögen. Und dass er dabei dem Baron nicht nur auf die Zehen steigt, sondern auch sich selbst in Gefahr bringt, während er die Unterdrückten zu befreien versucht, die selber Angst vor der Befreiung haben, nimmt er in Kauf.

Ein Glück nur, dass ihm dabei die sprechende Elster Else (Claudia Waldherr) zur Seite steht, die auch noch zu ihm hält, wenn er sich durch seine Prinzipientreue selbst ein Bein stellt, und für ein gutes (teils überraschendes) Ende sorgt. Ja, es wird auch ein bisschen magisch auf der Bühne des Renaissance Theaters, und zwar auch, weil der Baron einen bösen Zauberer (Uwe Achilles) zu Hilfe holt, der Länglich an den Drachen verfüttern soll. In diesen Szenen spielt das aufwendige Bühnenbild alle Stückeln, wenn die Bestie nicht nur die Augen funkeln lässt, sondern auch das Maul aufreißt. Und während der kleine dicke Ritter über sich hinaus wächst und jedem noch so gemeinen Fiesling und bösen Zauber trotzt, um am Ende - Veganer hin, Tierfreund her - den Inseldrachen zu erschlagen, hält es die Kinder kaum in den Sesseln vor lauter Aufregung - und vor Gaudi. Und auch die Großen brüllen vor Lachen, wenn etwa der Stromberg-hafte Herzog ruft: "Man bringe den Spritzwein!", die versammelte Ritterschaft ein dreifaches "Nein! Doch! Oh!" anstimmt und jeder Musikeinspieler einen anderen Filmhit zitiert. Bleibt am Ende nur eine offene Frage: Ist Else nun eine europäische oder eine afrikanische Elster?

Mathias Ziegler


Der Standard – 13.10.2021

"Der kleine dicke Ritter" im Theater der Jugend: Klein und oho!

Ritter Länglich entspricht mit seiner Statur nicht dem Bild eines Helden, das macht er mit Gerechtigkeitsempfinden aber locker wett

Ritter Länglich entspricht mit seinen roten Bäckchen, seiner dümmlichen Frisur und dem Bäuchlein nicht dem Bild eines Helden, auch seinem Namen macht der Untersetzte wenig Ehre. Aber was ihm (Niklas Doddo) an Statur mangelt, macht er mit Gerechtigkeitsempfinden locker wett. Dass er sich, als alle Drachen im Reich getötet sind, nicht wie die anderen Ritter auf die faule Haut legen, sondern die nächste Gegend befreien will, nervt aber seine Kollegen. Sie locken ihn mit einem Abenteuer auf die Insel des bösen Baron Bulligrob (Florian Stohr). Dass der Häschen jagt, kann der vegane Ritter trotz Angst nicht ignorieren.

Der kleine dicke Ritter ist ein angesichts politischer Korrektheit gewagter Titel für ein Kinderstück (von Robert Bolt). Aber genau aus der atypischen Besetzung bezieht es seinen Charme. Im Theater der Jugend ist auch Baron Bulligrob ziemlich anders als erwartet: Der auf die Bühne vorgeschickte, mit einer Keule um sich schlagende Hüne im Panzer? Ist nur Junker Schwarzherz (Benedikt Paulun), Bulligrobs Schläger. Bulligrob selbst ist eine Diva in Seide.

Liebevolle Details

Liebevolle Details zeichnen die Inszenierung (Werner Sobotka) aus, von den exzentrischen Frisuren und Kostümen (Elisabeth Gressel) über die mit versenkbarem Rittertisch und kauendem Drachenmaul alle Stückerln spielende Bühne (Stephan Prattes) bis zu flotten Kämpfen. Ein Brief des bösen Drachen sprüht beim Öffnen Funken!

Länglich ergreift vor Gericht Partei für den Eiermaler, überlistet mithilfe einer Handpuppen-Elster den Magier Moloch. An die Begleitpersonen im Publikum (ab sechs) richten sich Schmähs wie "Magiefix" für eine Zauberfertigmischung und als Seitenhieb auf die Politik der Befehl: "Mach’s den Regeln entsprechend. Wir wollen keinen königlichen Untersuchungsausschuss." Toll!

Michael Wurmitzer


Ö1 Kulturjournal – 12.10.2021

Theater der Jugend: Der kleine dicke Ritter

Das Theater der Jugend zeigt das Stück „Der kleine dicke Ritter“ für Kinder ab 6 Jahren. Die schwarzhumorige Vorlage um einen kleinen Ritter, der gegen einen bösen Baron kämpft, stammt von Robert Bolt, einem englischen Drehbuchautor und Oscarpreisträger, der in den 1950er und 60er Jahren höchst erfolgreich war. Werner Sobotka hat das Stück überarbeitet, entstaubt, ein wenig auf Monty Python gebürstet, und er entlockt der Geschichte über Männerbündnisse und Freundschaften, über Diktaturen und Machtmissbrauch und über die Notwendigkeit von Widerstand höchst aktuelle Seiten.

Katharina Menhofer


KiJuKu.at Kinder Jugend Kultur und Mehr... – 14.10.2021

Sehr viel Lachen mit dem ungewöhnlichen Drachenbezwinger

„Der kleine dicke Ritter“ im Theater der Jugend in Wien – eine alte Geschichte frisch erzählt und gespielt.

Er heißt Länglich, ist aber eher klein und rundlicher. Das ist schon ein Gag, der im Original von Robert Bolt vor fast 60 Jahren angelegt war (im englischen Original heißt er Oblong). Und natürlich ist er stark. Sehr stark. Der Stärkste von allen – weil er weniger auf Kraft als auf Überzeugung, Freundlichkeit, Offenheit, liebevollen Umgang mit Tieren setzt – und sich vegan ernährt. Im Gegensatz zu seinen Ritterkollegen hackt er Drachen auch nicht ihre Schwänze ab, sondern bringt süße, kleine Drachenbabys mit in die Ritterburg. Und dennoch besiegt er letztlich den bösesten aller Drachen auf der Insel Bulligrob, befreit die Bewohner:innen der Insel auch vom dortigen groben, mobbenden Diktator.

Das alles spielt sich in den rund zwei Stunden im Ranaissancetheater, dem großen Haus des Theaters der Jugend in Wien, höchst amüsant ab. (...) Für erwachsenen Publikum bauen die Schauspieler:innen und der Regisseur viele humorvolle „Zitate“ vor allem aus „Die Ritter der Kokosnuss“ der britischen Humorgruppe Monty Python ein, aber auch aus Model-Shows und den berühmten Sager des vormaligen Wiener Bürgermeisters Michael Häupl „man bringe den Spritzwein“, aber auch so manch sehr aktuell wirkenden Anklang von wegen „Rücktritt“ … Viel Humor und Botschaften von Tierschutz, gegen Ausgrenzung und Diktatur in eine höchst amüsante und sehr witzig gespielte Geschichte verpackt. (...)

Heinz Wagner


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Der kleine dicke Ritter« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmxpc2EuYnJhbWVzaHViZXJAdGRqLmF0]