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Spielplan 2019/2020

An der Arche um Acht 6 +

von Ulrich Hub

Stückinfo

Ort: Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien
Zeitraum: 12. Februar 2020 - 07. März 2020
Premiere: 13. Februar 2020
Dauer: 01:45
Regie: Yüksel Yolcu

»Erster Pinguin: Du wolltest immer, dass Gott sich bemerkbar macht. Das hast du jetzt davon. Deutlicher geht es wohl nicht mehr.
Zweiter Pinguin: Aber muss es denn gleich eine Sinflut sein?
Erster Pinguin: Ich kann Gott ja verstehen –
Zweiter Pinguin: Kann man nicht noch mal mit ihm reden?«

Ulrich Hub. An der Arche um Acht

So ein Pinguinleben ist nicht leicht, und ein normaler Tag in der Antarktis kann ganz schön lang werden zwischen Eis und Schnee – und Schnee und Eis. Da liegt es auf der Hand, dass beim Gespräch mit Artgenossen auch mal die Federn fliegen! Doch ausgerechnet in den schönsten Streit über Gott und die Welt platzt die Meldung des Tages: Gott hat von der Welt genug und will mit einer großen Sintflut einen Neubeginn starten! Die Menschen streiten doch nur die ganze Zeit, das nervt ziemlich, und bei den Tieren geht es nicht anders zu: Jeder will ständig am schönsten, am größten, am stärksten und am schlausten sein. Gott hat die Nase voll! Nur zwei Lebewesen jeder Gattung werden gerettet und dürfen auf Noahs schwimmende Arche – und das gilt auch für die drei Pinguin-Freunde. Viel Zeit bleibt ihnen nicht, sind sie doch pünktlich um acht an der Arche verabredet mit der Taube, die ihnen die Tickets überbringt, und bis dahin müssen sie einen genialen Einfall haben! Jetzt heißt es zusammenhalten, auch wenn eigentlich gerade Eiszeit zwischen ihnen herrscht…
Aber lässt sich Gott so einfach austricksen, wenn er oder sie doch angeblich alles sieht und dabei selbst unsichtbar bleibt? Sind die gesprächigen Pinguine überhaupt in der Lage, den Schnabel zu halten und sich nicht selbst zu verraten? Ob sie es mit zwei Tickets dennoch zu dritt auf die Arche schaffen und welche Herausforderungen es auf dem Weg dorthin zu meistern gilt, um sich keine nassen Flossen zu holen, das erzählt Ulrich Hubs preisgekröntes Stück auf höchst charmantwitzige Weise. Dass Gott auch mit von der Partie ist, versteht sich von selbst.

Theaterworkshopreihe »An der Arche um Acht«
Die Theaterpädagogik des Theaters der Jugend bietet zu dieser Produktion eine Workshopreihe für alle von 7 bis 10 Jahren an! Weitere Informationen finden Sie hier
Start: 3. Februar 2020
5 Termine
Anmeldung per Mail an [YjY0dGFnOmp1bGlhLndlaW5nYXJ0bmVyQHRkai5hdA==]

Einblicke vor Ort
An folgenden Terminen findet jeweils um 15:30 Uhr das kostenlose Zusatzprogramm »Einblicke vor Ort« im Parkettfoyer statt:

12. Februar 2020
18. Februar 2020
26. Februar 2020
Für Einzelpersonen ist keine Anmeldung erforderlich.

Aufführungsrechte: Verlag der Autoren, Frankfurt am Main

Besetzung

Erster Pinguin Frank Engelhardt
Zweiter Pinguin Alessa Kordeck
Dritter Pinguin Stefan Rosenthal
Eine weiße Taube Jan Hutter
Stimme des Noah Toni Slama
Regie Yüksel Yolcu
Ausstattung Ulv Jakobsen
Licht Christian Holemy
Videoanimation Schorsch Feierfeil
Musik und musikalische Einstudierung Béla Fischer jr.
Choreografie Nina Tatzber
Dramaturgie Clemens Pötsch
Assistenz und Inspizienz Simone Tomas
Hospitanz Pia-Maria Harr

Kritiken

Die Presse – 15.02.2020

Was hat sich Gott dabei gedacht?

Renaissancetheater. Ulrich Hubs "An der Arche um acht" ist nicht umsonst ein Renner, auch im Theater der Jugend. Yüksel Yolcu inszenierte amüsant, besonders erfreut die Optik.

Drei Pinguinen ist fad im ewigen Eis. Es passiert absolut nichts. Da saust eine Taube herbei, sie überbringt
eine schreckliche Nachricht: Es droht eine Sintflut, zwei Pinguine bekommen Tickets für Noahs Boot, doch der dritte ist gerade verschwunden, weü er mit den anderen gestritten hat. Aber ist das ein Grund, ihn ertrinken zu lassen? Die Pinguine packen einen riesigen Koffer mit geheimnisvollem Inhalt, aber darf der auch auf das Schiff? "An der Arche um acht" wird landauf, landab gespielt. In Wien war das Stück von Ulrich Hub zuletzt im Burg-Kasino zu sehen. Es ist eines der seltenen Juwele aus dem neueren Kindertheater. Hier werden mit Musik, humorvoll und doch nicht ohne Tiefgang für Sechsjährige existenzielle Fragen behandelt: Gibt es einen Gott? Wie schaut er aus? Warum schickt er eine Sintflut? Und wie weit geht Freundschaft?

Im Renaissancetheater hat Yüksel Yolcu inszeniert, der Regisseur arbeitete am innovativen Berliner Grips-Theater und brachte vergangene Saison im Theater der Jugend "Ronja Räubertochter" von Astrid Lindgren heraus. Kindertheater, speziell jenes für die Kleineren, leidet oft unter erhobenem Zeigefinger, Überdrehtheit und knalligen Effekten, die bei Jüngeren Angst verursachen.

Grüne Hügel statt Eisberge

(...) Das Schönste ist die Optik. Christian Holemey (Licht), Schorsch Feierfeil´(Videoanimation) und Ulv Jakobsen (Ausstattung) haben wahre Wunderwelten entworfen - mit der Simulation der Flut, dem großen und dem kleinen Boot. Man
bangt, wenn es über wüde Wellen schaukelt. Auf den glitschigen antarktischen Eisbrocken entfaltet sich heiterer Slapstick. Der Star des Abends ist die geschäftige und manchmal wichtigtuerische Taube (Jan Hutter) mit schräger Frisur und rotem Megafon: Sie muss Löwen und Antilopen voneinander fernhalten und den Partner der Ameise suchen. Außerdem vergisst sie immer etwas.

Die Pinguine (Frank Engelhardt, Alessa Kordeck und Stefan Rosenthal) erinnern daran, dass auch Ein-Satz-Dialoge klug sein können. Toni Slama von der Josefstadt leiht seine sonore Märchenerzählerstimme Noah. "An der Arche um acht" ist nur scheinbar eine lustig verpackte Petitesse über das Leben und die letzten Dinge.

Es geht hier auch ganz praktisch darum, den Alltag auszuhalten, selbst wenn sich nichts tut - wie (zum Glück) im Leben vieler
unserer Kids. Und dann ist plötzlich was los, eine Reise oder schlimmer: Flucht oder Vertreibung. Und am Ende ist man ziemlich froh, wenn man wieder heimkehren kann, wiewohl das Environment der Pinguine sich verändert zu haben scheint: Aus den Eisbergen sind grüne Hügel geworden.

Barbara Petsch


Kinder Kurier – 13.02.2020

Warum so fantasievoll beim Bestrafen?

Clowneske Pinguine stellen philosophische Fragen: Grandiose Version von „An der Arche um acht“ im Renaissancetheater (Wien).

Kein Wunder, dass „An der Arche um acht‘“ ur-oft von vielen verschiedenen Theater(gruppe)n gespielt wird. Ulrich Hub gelang da ein geniales Stück. Viel Humor, eine Handlung, die an dem bekannten Mythos von der Arche anknüpft. Den gab’s übrigens schon lange vor der Bibel und quer über die Welt verbreitet in den verschiedensten Kulturen. Knappe Dialoge, die so wie der Witz viel (kinder-)philosophischen Tiefgang haben. Eine grandiose, sehr kurzweilige, Version (Regie: Yüksel Yolcu) läuft derzeit im großen Haus des Wiener Theaters der Jugend, dem Renaissancetheater (1070, Neubaugasse).

Göttliche Straf-Fantasie

Gibt es Gott? Wenn ja, sieht und hört er wirklich alles? Und, warum ist ihm bei der Landschaft, in der die Pinguine – Hauptfiguren des Stücks - zu Hause sind, nicht mehr als Schnee und Eis und Eis und Schnee eingefallen? Und warum will er dann die ganze Menschheit und Tierwelt – mit Ausnahme jeweils zweier Exemplare – mit der Sintflut vernichten?

„Möglicherweise ist Gott bei der Erschaffung dieser Gegend nicht besonders viel eingefallen, aber sobald es um die Erfindung von Strafen geht, hat er unheimlich viel Fantasie“, heißt das im Stück.

Allerdings ist es wahrscheinlich die einzige Bibelstelle, in der Gott mehr oder minder einen Fehler eingesteht, er sei mit der Sintflut zu weit gegangen.

Die Pinguin-Story

Die Grundgeschichte – für jene, die das Stück nicht kennen: Drei Pinguine streiten sich immer wieder – offenkundig aus Langeweile. Eine Taube taucht auf, und verkündet, dass demnächst die Sintflut kommt. Pinguine seine noch keine auf dem Rettungsboot. Treffpunkt 8 Uhr und dann Abfahrt. Trotz Streits beschließen jene beiden Pinguine, die diese Botschaft vernehmen, während der dritte schmollt, auch der muss mit. Versteckt in einem Koffer …

Natürlich kommt’s im Bauch des Schiffes zu Versteckspielen vor der Ober-Checkerin an Bord, der Taube. Höhepunkt, wenn sie wirklich mitkriegt, dass in dem großen Koffer wer drin ist. Der dritte Pinguin meldet sich als Gott. „Hahaha“ – „Glaubst du nicht an mich?“ …

Mehr als nur Glauben

Aber bei Weitem mehr als Diskussion um den Glauben an ein höheres Wesen, spielen eine große Rolle. So holt ausgerechnet der irgendwie ausgestoßen dritte Pinguin, der sich selbst als Böse findet, nachdem er sich auf einen Schmetterling gesetzt hat, die anderen beiden unter seinen Schirm, als es zu regnen beginnt. Die wiederum sind solidarisch und nehmen ihn heimlich mit aufs Boot. Sie, die ständig nach Fisch stinken und der Taube dauernd Probleme bereiten, sind die einzigen, die ihre Arbeit anerkennen. Denn der Noah ist ja zu vergessen. Das ist der Arche-Bauer nach der Bibel. Bei den antiken Griechen war’s Deukalion im Gilgamesch-Epos der Sumerer hießt der Retter Utnapischtim.

Moderne Zeiten

Dass die Taube per Hubschrauber auf die Antarktis eingeflogen wird, oder es am großen Schiff elektrische Ruftasten gibt, versetzt die ganze Geschichte mit wenigen Kniffen aus grauen Urzeiten ins Heute. Und deutet damit dezent an, dass seit einigen Jahren intensiv über die Gefahren steigender Meeresspiegel diskutiert werden muss – Teil des Klimawandels und der Umweltzerstörung – von Menschen gemacht.

Clownesk

Clownesk – in dieser Szene mit einem Schuss fast andächtigem Ernst – agieren vor allem die großartigen, bewusst unterschiedlichen Pinguin-Charaktere Frank Engelhardt, Alessa Kordeck und Stefan Rosenthal. Ziemlich schräg-verwirrt und bis knapp zum Schluss viel zu wenig bedankt „flattert“ Taube Jan Hutter über die Bühne. Diese - Ausstattung: Ulv Jakobsen, Licht: Christian Holemy, Videoanimation: Schorsch Feierfeil – wird mit wenigen Mitteln zur Arche, vor allem aber zum lustigen Rutsch-Spielplatz im ersten Teil in der Antarktis. Der Regen kommt als Video-Animation vom „Himmel“.

Sieben Mal singen und tanzen – vor allem die Pinguine – in unterschiedlichsten Genres – von einer Art Schlagerparodie bis zum (Möchtegern-)Rap (Musik: Béla Fischer jr.).

Begeisterter Jubel des Premierenpublikums – und das sind in diesem Theater doch zum Großteil Kinder.

kurier.at/kiku/warum-so-fantasievoll-beim-bestrafen/400752708

Heinz Wagner


Online Merker – 15.02.2020

WIEN / Theater der Jugend: AN DER ARCHE UM ACHT

WIEN / Theater der Jugend / Renaissancetheater:
AN DER ARCHE UM ACHT von Ulrich Hub
Premiere; 13. Februar 2020 nachmittags

Mit Pinguinen hat Autor Ulrich Hub stets Erfolg, „An der Arche um Acht“ ist sein drittes Stück mit den watschelnden Protagonisten und in der Welt der Kinderstücke zu Recht gefragt und beliebt. Denn ganz ohne Schwierigkeiten behandelt er Themen, die auch kleine Kinder nachvollziehen können.

Zuerst geht es um den Alltag. Die drei Pinguine leben zwischen Schnee und Eis, in ihrer wunderbaren Umgebung, aber wie Kinder (und wohl auch Erwachsene) so sind, es ist ihnen schnell „fad“ in ihrer Welt. Wie ungerecht sie urteilen, das lernen sie später, als man sie aus ihrem Biotop grob herausholt und in eine ganz ungemütliche Umgebung versetzt…

In dem Stück geht es auch um Gott – ein Thema, um das ja wohl kein Mensch auf dieser Welt herumkommt, auch wenn er so verschieden damit umgeht die Pinguine – zwischen „Es könnte was dran sein“ und „eher doch nicht“… aber das ist natürlich eine Frage, die man sich irgendwann stellt.

Und wenn Gott dann böse ist und per Taube verkünden lässt, es gäbe eine Sintflut und zwei Tiere von jeder Spezies kämen auf die Arche Noah – da geht es auf einmal um Freundschaft. Da mögen die drei noch so sehr auf einander logepeckt haben, dass einer von ihnen zurückbleiben sollte – nein, das kommt nicht in Frage…

Da wird es nun komisch, wenn zwei von ihnen den dritten per Koffer in die Arche schmuggeln und die etwas doofe Taube dauernd austricksen müssen. Und dabei lernen sie, wie ungemütlich das Leben sein kann und wie unrecht sie ihrer schönen Welt getan haben…

Drollig am Ende, wenn die Pinguine die Taube retten – sie haben einen zu viel, die Taube hat auf den Partner vergessen, also… nicht ganz logisch, aber im Sinne dessen, dass jedes Lebewesen gleich viel wert ist, funktioniert die neue Partnerschaft auch. Um am Ende sind sie wieder draußen (nachdem ihnen Noah eine Predigt gehalten hat) – noch mal davon gekommen. Die Kinder im Publikum sind glücklich und begeistert.

Auch, weil die drei Pinguine in der Regie Yüksel Yolcu (in der praktischen Ausstattung von Ulv Jakobsen) so ungemein lebendig sind, immer wieder in Gesang und Tanz ausbrechen (Musik: Béla Fischer jr.) und ihre Probleme so schön und liebenswert lösen: Zu Frank Engelhardt, Alessa Kordeck und Stefan Rosenthal gesellt sich noch Jan Hutter als wahrlich zickige weiße Taube, die vom Life Ball entflattert scheint. Der Unterhaltungseffekt ist erreicht – ja, und etwas zum Nachdenken können die Kinder auch mitnehmen.

Renate Wagner


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »An der Arche um Acht« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf fantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmxpc2EuYnJhbWVzaHViZXJAdGRqLmF0].

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