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Der überaus starke Willibald 6 +
von Willi Fährmann
in einer Bühnenfassung von Sebastian von Lagiewski
Stückinfo
| Ort: | Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien |
|---|---|
| Zeitraum: | 11. Dezember 2025 - 25. Januar 2026 |
| Premiere: | 16. Dezember 2025 |
| Dauer: | 02:00 inkl. Pause |
| Regie: | Sebastian von Lagiewski |
»Das Geheimnis der Macht besteht darin: zu wissen, dass andere noch feiger sind als wir.«
Ludwig Börne
Alles könnte so schön sein im grauen Haus. Wenn gerade nicht gefuttert wird, vertreibt sich das kleine Mäuserudel die Zeit mit allerlei lustigen Spielen, und wenn es was zu entscheiden gibt, dann wird gemeinsam beraten und abgestimmt. Doch mit dem Mäuseidyll ist es schnell vorbei, als eines Nachts die Tür zum Garten offen steht und sich das Gerücht verbreitet, eine gefräßige Katze würde ihre Runden drehen. Wenn Angst und Unsicherheit um sich greifen, dann ist das wohl die Stunde für Willibald!
Denn Mäuserich Willibald ist nicht nur überaus stark und hungrig, sondern auch ebenso machtdurstig. Geschickt nutzt er, gemeinsam mit seinem überaus schlauen Compagnon Josef, die aufkeimenden Sorgen im Rudel, um alle nach seiner Pfeife tanzen zu lassen. Von nun an unterstehen die Aktivitäten der Mäuseschar einzig und allein dem Sicherheitsgedanken. Anstatt zu spielen, wird von früh bis spät gearbeitet und trainiert, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Widerspruch kann Willibald naturgemäß nicht dulden, nagt dieser doch allzu sehr an seiner privilegierten Vormachtstellung – immerhin er lebt in der neuen Ordnung wie die Made im Speck. Das bekommt auch die junge Albinomaus Lili deutlich zu spüren, als sie aufgrund ihres schneeweißen Fells zur Feindin des Rudels erklärt und in die Bibliothek verbannt wird. Dort angekommen, muss sie feststellen, dass auch unter Mäusen erst das Fressen kommt, und dann die Moral. Aber der Fluch entpuppt sich als wahrer Segen, entdeckt Lili in ihrem einsamen Exil doch unzählige Welten in den vielen Geschichten im Bücherregal – Auch über Tyrannen und wie man ihnen entgegentreten kann, erfährt die frischgebackene Leseratte hier allerhand. Doch wie setzt man das neugewonnene Bücherwissen in die Tat um? Und wie bringt man den Rest des Rudels dazu, den uneingeschränkten Boss Willibald als das zu entlarven, was er ist?
Dem mehrfach – unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis – ausgezeichneten Autor Willi Fährmann gelingt mit dieser 1983 veröffentlichten Fabel ein berührendes und kraftvolles Plädoyer für Freundschaft, Loyalität und den Mut, auch im Falschen das Richtige zu tun.
Aufführungsrechte: Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Berlin
Besetzung
| Lili | Lara Haucke |
| Willibald | Sebastian Pass |
| Josef | Valentin Späth |
| Philipp | Sebastian von Malfèr |
| Friederike | Shirina Granmayeh |
| Georg | Leon Lembert |
| Karin | Beate Korntner |
| Regie | Sebastian von Lagiewski |
| Bühnenbild | Ulv Jakobsen |
| Kostümbild | Irmgard Kersting |
| Licht | Christian Holemy |
| Dramaturgie | Sarah Caliciotti |
| Hospitanz | Emma Hirt |
Kritiken
Der Standard – 18.12.2025"Der überaus starke Willibald" im Theater der Jugend zeigt, wie Diktatur geht
Sebastian von Lagiewskis rundum geglückte Bühnenadaption von Willi Fährmanns Kinderbuch begeistert mit einer exemplarischen Mäusemachtergreifung
"Ein Boss, ein Haus, ein Rudel" – der Slogan der beiden Chefmäuse Willibald und Josef verheißt nichts Gutes, ist er doch (soweit die Info für die Erwachsenen) an die autoritär-nationalistische Losung der Nazis ("Ein Volk, ein Reich, ein Führer") angelehnt. Dass die zwei ihn im Mund führenden Mäuse keine Sympathieträger sind, wird aber auch für die jungen Besucherinnen und Besucher im Theater der Jugend bald klar. Denn innerhalb einer Gruppe von netten Hausmäusen reißen die zwei heimtückisch die Macht an sich. Sie setzen den alten Mauspräsidenten ab, verbreiten Angst mit einer erfundenen Katze und fangen an, die anderen zu knechten.
Mäuse-Mitläufertum
Sebastian von Lagiewski hat das Kinderbuch Der überaus starke Willibald des deutschen Autors Willi Fährmann (1929–2017) für die Bühne adaptiert und herzerwärmend wie aussagekräftig als Diktatur-Erklärstück inszeniert. Das Renaissancetheater wechselt dafür in die Mäuseperspektive. Eine gigantische Steckdose an der Wand oben und riesige Gläser eingemachter Weichseln machen die Nagetiersicht deutlich (Bühne: Ulv Jakobsen). Bald ist das soziale Gefüge vom bösen Mäuseduo unterwandert, wobei Willibald (Sebastian Pass) nicht der hellste ist und von Josef (Valentin Späth) instrumentalisiert wird. "Subversiv" interpretiert er als "superfies".
Mitläufertum, Propaganda, Unterwerfung werden als Thema selbst für Sechsjährige verständlich. Und Mut. Denn einzig die wegen ihres weißen Felles ausgegrenzte Lili-Maus (Lara Haucke) traut sich dagegen zu reden. Sie hat sich zuvor in der Bibliothek schlau gemacht. Hinreißend schwenken die Nager mit ihren Schwänzen (Kostümbild: Irmgard Kersting), trauern um ihre zu Tode gekommenen Ahnen (um "Ferdinand, den Flachen") oder um die einst beste Klettermaus ("Reinhold Mausner"). Bestes unweihnachtliches Stück für die Weihnachtstage.
Margarete Affenzeller
Materialien
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