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Krieg der Welten 11 +

nach H.G. Wells
von Jethro Compton
Deutsch von Birgit Kovacsevich

Stückinfo

Ort: Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Zeitraum: 25. Mai 2021 - 20. Juni 2021
Premiere: 27. Mai 2021
Dauer: 02:05
Regie: Jethro Compton

»Wenn wir den Krieg nicht beenden, wird der Krieg uns beenden.«

H.G. Wells

Wer von uns hat sich beim überwältigenden Blick in den nächtlichen Sternenhimmel nicht schon einmal die Frage gestellt: Sind wir alleine im Universum?
1898 formulierte der britische Autor H.G. Wells seine ganz spezielle Version einer Antwort, und sie ist ebenso eindeutig wie beunruhigend: Nein, wir sind nicht allein, und nein, sie kommen auch nicht in Frieden, sondern als Eroberer. An den BewohnerInnen des Blauen Planeten sind sie nicht interessiert, viel eher an seinen Ressourcen. Kaum auf der Erde angekommen, beginnen die Außerirdischen einen beispiellosen Vernichtungsfeldzug, dem die Menschen absolut nichts entgegenzusetzen haben – denn die Eindringlinge haben bei der Entwicklung ihrer Kriegsmaschinen von den entsetzlichen Erfindungen der Erdlinge gelernt und sind uns mittlerweile technisch haushoch überlegen.
In dieser Situation, die über Nacht über die Welt hereinbricht, findet sich auch eine Gruppe höchst unterschiedlicher junger Menschen plötzlich wieder. Gemeinsam begeben sie sich auf eine verzweifelte Flucht, die nur ein Ziel kennt: zu überleben. Um überhaupt eine Chance zu haben, der angreifenden Übermacht zu entkommen, müssen sie jedoch zusammenarbeiten und Feindschaften, die eben noch unüberwindbar schienen, hinter sich lassen. Ein Unterfangen, das sich selbst dann als schwierig erweist, wenn das eigene Leben davon abhängt…
Der weltberühmte Roman, entstanden als kraftvolle Metapher für die britische Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts, ist in Zeiten globaler Katastrophen, die der Kooperation der gesamten Menschheit über alle ideologischen Gräben hinweg bedürfen, von erschreckender Aktualität – stellt Wells doch darin die unendliche Selbstgefälligkeit menschlichen Denkens einer unumstößlichen Wahrheit gegenüber: Hybris kommt vor dem Fall.


Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien

Besetzung

Amira Soffi Povo
Julia Johanna Hainz
Laura Maria Astl
Adam Enrico Riethmüller
Soldat Valentin Späth
Botaniker Uwe Achilles
in weiteren Rollen Ensemble
Regie Jethro Compton
Bühne Diana Zimmermann
Kostüme Andrea Bernd
Licht Lukas Kaltenbäck
Musik Jonny Sims
Dramaturgie Sebastian von Lagiewski
Assistenz und Teilinspizienz Charlotte Morschhausen
Teilinspizienz Eva Maria Gsöllpointner
Hospitanz Lisa Rodlauer

Kritiken

Wiener Zeitung – 01.06.2021

"Krieg der Welten": Keiner kommt hier lebend raus

Das Theater der Jugend hat den Sci-Fi-Klassiker furios aktualisiert.

Angriff der Marsianer auf das Theater im Zentrum! Die Innenstadt-Dependance des Theaters der Jugend hat H. G. Wells Sci-Fi-Klassiker "Krieg der Welten" (1898) auf den Spielplan gesetzt. Der Roman, eine Satire auf die britische Kolonialpolitik, handelt davon, dass das irdische Militär außerirdischen Invasoren hoffnungslos unterlegen ist.

Der britische Regisseur Jethro Compton, seit einigen Jahren Fixstarter im Theater der Jugend, hat die Vorlage bearbeitet und gegenwartstauglich gemacht: In Comptons Fassung landen die Marsianer in naher Zukunft in Wien Landstraße, sie wollen die Erde indes nicht ausbeuten, sondern vielmehr vor der Gier der Menschheit bewahren. An die Stelle des Icherzählers rücken drei Freundinnen (Soffi Povo, Johanna Hainz und Maria Astl), die inmitten der Apokalypse zusammenhalten. Comptons Fassung weist über den Roman hinaus: Eine der Figuren ist aus dem syrischen Kriegsgebiet geflohen, ihre Fluchterfahrungen werden gekonnt mit der Romanhandlung verwoben.

Bühnenabenteuer

Im zurückgenommenen Bühnenbild von Diana Zimmermann stellt sich die bedrohliche Atmosphäre vor allem durch dramatische Lichtstimmungen und hollywoodtaugliche Bühnenmusik von Jonny Sims ein, die Kostüme von Andrea Bernd verorten die sechs Darsteller in der Gegenwart. Regisseur Compton versteht es, das Ensemble kompakt durch das zweistündige Bühnenabenteuer zu lotsen. Chapeau.

Petra Paterno


kijuku.at – 03.06.2021

Zwei Klassiker erleben Zeitreisen: „Tom & Huck“ sowie „Krieg der Welten“

Theater der Jugend eröffnete Rumpf-Saison mit Adaptierungen alter, bekannter Romane und Stoffe.

Mit zwei hauseigenen Zeitreise-Adaptierungen klassischer Roman startete das Wiener Theater der Jugend seine Nach-Corona-Rumpfsaison sowohl für Jugendliche als auch für Kinder – und Erwachsene.

Der junge britische Regisseur Jethro Compton, der schon einige Jahre regelmäßig fürs Theater der Jugend klassische Stoffe bearbeitet, hat H.G. Wells‘ „Krieg der Welten“ ins hier und heute übertragen. Der brutale Angriff der Marsianer wollte im Kern schon seinerzeit (veröffentlicht am Ende des 19. Jahrhunderts) die Erde vor der Zerstörung durch Menschen retten. Diese Facette wird in der aktuellen Inszenierung noch verstärkt. Das Trio jugendlicher Mädchen, das Compton (Deutsch von Birgit Kovacsevich) den männlichen Ich-Erzähler bei Wells ersetzt, überlebt auf der Flucht letztlich nur dadurch, dass sie Orchideen bei sich tragen – davor schrecken die Angreifer zurück.

Zweites Überlebens-Elixier von Amira (Soffi Povo), Julia (Johanna Hainz) und Laura (Maria Astl) ist ihr Zusammenhalt. Nur gemeinsam schaffen sie’s. Dabei war ihre Ausgangs-Situation genau das Gegenteil. Laura riss Amira das Tuch vom Kopf. Julia als Möchtegern-Vermittlerin fühlte sich immer und überall als die moralisch Überlegene.

Diese Inszenierung ist rundum gelungen: Vom Setting, in dem die Aktualisierungen inklusive Erinnerungen Amiras an ihre eigene Flucht aus Syrien sich organisch in die Geschichte einfügen, über das Schauspiel (auch in den Nebenrollen: Enrico Riethmüller, Valentin Späth und Uwe Achilles) die Laubblätter-Bühne (Diana Zimmermann), Kostüme (Andrea Bernd) Licht (Lukas Kaltenbäck) und Musik (Jonny Sims).

Heinz Wagner


mottingers-meinung.at – 02.06.2021

Im Garten Erde schmarotzt der Parasit Mensch

„Der Krieg der Welten“ ist als 1898 veröffentlichte Dystopie von H. G. Wells ein Klassiker der Sci-Fi-Literatur. Legendär auch das Hörspiel von Orson Welles, die fiktive Reportage über den Alien-Angriff, der zu Halloween 1938 eine Massenpanik und die höchst zeitgemäße Frage nach der Medien Kompetenz und Verantwortung auslöste. Verfilmungen gibt’s en masse, Stephen Spielberg mit Tom Cruise, Roland Emmerichs Wells-Hommage „Independence Day“, die Satire „Mars Attacks!“ von Tim Burton … Mark Slee machte aus dem Stoff eine Mockumentary, die einen Angriff von Marsianern nach Wells‘schem Vorbild als Alternativszenario zum Ersten Weltkrieg entwarf. Nun also eine Uraufführung im Theater der Jugend. Regisseur Jethro Compton hat entlang der Vorlage eine neue Bühnenfassung erarbeitet, übersetzt von Birgit Kovacsevich, in der die Außerirdischen nicht mehr landen, um Ressourcen zu plündern, sondern um diese zu bewahren. Das erfährt man am Ende dieser Aufführung, die die großen Themen dieser Tage auf einwandfreie Weise zu verbinden weiß.

Von der Flüchtlings- zur Klima- zur Regierungskrise, von Entsolidarisierung zu Individualisierung zu Ignoranz, Covid-19, die pandemische Plage. Der weltberühmte Roman, entstanden als kraftvolle Metapher über die britische Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts, ist in Zeiten globaler Katastrophen, die der Kooperation der gesamten Menschheit über alle ideologischen Gräben hinweg bedürfen, von erschreckender Aktualität, stellt Wells doch darin die nicht enden wollende Selbstgefälligkeit menschlichen Handelns einer unumstößlichen Wahrheit gegenüber: Hybris kommt vor dem Fall.

Beim britischen Theatermacher Compton sind es nun drei Teenagerinnen im dritten Wiener Bezirk, die mit der Invasion aus dem All konfrontiert werden: Johanna Hainz spielt eine Art Fridays-For-Future-Aktivistin, Julia, die von der Sorge um den ökologischen Fußabdruck ihrer Vielflieger-Mutter umgetrieben wird. In die Fußstapfen ihres xenophoben Vaters tritt Maria Astl als Laura, an der der Text großartig die ererbten Vorurteile samt deren Widersprüchlichkeiten durchdekliniert: „Die Ausländer sind allesamt arbeitsscheue Sozialschmarotzer“ vs. „Die Ausländer nehmen uns Österreichern die Arbeitsplätze weg“.

Kein Wunder, dass die Wutbürgerstochter in Streit mit der von Soffi Povo dargestellten Amira gerät, ein muslimisches Mädchen, das von den Eltern aus einem Kriegsgebiet auf die lange Reise ins sichere Europa geschickt wurde. Amira mit ihrer Flucht- und Kriegserfahrung, so wird man noch sehen, ist einerseits traumatisiert, aber andererseits eine, die sich bedrohlichen Situationen auszusetzen, zu widersetzen weiß. Enrico Riethmüller, Valentin Späth und Uwe Achilles bestreiten alle weiteren Rollen, Soldat und Schuldirektorin, einen Botaniker, den geheimnisvollen Adam, Fernseh- und Radioreporter, NASA-Wissenschaftler, vor allem auch als Wells-Welles’sche Erzähler …

Es kommt zum Angriff, den Laura sofort als einen islamischen deklariert. Der Stephansdom wird zerstört, und ganz fabelhaft ist, wie die auf der Bühne natürlich „unsichtbare“ Gefahr mittels Licht- und Soundeffekten, „Stimmen“ wie griechisch-migrantenfeindliche Schallkanonen, dem Publikum durch Mark und Bein fährt – Bühne: Diana Zimmerman, Licht: Lukas Kaltenbäck, Musik: Jonny Sims, Kostüme: Andrea Bernd. Dass die Marsianer die Menschen via der GPS-Systeme ihrer Smartphones ausmachen, um sie alsdann auszuradieren, die Protagonistinnen die ihren aber dennoch nicht von sich schmeißen, macht einen fast lachen. Es gibt in der Pause keinen unter Dreißig, der nicht am Mobilgerät daddelt. Generation Handy, halt.

Im Military-Setting, zwischen Camouflage-Netzen und olivgrünen Schutzkoffern treffen die drei jedenfalls auf Valentin Späth als sinistren, Befehle bellenden Soldaten, dem Amira unterstellt, sein eigenes Süppchen zu kochen, später und ausgerechnet in einer Kapelle auf Enrico Riethmüller als Adam. Statt Solidarität gibt’s Streit unter den Parteien, die stets misstrauische Amira krankt an Flashbacks vom Verlust ihrer kleinen Schwester über den Budapester Bahnhof 2015 bis Traiskirchen, die zugestaute A1 Richtung Linz ist von den Maschinen menschenleer gemacht worden – und plötzlich müssen alle Beteiligten erkennen, wie klein ihre Streitereien gegen diesen numinosen Horror sind.

Man landet im Gewächshaus des Botanikers Uwe Achilles, und siehe: die Aliens rücken gegen dessen Orchideenzucht nicht vor. Der Mensch ist der Feind von Fauna und Flora, und die beiden übernehmen. Blumen statt Asphalt lautet bald das Motto. Das alles ist spannend, duster, eindrücklich. Beim Aufstand gegen die Maschinen gibt es das eine oder andere Menschenopfer. Die Dystopie des Originals hat sich um 180 Grad gedreht: Im Garten Erde sind wir die Parasiten, und die Aliens angerauscht zum Umwelt-, zum Artenschutz. Jethro Compton statuiert ein Exempel über das, was wir für selbstverständlich halten.

Es zeigt sich, ohne zu spoilern und wie in der Regel, dass das Problem ein hausgemachtes ist. Der Kreis schließt sich im „Dschungel“ von Calais, jener menschenunwürdigen Zeltstadt, in der Flüchtlinge auf eine bessere Zukunft hoffen. Das sichere Europa … mehr Science Fiction ist kaum mehr möglich, und das Theater der Jugend macht diese Zustände ohne erhobenen Zeigefinger greifbar. Was bleibt zu sagen? Dass dieser Produktion viele Zuschauerinnen und Zuschauer (ab 11 Jahren) zu wünschen ist, und dass diese es einmal besser machen werden. Menschsein ist Work in Progress. Arbeiten wir daran.

Michaela Mottinger


Materialien

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Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmxpc2EuYnJhbWVzaHViZXJAdGRqLmF0]

Termine

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