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Spielplan 2021/2022

Das höchst kuriose Abenteuer der hochwohlgeborenen kaiserlichen Tochter Marie Antoinette und des allseits bekannten Wunderkindes Wolfgang Amadé Mozart 6 +

von Thomas Birkmeir

Stückinfo

Ort: Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien
Zeitraum: 16. Februar 2022 - 12. März 2022
Premiere: 18. Februar 2022
Dauer: 01:55
Regie: Nicole Claudia Weber

»Die Freiheit der Fantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche;
sie ist Kühnheit und Erfindung.«

Eugène Ionesco

Wir schreiben das Jahr 1762 und werden im Schloss Schönbrunn Zeug*innen des Aufeinandertreffens zweier Kinder, deren Lebensrealitäten kaum gegensätzlicher sein könnten. Trägt der Eine schon in jungen Jahren die Verantwortung für das finanzielle Auskommen seiner gesamten Familie, wurde die Andere mit dem sprichwörtlich goldenen Löffel im Mund geboren. Knabbert er lediglich an harten Brotkrusten, gibt es für sie nur eine angemessene Speise: Kuchen!
Doch Wolfgang Amadeus Mozart und die kaiserliche Tochter Marie Antoinette haben eines gemeinsam: Sie beide müssen auf etwas verzichten – eine richtige Kindheit. Während Wolfgang rund um die Uhr von seinem »Helikoptervater« Leopold zur Tätigkeit getrieben wird, fristet Antoinette ein zwar sorgloses, aber einsames Dasein. Denn ihre königliche Mutter Maria Theresia hat stets Wichtigeres zu tun, als sich mit ihrer Tochter zu beschäftigen, und das hoheitliche Berührungsverbot erschwert die Suche nach geeigneten Spielgefährt*innen ungemein. Nur gut, dass Wolfgang – zum Leidwesen seines Vaters – im wahrsten Sinne des Wortes auf Statusunterschiede pfeift.
Kein Wunder also, dass die beiden nach anfänglichen Schwierigkeiten die erstbeste Gelegenheit nutzen, um sich aus dem Staub zu machen. Dass sie dabei in ein gefährliches Abenteuer hineinstolpern und sich gegen die kaltherzige Königin der Nacht behaupten müssen, stellt die neu errungene Freundschaft auf eine harte Probe. Die einzige Rettung: die aufrichtigen Tränen der gefühllosen Widersacherin. Eine gewaltige Herausforderung, geht es doch nicht nur um die eigene Haut, sondern um das Schicksal von Musik und Fantasie.


Aufführungsrechte: Österreichischer Bühnenverlag Kaiser & Co., Wien


Besetzung

Wolfgang Amadé Thomas Fischnaller Wachtler
Marie Antoinette Ursula Anna Baumgartner
Kaiserin Maria Theresia Tania Golden
Leopold Mozart Michael Schusser
Vogelfänger Frank Engelhardt
Königin der Nacht Pia Baresch
Kanzler Kaunitz / Der Ankläger Uwe Achilles
Fürst zu Windisch / Ein alter Mann Felix Rank
Freiherr von Bartenstein / Hohepriester Stefan Rosenthal
Graf von Daun / Ein Denunziant Ludwig Wendelin Weißenberger
Ein General / Der Angeklagte Haris Ademovic
Hohepriester der Königin der Nacht Ensemble
Swing Curdin Caviezel
Swing Shirina Granmayeh
Swing Victoria Hauer
Swing Jakob Pinter
Swing Rafael Schuchter
Regie Nicole Claudia Weber
Ausstattung Friedrich Eggert
Kompositionen Alisson Bonnefoy
Dramaturgie Gerald Maria Bauer
Regieassistenz Simone Tomas
Inspizienz Viktoria Klampfl
Hospitanz Louis Marley Crowfoot Schropp

Kritiken

Die Presse – 20.02.2022

Freiheit für den blauen Vogel!

Wennn du was kannst, bist du was und hast was!"das versucht Leopold Mozart seinem Sohn Wolfgang einzutrichtern. Doch der ist wenig begeistert von der Idee, Kaiserin Maria Theresia am Klavier vorzuspielen. Lieber klettert er auf den Vorhang - oder spielt mit Antoinette, der Tochter der Kaiserin, im Garten. Auch Maria Theresia ist von einer Audienz für das Wunderkind nicht begeistert. "Aus Salzburg ist noch nie was Gscheites gekommen," sagt sie (sehr lustig gespielt von Tania Golden). Und schon gar nicht will sie für das Privatkonzert bezahlen: "Die Kunst ist da, um uns zu erfreuen, und wenn's was kost, dann freut's uns nicht mehr."

Schreckensreich.

Im Garten von Schloss Schönbrunn beginnt für die zwei so unterschiedlichen Kinder das Abenteuer. Thomas Birkmeir hat sich eine spannende und fantasievolle Geschichte rund um Mozart und Antoinette ausgedacht. Darin gibt es immer wieder Anspielungen an Mozart und seine Werke. So verirren sich die beiden während eines Gewitters und landen im Schreckensreich der Königin der Nacht. Dort gibt es einen schrulligen Vogelfänger, der den blauschimmernden Vogel einfangen soll. Ist der Vogel erst einmal ausgerottet, verliert das Land Freude, Lachen, Musik und Fantasie. Und diese Dinge sind der Königin ein Dorn im Auge. Die Musik ausrotten? Das kann sich der junge Mozart (toll gespielt von Thomas
Fischnaller Wachtler natürlich nicht gefallen lassen. Mit seinem Lied "Bona nox! Bist a rechta Ochs, bona notte, liebe Lotte bonne nuit, pfui, pfui" (das stammt wirklich von Mozart) reißt er seine Freundin Antoinette (zauberhaft: Ursula Anna Baumgartner) aus der Verzauberung durch die Königin. Werden sie es schaffen, das ganze Land aus der Trostlosigkeit zu befreien? Das solltet ihr unbedingt selbst herausfinden!

Daniela Tomasovsky


KIJUKU.at – 18.02.2022

Wir wollen wahre Kinder sein!

„Amadé und Antoinette“, Des Direktors erstes Stück vor 20 Jahren in einer Neu-Inszenierung im Wiener Theater der Jugend.

DER Wolferl, Wunderkind und später weltweit berühmt, soll einst im zarten Alter von sechs Jahren bei einem Konzerterl für die Kaiserin Maria Theresia in Schloss Schönbrunn dieser auf den Schoß gesprungen sein. So wird seit fast 260 Jahren eine Anekdote erzählt. Anschließend sei er über einen Teppich gestolpert und vom 15. Kind der Kaiserin, Maria Antonia Josepha Johanna Habsburg, aufgefangen worden. Die wurde später als Marie Antoinette tragisch auch sehr bekannt, nicht zuletzt für einen Spruch, dessen Wahrheit auch umstritten ist, aber für überhebliche adelige Art steht: „Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen.“

Kurzweiliges Spiel

Wie dem auch sei, diese kleine Geschichte, die immer und wieder erzählt wird, war für Thomas Birkmeir Ausgangspunkt für ein ganzes Stück, das nun im großen Haus des Theaters der Jugend, dem Renaissancetheater in der Wiener Neubaugasse, gespielt wird – ein Revival seines ersten Stücks am Beginn seiner Amtszeit vor fast 20 Jahren. Dem kurzweiligen Spiel gab er den urlangen Titel „Das höchst kuriose Abenteuer der hochwohlgeborenen kaiserlichen Tochter Marie Antoinette und des allseits bekannten Wunderkindes Wolfgang Amadé Mozart“, firmiert aber auch unter der Kurzfassung „Amadé und Antoinette“.

Neu inszeniert (Regie: Nicole Claudia Weber) und in neuer Besetzung (vor allem verspielt, frech der eine, aufmüpfig auch die andere: Amadé: Thomas Fischnaller Wachtler, Antoinette: Ursula Anna Baumgartner) widersetzen sich beide den strengen väterlichen bzw. mütterlichen Diktaten.

Kein krummer Rücken und Berührungsverbot überwunden

Wolfgangus Theophilus Amadé Mozart will sich keinesfalls vor der Kaiserin verbeugen – das führe zu krummem Rücken und letztlich dazu, dass du dir das kreuz brichst. Die drei Monate ältere Antoinette wiederum treibt’s in den Garten, um dort nach anfänglichem herablassendem Hochmut sich auf Spiel mit Amadé einzulassen und sogar gegen das höfische Berührungsverbot zu verstoßen.

Zauberflöten-Anklänge

Aus diesem Spiel im Garten lässt der Autor des Stücks die beiden Kinder in Versatzstücken der „Zauberflöte“ landen. Die böse Königin der Nacht (Pia Baresch), die alles Singen verbietet, alle Vögel durch den Vogelfänger (Frank Engelhardt) einsammeln lässt, um sie dann zu töten und unbotmäßige Untertanen in Steine verwandelt, gewinnt Macht über Antoinette. Sie hatte sich verplappert und ihren Namen gesagt, verrät aber standhaft den des Spielgefährten nicht. Die Königin löscht alle Erinnerungen des Mädchens aus und „programmiert“ sie so um, dass Antoinette, die sie nun Schantá nennt, als Mutter anzuerkennen. Vielleicht – so die versteckte Botschaft, haben sich ja beim fantasievollen Spiel im Schlossgarten die beiden Kinder diese abenteuerliche Geschichte ausgedacht, die den Komponisten später zu seiner Märchenoper inspiriert haben könnten.

Bona nox…

Natürlich gelingt es Wolfgang – nach anfänglicher heftiger Ablehnung – die Erinnerung seiner Gefährtin wieder wachzurufen. Das „Zaubermittel“ dazu ist Mozarts berühmter lustiger Kanon „Bona nox!/ bist a rechta Ochs“ in dem noch Zeilen vorkommen wie „gute Nacht, gute Nacht,/ scheiß ins Bett, dass kracht“ oder „gute Nacht, schlaf fei g’sund/ und reck‘ den Arsch zum Mund.“ Den singen sie auch der Kaiserin (Tania Golden in einem mehr breiten als hohen Kleid – Ausstattung Friedrich Eggert) nach ihrer Rückkehr vom abenteuerlichen Ausflug vor, die da ihre Noblesse ablegt und sehr lustvoll miteinstimmt, wie Kinder I Jugend I Kultur I und mehr … bei einer Voraufführung zwei Tage vor der Premiere erleben durfte (mit einigen krankheitsbedingten Umbesetzungen).

Wahr oder Fake

Neben dem Aufbegehren der beiden Kinder gegen ihre autoritären Eltern bzw. ihrem Kampf darum, überhaupt Kinder sein zu dürfen, spielt mehrmals auch die Frage von Wahrheit eine wichtige Rolle. Schon der Ausgangspunkt – die Anekdote, die’s so vielleicht gar nie gegeben hat – steht dafür. Knapp nach Beginn des Stücks bläut Amadés Vater Leopold Mozart (Michael Schusser), seinem Sohn neben vieler Verhaltensmaßregeln ein, immer die Wahrheit zu sagen. Um im nächsten Satz dem Sohn aufzutragen, „sag immer ein Jahr weniger, wenn sie dich fragen, wie alt du bist!“

Follow@kiJuKUheinz
kijuku.at/buehne/wir-wollen-wahre-kinder-sein/

Heinz Wagner


Wiener Zeitung – 22.02.2022

Sprechende Steine, singende Vögel

Intendant Thomas Birkmeir entwirft ein Mozart-Abenteuer für Kinder.

Dem Leben und Sterben von Wolfgang Amadeus Mozart wohnt etwas Geniales, Tragisches und Wild-Abenteuerliches inne, aber kindertheatertauglich ist es kaum. Nun hat Thomas Birkmeir, Langzeit-Intendant des Theaters der Jugend, Motive aus Mozarts Kindheit - der strenge Vater, das Vorspielen vor Kaiserin Maria Theresia - mit Motiven aus der "Zauberflöte" verwoben - Papageno und die Königin der Nacht treten etwa als Protagonisten auf.

Das Amalgam entfaltet sich im Renaissancetheater als Abenteuerreise zweier Kinder. Das Stück "Amadé und Antoinette" mit dem barocken Untertitel "das höchst kuriose Abenteuer der hochwohlgeborenen kaiserlichen Tochter Marie Antoinette und des allseits bekannten Wunderkindes Wolfgang Amadé Mozart" ist routiniert und pointenreich verfasst - charmant ist etwa der sprechende Stein.

Regisseurin Nicole Claudia Weber führt das 13-köpfige Ensemble solide durch die knapp zweistündige Aufführung, die Pointen sitzen, der Rhythmus passt, die Inszenierung hält die Spannung (...).

Petra Paterno


Online Merker – 18.02.2022

WIEN / Theater der Jugend: AMADÉ UND ANTOINETTE

--WIEN / Theater der Jugend / Renaissancetheater:
DAS HÖCHST KURIOSE ABENTEUER DER HOCHWOHLGEBORENENE KAISERLICHEN TOCHTER MARIE ANTOINETTE UND DEM ALLSEITS BEKANNTEN WUNDERKIND WOLFGANG AMADEUS MOZART von Thomas Birkmeir
Premiere: 18. Februar 2022--

Wer Mozart und Marie Antoinette in einem Atemzug nennt, denkt sofort daran, dass der sechsjährige Wolferl in Schloß Schönbrunn der kleinen Erzherzogin Maria Antonia (so hieß sie damals noch) versprach, er werde sie heiraten, wenn er groß sei. Eine unbestätigte Anekdote, aber so schön, dass sie vermutlich nicht tot zu kriegen ist.

Nun, bei Thomas Birkmeir ist alles ganz anders. Der Direktor des Theaters der Jugend (immerhin ist er schon zwanzig Jahre in Amt und Würden!) macht sich gelegentlich die Freude, selbst ein Stück zu schreiben. Diesmal für die ganz Kleinen, die Volksschulkinder ab 6 Jahren. Mit den Klischees von Mozart füttert er sie nicht. Statt dessen mixt er halbe Realität mit Märchen und gibt den Kleinen schon Botschaften mit. Nicht nur, dass der junge Mozart (...) ein ungebärdiger Bursche ist. Da läuft er gleich am Anfang in Schönbrunn seinem Vater davon, weil er sich nie verbeugen will, nicht einmal vor einer Kaiserin. Und dass es immer nur um Geld geht. erfährt man auch – darum muss man in Schönbrunn musizieren, erklärt der Vater. Aber dazu kommt es nicht.

Wie gesagt, bei Birkmeir ist alles anders. Da stoßen Wolfgang und die Erzherzogin Marie Antoinette (sie waren übrigens fast gleich alt, sie drei Monate älter als er) (...) zusammen, raufen heftig, laufen gemeinsam davon in einen Garten, wo ein Vogelfänger auftaucht – und schwupps ist man in einer Märchenwelt.

Aber so ganz die „Zauberflöte“ wird es auch nicht, selbst wenn eine hier bitterböse Königin der Nacht im Märchen die Hauptrolle spielt. Bei ihr darf weder gesungen noch gelacht werden – eigentlich wird man hier an Raimund erinnert, der in „Der Diamant des Geisterkönigs“ ein ähnlich totalitäres Märchenreich zeichnet. Die böse Königin, die ihre Kinder verloren hat, zwingt Marie Antoinette durch Gehirnwäsche, sich für ihre Tochter zu halten. Wolferl hingegen, der den Vogelhändler in einen Stein verwandelt mit sich herumschleppt, wird von den Schergen der Königin der Nacht gejagt: Er besitzt nämlich den letzten „blauen Vogel“, das Symbol der Phantasie…

Nun, wenn dann alles gut ausgeht, ist man wieder in Schönbrunn. Kaiserin Maria Theresia, im Grunde ebenso verzerrt dargestellt wie der total veralberte Leopold Mozart, kommt dann doch noch zu ihrem (zweiten) großen Auftritt. Allerdings war bei diesem Besuch der Mozarts am Kaiserhof alles nicht so, wie wir es in den Büchern lesen, sagt Birkmeir – das hat die Kaiserin ihren Sekretären diktiert, damit es eine schöne Story für die Chroniken gibt. Eigentlich hatte sie gar keine Zeit, sich den jungen Mozart anzuhören…

Aber wenn das ganze Ensemble am Ende als Kanon „Bona nox, bist a rechter Ox“ singt, dann kann der Abend nur in stürmischem Applaus enden. Und wohl nur der Kritiker bemerkt einwendend, dass Regisseurin Nicole Claudia Weber das Stück, das von Birkmeir schon kleinkindhaft-überdreht erzählt wird, noch einmal über drüber übersprudeln lässt. (...)

Clou des Abends ist Tania Golden als ironisch-souveräne, auch ein bisschen belästigte Kaiserin Maria Theresia, wirklich ein Vergnügen. Thomas Fischnaller Wachtler und Ursula Anna Baumgartner toben als Wolferl und Marie Antoinette herum, wie es verlangt wird. Pia Baresch ist eine einerseits ganz böse Königin der Nacht, andererseits eine liebevolle Mutter der neu gefundenen Tochter. Michael Schusser gibt den Leopold Mozart als reine, alberne Parodie. Der Vogelfänger von Frank Engelhardt kommt nicht ganz so gut zur Geltung wie bei Mozart der Papageno. Das restliche Team ist entweder Maria Theresia oder, im Märchenteil, der Königin der Nacht untertan.
(...)

Renate Wagner


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Amadé und Antoinette« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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