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Spielplan 2019/2020

Prinz und Bettelknabe 6 +

nach Mark Twain
von Jethro Compton

Stückinfo

Ort: Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien
Zeitraum: 04. Oktober 2019 - 10. November 2019
Premiere: 08. Oktober 2019
Dauer: 02:05
Regie: Jethro Compton

»Ein voller Magen taugt wenig, wenn der Geist hungert und das Herz.«

Mark Twain. Prinz und Bettelknabe

Sie haben am gleichen Tag Geburtstag und sehen einander zum Verwechseln ähnlich. Doch da hört es schon auf mit den Gemeinsamkeiten. Denn während der Waisenjunge Thomas ein Leben in bitterer Armut führt und nie weiß, woher die nächste Mahlzeit kommen soll, wurde Prinz Eduard mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund geboren und wächst, umringt von Dienstpersonal, scheinbar sorgenfrei im Königspalast auf.
Zwei völlig unterschiedliche Welten prallen aufeinander, als sich die beiden Jungen aus heiterem Himmel bei einer Audienz gegenüberstehen. Die Überraschung beim Kennenlernen ist groß: Es ist fast, als würde man in einen Spiegel schauen. Das Leben des anderen klingt viel verlockender als das eigene, und so wird aus einer verrückten Idee ein genial einfacher Plan: Kleider machen Leute, und schnell getauscht sind sie obendrein. Nur einen Tag die Rolle des anderen spielen, sich den knurrenden Magen vollschlagen, einmal frei von königlichen Verpflichtungen durch die Straßen streunen – ein undenkbarer Traum wird leichter Wirklichkeit als gedacht.
Doch was als harmloser Spaß beginnt, wird bald zu bitterem Ernst. Während Eduard am eigenen Leib erfährt, dass seine notleidenden Untertanen nur wenig für ihren Prinzen übrig haben, erkennt auch Thomas rasch, dass die unverhoffte Macht mit einem hohen Preis verbunden ist. Eines steht für beide fest: So kann es nicht weitergehen. Dabei hat das Abenteuer ihres Lebens gerade erst begonnen und das Geheimnis, das sie teilen, ist für beide ein gefährliches Spiel…
Mit seinem sozialkritischen Blick, gepaart mit Charme und Witz, hat Mark Twain nicht nur ein spannendes modernes Märchen, sondern einen Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur geschaffen.

Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien

Besetzung

Eduard, der Prinz Maria Astl
Thomas Kendler, der Bettelknabe Julenka Werkmeister
Humfried, der Prügelknabe Stefan Rosenthal
Elisabeth, die Wächterin der Krone Caroline Frank
Prinzessin Viktoria Christina Kiesler
Milo von Hofenstein, der Graf der Schatten Michael Schusser
Marie von Hofenstein, die Gräfin der Ratten Sabrina Rupp
Hugo, der Baron Frank Engelhardt
König Heinrich / Pater Andreas Uwe Achilles
Regie Jethro Compton
Bühne Jethro Compton und Diana Zimmermann
Kostüme Andrea Bernd
Licht Christian Holemy
Musik Jonny Sims
Dramaturgie Clemens Pötsch
Kampfcoach Martin Woldan
Assistenz und Inspizienz Eva Maria Gsöllpointner
Hospitanz Laura Mitterer

Kritiken

Kinderkurier – 10.10.2019

Wenn Reich und Arm spüren, wie’s den anderen geht

Mit „Prinz und Bettelknabe“ nach Mark Twain eröffnete das Theater der Jugend (Wien) die neue Saison.

Vor einem riesengroßen offenen Buch, das auf mehreren liegenden Büchern steht und vor diesem Hintergrund spielt sich die wunderbare Geschichte „Prinz und Bettelknabe“ im Renaissancetheater ab. Mit dieser Geschichte um reich und arm nach Mark Twain eröffnete das Theater der Jugend in Wien in seiner größeren Spielstätte die neue Saison.

Maria Astl als Prinz Eduard und Julenka Werkmeister als Bettelknabe Thomas Kendler spielen die beiden mitreißend – sowohl in ihrer jeweiligen Ursprungsrolle als auch in der jeweils anderen Figur. Die Grundgeschichte ist ja, dass der schnöselige, herrschsüchtige, glatte, empathie-befreite zehnjährige Prinz anlässlich eines Festes, zu dem alle Zehnjährigen der Stadt eingeladen sind, mit dem Bettelknaben die Rollen tauscht. Für einen Tag, so machen sie aus. Daraus wird natürlich viel mehr Zeit.

Schattenseiten

So lernt der Reiche die Schattenseiten der Herrschaft seines Königshauses kennen, die hungernden Menschen in der Stadt. Und der Arme im Gewande des Reichen verwirrt zunächst seine Umgebung mit Menschlichkeit, die für seine Bediensteten völlig unbekannt ist. Doch je länger er in dieser Rolle lebt, umso mehr nimmt er auch Herrschaftszüge an. Ohne allerdings seine Menschlichkeit ganz über Bord zu werfen. Woraus sich natürlich erst die Dynamik des Geschehens ergibt. Wobei, ein bisschen viel Degenfechterei ist schon dabei – was manche Zuschauer_innen aber sehr lieben.

Die beiden genannten Hauptdarstellerinnen, aber auch das gesamte Ensemble, lassen die knapp zweistündige Aufführung (eine Pause) in der Fassung und Regie von Jethro Compton so dicht und rasant vergehen wie ein echter Page-Turner, wie „neudeutsch“ Bücher genannt werden: So fesselnd, dass du nicht aufhören kannst zu lesen und so leicht, dass deine Blicke über die Zeilen fliegen.

Und so „nebenbei“ verbreitet das Stück die wichtige Botschaft, vielleicht sich auch einmal in die Lage anderer zu versetzen – was immerhin der erste Schritt für die Frage nach Gerechtigkeit sein könnte ;)

kurier.at/kiku/wenn-reich-und-arm-spueren-wies-den-anderen-geht/400640549


Heinz Wagner


Online Merker – 10.10.2019

WIEN / Theater der Jugend im Renaissancetheater: PRINZ UND BETTELKNABE von Jethro Compton nach Mark Twain Premiere: 8. Oktober 2019P

Wer „Mark Twain“ sagt, denkt sofort an Tom Sawyer und Huck Finn, aber wer ihn deshalb für einen Kinderbuchautor hält, könnte falscher nicht liegen. Die „Kinderbuch“-Fassungen mussten gewaltig entschärft werden, und dass Twain immer ein politischer, ein sozialpolitischer Schriftsteller war, zeigte auch ein Roman wie „Prinz und Bettelknabe“, der ebenfalls wie eine Kindergeschichte klingt und doch eine soziale Parabel erster Ordnung ist.

(...)

Da ist also ein Prinz im Schloß, ein ziemlich unleidlicher Junge, knapp vor seinem 10. Geburtstag, auf dessen Herrschaft man sich eher nicht freuen würde. Und da ist der gleichaltrige Waisenjunge, der sich durchs Leben stiehlt und bettelt, aber in einem Priester immerhin einen Beschützer hat, der ihm lesen und schreiben und Latein beibringt und ein paar rebellische Gedanken auch. Dass es nämlich nicht gerecht ist, dass die einen alles haben und die anderen gar nichts…
Wenn sich die beiden Jungen, die sich ähneln wie ein Ei dem anderen (ohne dass aus der Doppelgängergeschichte nun die klassische Zwillingsgeschichte würde), im Palast begegnen und die Kleider tauschen, für einen Tag, wie sie glauben – ja, da perpetuiert sich das Abenteuer, denn Kleider machen Leute, der zerlumpte Junge kann noch so sehr behaupten, er sei ein Prinz, man wird ihn auslachen; und der Junge im Prinzengewand, wenn er so intelligent ist, wird als solcher genommen – auch wenn er ein viel besseres Menschenkind ist…
Das Schöne an Twains Geschichte besteht darin, dass nun beide etwas in ihren neuen Welten lernen: der echte Prinz, der im Proletariat landet, etwas über soziale Abgründe, von denen er nichts geahnt hat, und der Betteljunge als Prinz von Zwängen, die er sich nie vorgestellt hätte…
Wichtig ist, dass jeder einen Vertrauten findet, der neue Prinz den „Prügelknaben“, der zum treuen Gefährten und Berater wird, wenn er sich nicht mehr dauernd für die Verfehlungen der Hoheit schlagen lassen muss, und der echte Prinz eine Handvoll edler Rebellen… Ja, es ist ein Märchen, rein erfunden, schon gar, wenn der echte Prinz, als er dann doch König wird, gleich abdankt, um die Demokratie einzuführen. Er hat schließlich am eigenen Leib erfahren, wie sich Unterdrückung anfühlt…
Jethro Compton bringt diese Geschichte für Kinder ab 6 Jahren mit ultimativer Geschicklichkeit auf die Bühne, ja, er beschwört sogar ein wenig die Atmosphäre historischer Mantel- und Degen-Filme aus dem Hollywood der fünfziger Jahre, wenn hier nicht nur die Kostüme in die Vergangenheit weisen, sondern man auch richtig flotte Fechtszenen erlebt und sich eine Menge „Dramatik“ rund um die Aussage rankt, die glockenklar herüber kommt.
Zwei junge Schauspielerinnen spielen zwei kindliche Prinzen – Maria Astl als Eduard, der Schnösel, der seine Lektion lernt, und Julenka Werkmeister als Bettelknabe Thomas, der nur einmal kurz Gefahr läuft, sich von Macht und Stellung verderben zu lassen…
Da gibt Caroline Frank eine skrupellose, manipulative Intrigantin am Hof, Stefan Rosenthal unendlich liebenswert den klugen „Prügelknaben“, Michael Schusser einen noblen Rebellen, Uwe Achilles einen kämpferischen Pater, und auch der Rest des Ensembles bietet Erstklassiges.
Ein historisches Märchen als Lehrstück, in Theatervergnügen verpackt. Man könnte es kaum besser machen.


Renate Wagner


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Prinz und Bettelknabe« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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