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Spielplan 2018/2019

Cinderella passt was nicht 6 +

Musik von Thomas Zaufke
Text von Peter Lund

Stückinfo

Ort: Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien
Zeitraum: 12. Dezember 2017 - 29. Januar 2018
Premiere: 13. Dezember 2017
Dauer: 02:10
Regie: Werner Sobotka

»Was nützt es, wenn man sagen darf, was man denkt, wenn keiner einem zuhört?«

Peter Lund. Cinderella passt was nicht

Aufruhr in Mausehausen! Gräfin Tita hat Sorgen: Das Geld ist weg und wenn nicht eine ihrer Töchter demnächst eine gute Partie macht, dann folgt das hübsche Stadtschloss dem Geld nach. Doch leider ist Johanna – im Gegensatz zu ihrer Schwester Erna – ein bisschen zu klug und will weder von Männern noch vom Heiraten was wissen.
Prinz Hamlet macht seiner königlichen Mutter Viktoria ähnliche Sorgen. An seine Heirat ist nicht zu denken und König werden will er schon gar nicht, denn Prinz Hamlet ist Sozialist: Wenn es nach ihm ginge, wären alle Untertanen freie Mäuse. Als sich auch noch die Fee Aurora in die Geschichte einmischt, wird alles noch komplizierter, denn die hat eine eigene Auffassung davon, wie man heutzutage an einen richtigen Prinzen kommt. Und überhaupt ist nichts mehr so wie damals, als Königin Viktoria ihre gläsernen Pumps auf der Schlosstreppe verloren hatte und gut erzogene Prinzen noch wussten, was man damit anfängt.
Mit warmherziger Ironie haben Thomas Zaufke und Peter Lund im reichen Fundus von Grimm bis Disney – aber beileibe nicht nur dort – lustvoll geplündert und die bekannte Geschichte der Aschenmaid neu aufgebröselt. Quasi in der zweiten Generation gehen gleich vier »Cinderellas« der schwierigen Frage nach, wie man seinen eigenen Stern erkennt und wie man es bloß anstellt, ihm gegen alle wohlmeinenden Einmischungen zu folgen.
»Cinderella passt was nicht« war in der Kinder- und Jugendtheaterszene ein viel beachteter Erfolg aus der Werkstatt der Neuköllner Oper.

Aufführungsrechte: LITAG Theaterverlag München

Besetzung

Johanna Livia Wrede
Prinz Hamlet Simon Stockinger
Erna Beate Korntner
Heinrich Manuel Lopez
Gräfin Tita Patricia Nessy
Königin Viktoria Rebecca Soumagné
Aurora Frank Engelhardt
Pfandleiher Jakob Elsenwenger
Mäuse Jakob Elsenwenger, Beate Korntner, Simon Stockinger
Damenswing Jasmin Reif
Regie Werner Sobotka
Musikalische Leitung Patrick Lammer
Choreografie Nina Tatzber
Bühne Sam Madwar
Kostüme Elisabeth Gressel
Puppenbau und Coaching Richard Panzenböck
Fechtcoaching Martin Woldan
Licht Christian Holemy
Assistenz der musikalischen Leitung Bela Fischer jr.
Dramaturgie Sebastian von Lagiewski
Assistenz und Inspizienz Clemens Pötsch
Hospitanz Charlotte Morschhausen

Kritiken

Der Standard – 15.12.2017

"Cinderella passt was nicht": Das sozialistische Aschenputtel

In Peter Lunds und Thomas Zaufkes Musical im Theater der Jugend rückt eine Generation nach, die die Demokratie etabliert und neue Geschlechterbilder

Wien – Vom Aschenputtel der Gebrüder Grimm zu Peter Lunds und Thomas Zaufkes Musical "Cinderella passt was nicht" ist es ein gar nicht so weiter Weg. Er führt nur über zwei Revolutionen: den Wechsel der Regierungsform – vom Königreich zur Demokratie – und eine Genderdebatte – selbstbestimmtes Frauenbild und Queerness.

Wenn von "aristokratischen Schwachköpfen" die Rede ist oder vom neuen Sozialismus, dann zweifelt man zwar kurz, ob sich das Musical tatsächlich für ab Sechsjährige eignet. Aber jeder weiß, Kinder sind wissbegierig und stören sich meist kaum an Dingen, die sie eventuell noch nicht zur Gänze verstehen.

Um sich finanziell zu sanieren (Papa hat die Familie verlassen), plant Mutter (Patricia Nessy) die Ehe ihrer Tochter mit dem Prinzen (Simon Stockinger). Dabei zieht sie ihre leibliche Tochter (Beate Korntner) der pfiffigen Cinderella (Livia Wrede) entschieden vor. Cinderella hält auch nichts vom Heiraten und trägt am liebsten Holzfällerhemden.

Dass die Stiefmutter damit wider die wahre Liebe handelt, verzeiht man ihr erst, als sie aufgibt und ihr eigenes Kind dem Kammerdiener (Manuel Lopez) überlässt. Eine wahre Liebe, bei der es in Werner Sobotkas Inszenierung übrigens immer laut "Ping" macht. (...)

Indes steuert die burschikose Cinderella mithilfe ihrer Patentante, der Fee Aurora (Frank Engelhardt), über Umwege auf die berühmte Schuhprobe zu, die – Statement – statt mit Glitzerpumps mit Doc Martens absolviert wird.

Lichtspiel, Gesang (musikalische Leitung: Patrick Lammer) und Choreografie (Nina Tatzber) erfüllen alle Musical-Träume. Für Subtext und Sozialismus sorgt ein fabelhaftes, zotteliges Mäusetrio. Ab sechs Jahren.

Margarete Affenzeller


Online Merker – 14.12.2017

Theater der Jugend: Cinderella passt was nicht

(...) Cinderella war gestern. Die hat den Prinzen geheiratet und ist Königin geworden. Obwohl die Handlung in Mausehausen spielt (wir sind immer noch im Märchen), heißt eine Königin praktischerweise Victoria und nennt ihren Sohn "Prinz Hamlet", da weiß man, woran man ist. Die böse Schwester, die damals den kürzeren gezogen hat, war dann nicht so glücklich – der Mann, den sie geheiratet hat, hat sie mit einer aufmüpfigen Stieftochter und einer (nur einer, nicht zwei!) dümmlichen eigenen Tochter zurück gelassen. Um das Schicksal zumindest in der zweiten Generation zu korrigieren, soll ihre Tochter Erna nun den Prinzen Hamlet heiraten. Und die lästige Johanna, der dauernd etwas nicht passt, soll sehen, wo sie bleibt mit ihren radikalen Ansichten – das einzige, was Papa ihr zurückgelassen hat.

Nun, das wäre trotz Modernisierung die alte Geschichte, aber Lund hat sie besonders aufgeputzt: mit einer Fee Aurora, als welche Frank Engelhardtin Frauenkleidern erscheinen darf,(...). Er wäre jedenfalls der alleinige Liebling des Abends, hätte er nicht die starke Konkurrenz von drei Mäusen: Wie diese (Handpuppen – Puppenbau und Coaching: Richard Panzenböck) aus der Kiste kommen und kreischen und keifen und Frechheiten sprühen – das ist ein Vergnügen der besonderen Art. Allein mit Aurora und den Mäusen würde der Abend mit fliegenden Fahnen siegreich in die Zielgrade brausen.

Aber Regisseur Werner Sobotka, unterstützt von Choreographin Nina Tatzber, kann in einer passenden Ausstattung (Bühne Sam Madwar / Kostüme Elisabeth Gressel) auf eine glänzende Besetzung zurück greifen, die nicht nur tanzen und singen kann (...) und ihre modernen Versionen der Figuren auch köstlich spielt.

Das heißt, Mütter sind wohl immer gleich – und Patricia Nessy, die man ja eigentlich als Operettendiva (oder Aldonza) kennt, macht sich spürbaren Spaß daraus, die böse, intrigante, dabei urkomische Stiefmutter zu parodieren, Aber auch Rebecca Soumagné als das noch immer schüchterne Ex-Aschenbrödel, jetzt Königin Victoria, ist köstlich.

Ein zappeliger Prinz mit sozialistischen Ansichten (...) ist der schlaksige Simon Stockinger, einen witzigen Kammerdiener (eigentlich halb Maus!), der weiß, wie man sich bei den Mächtigen verhalten muss, gibt Manuel Lopez, und dass sich die blond-rosa-törichte Erna in ihn verliebt, glaubt man Beate Korntner sofort. Sie ist übrigens für eine Mäusestimme zuständig, Stockinger und Jakob Elsenwenger geben die anderen, ein akustisch ausgefeiltes Komiker-Trio vom Feinsten.

Bleibt die Heldin, ideal besetzt mit der jungen Livia Wrede, die trotzend, singend, tanzend, spielend das ideal-heutige Aschenbrödel ist – und weil wir's ja mit gläsernen Schuhen nicht mehr so haben, ist es diesmal ein Stiefel, der passen muss. Aber der Abend, dessen Gebrauchsmusik schmissig vom Tonband kommt (Musikalische Leitung: Patrick Lammer), ist absolut kein Stiefel…

Renate Wagner


KinderKurier Online – 14.12.2017

Bequemer Stiefel statt Glas-Stöckelschuh

„Cinderella passt was nicht“ als Musical nun im Theater der Jugend (Wien) spielt mit Märchen und vor allem Klischees.

„Es war einmal“ am Beginn sowie am Ende „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“ sind die Klammer praktisch aller Märchen. Doch, wie könnte es vielleicht anders gewesen sein? Oder was passierte nach dem Happy End? Dies interessiert das Duo Peter Lund (Text) und Thomas Zaufke (Musik). Nach „Grimm! Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf“ in der vorigen Saison begeistert nun „Cinderella passt was nicht“ als Musical im Wiener Renaissancetheater.

Humorvoll
Schwungvoll, mit viel Humor, nie verkrampft oder gar zwanghaft, manchmal vielleicht zu überspitzt und fast karikaturenhaft werden Klischees aufs Korn genommen. Johanna, die sicher nicht ganz zufällig vom Vornamen her an die französische Kämpferin Jeanne d’Arc (Johanna von Orléans) erinnert, ist sozusagen die Cinderella der nächsten Generation. Sie zieht es allerdings vor, sich selber eher im Keller zu verstecken, das Getue der Mutter und ihrer Schwester Erna, die so unbedingt einen Prinzen heiraten will, ist überhaupt nicht ihr’s. Sie hat ihren eigenen Kopf, hasst Rosa und Kleider sowieso. Bequeme Stiefel, die Halt geben, vor allem dabei, ihren eigenen Weg zu gehen – darauf steht sie. Die Schwester ist vor allem Opfer der Mutter. Die ist eine der Stiefschwestern von Aschenbrödel/-puttel/Cinderella und verarmt. Ihre Tochter soll den Sohn der wohlhabenden Cinderella heiraten, stellt sich allerdings mehr als übertrieben doof an.

Halbmaus
Doch auch im Hause der einst armen, dann zu Reichtum gekommenen, berühmt gewordenen Stiefschwester läuft nicht alles nach dem Plan der dortigen Mutter, also von Cinderella. Sohn Hamlet (!) setzt sich für die unterdrückten Untertanen, die in diesem Musical Mäuse sind – köstlich Hyronimus, Agathe und Wilhelm als Puppen aus der Kiste – ein, stellt überhaupt die Monarchie in Frage. Und tauscht mit seinem Kammerdiener Heinrich, einer Halbmaus, die Rollen. So soll die künftige Ehefrau getestet werden, ob sie nur auf die Kohle oder doch auf die Person steht.

Fee
Damit’s noch ein wenig verwickelter wird, taucht aus dem großen Spiegel eine Fee namens Aurora auf. (Aurora: römische Göttin der Morgenröte; aber auch Name jenes Panzerkreuzers der russischen Marine, von dem aus am 25. Oktober 1917 Signalschüsse für den Sturm auf das Winterpalais der Zaren in Petersburg gegeben wurden womit die Oktoberrevolution eingeläutet wurde.) Aurora sprengt alle verbreiteten Bilder einer Fee, ist eine alte Schachtel und klar erkennbar ein verkleideter Mann. Sie ist praktisch nur für Johanna sichtbar, will ihr helfen und stellt sich ziemlich gekonnt ungeschickt an.

Warum dümmlich?
Manches von dem was kommt, ist vorhersehbar. Erna und Heinrich verlieben sich ineinander. Zwischen Hamlet und Johanna beginnt’s zu funken. Dass die selbstbewusste, eigenständige junge Frau, die Wert darauf legt, ihren Kopf durchzusetzen, in diesen Momenten auf einmal dümmlich wird, ist weder verständlich noch entspricht’s der Absicht, Klischees zu durchbrechen!

Mäuse ja, Frauen nein???
Übrigens checkt der aufgeklärte Monarch, der sich für die Befreiung der Mäuse aus dem Untertanen-Dasein ausspricht, nicht, dass Mädchen und Frauen gleiche Rechte zustehen. Da bleibt er Macho vom alten Schlag. Deshalb will ihm Johanna – nun wieder Frau ihrer Sinne - eine Lektion erteilen und greift zu einer List. Sie verkleidet sich als männlicher Ritter. Bei ihrem Auftritt im Schloss von Hamlet verliert sie einen ihrer Stiefel – was kommt ist klar, auch wenn’s bis dahin noch einige witzige Verwicklungen braucht.
Die zwei Stunden (eine Pause) vergehen wie im Flug. Dafür ist viel Humor ebenso verantwortlich wie gut gesungenen Lieder und die schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles, wenngleich manche Figuren sich ein bisschen weniger karikaturenhafte Zeichnung verdient hätten.

Heinz Wagner


Kronen Zeitung – 21.12.2017

Zauber des Märchens

Mit der schrägen Märchenadaption "Cinderella passt was nicht" im Renaissancetheater transportieren Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text) die Figuren aus den altbekannten Aschenputtel-Versionen von Grimm bis Disney in die Gegenwart und jonglieren lustvoll mit antiquierter Märchenmoral, verstaubten Geschlechterrollen und dem Konflikt der Generationen.

Die berühmte Geschichte eines armen Mädchens, das einen reichen Prinzen mit ihrer Schönheit und ihrem Charme verzaubert, ist eine zeitlose Geschichte, die Jung und Alt gleichermaßen seit Jahrhunderten fasziniert. Das Theater der Jugend zeigt die neue Produktion für alle ab 6 Jahren bis 29. Jänner 2018, in der Thomas Zaufke und Peter Lund die bekannte Story komplett neu adaptiert haben. Ob dies schon für 6-Jährige wirklich nachvollziehbar und verständlich ist, sei dahingestellt.

Ansonsten gelingt Regisseur Werner Sobotka eine durchwegs schmissige Interpretation (...). Hervorragend Sam Madwars Bühne sowie die schauspielerischen Leistungen von Livia Wrede als Johanna, Beate Korntner als Erna, Patricia Nessy als Gräfin Tita, Rebecca Soumagné als Königin Viktoria, Simon Stockinger als Prinz Hamlet, Manuel Lopez als Heinrich und Frank Engelhardt als Aurora.

Florian Krenstetter


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu "Cinderella passt was nicht" bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf phantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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