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Spielplan 2017/2018

Hamlet 13 +

nach William Shakespeare
in der Übersetzung und Bühnenfassung von Thomas Birkmeir

Stückinfo

Ort: Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien
Zeitraum: 07. April 2018 - 05. Mai 2018
Premiere: 10. April 2018
Dauer: 02:40
Regie: Thomas Birkmeir

»Wie ekel, schal und flach und unersprießlich
Scheint mir das ganze Treiben dieser Welt!
Pfui, pfui darüber! ’s ist ein wüster Garten,
Der auf in Samen schießt; verworfnes Unkraut
Erfüllt ihn gänzlich.«

William Shakespeare. Hamlet

Der Mensch im aufgeklärten Widerstands-Modus: das ist Hamlet. Wie wir spätestens seit »House of Cards« oder »Game of Thrones« wissen, ist jedes staatstragende Drama auch ein Drama der Familie, der vermeintlichen Freunde und Feinde, der unerfüllten Hoffnungen und der ehrgeizigen Pläne.
Von seinem Studium im Ausland zurückgekehrt, muss der junge Dänenprinz aufs elterliche Schloss eilen, um seinen Vater zu beerdigen. Doch am übrigen Hof scheint die Trauer nicht allzu groß: Hamlets Mutter Gertrude ist lieber Braut als Witwe, heiratet ihren Schwager Claudius und besetzt frisch wiedergekrönt den alten Thron. Und als wäre all das nicht schon genug, taucht plötzlich der angebliche Geist des verstorbenen Vaters auf, bezichtigt Claudius des Mordes und verlangt Vergeltung für sein unfreiwilliges Abdanken.
Tief getroffen und emotional verwundet ist Hamlet nicht der klassische Actionheld auf Rachefeldzug. Einer Gespenstergeschichte glauben und zum Königsmörder werden oder sich den politischen wie familiären Intrigen im Überwachungsstaat Dänemark wehrlos ergeben? – Sackgassen, wohin man sich auch wendet.
Was nun beginnt, ist ein Vexierspiel um Ränke und Intrigen. Wir werden Zeugen der schwierigsten Momente auf dem Weg erwachsen, also selbstbestimmt zu handeln. Dabei gibt es meist keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme, denn der Weg zur Wahrheit ist selten ein direkter. Das muss Hamlet erkennen. Und daran kann man schon mal verzweifeln.
All dies wusste ein gewisser William Shakespeare schon vor langer Zeit und hielt es in seinem bereits zu Lebzeiten wohl berühmtesten Drama fest. Und er wusste auch, dass sich »Geschichte« teilweise auf widerwärtige Weise wiederholt…

Aufführungsrechte: Theater der Jugend, Wien

Besetzung

Hamlet Jakob Elsenwenger
Claudius / Geist Jürgen Heigl
Gertrude Felicitas Franz
Ophelia Aline-Sarah Kunisch
Polonius Frank Engelhardt
Horatio Pascal Groß
Laertes Okan Cömert
Rosenkranz / Bernardo Tomas Rabbering
Güldenstern Kaj Louis Lucke
In weiteren Rollen Ensemble
Regie Thomas Birkmeir
Bühne Vanessa Achilles-Broutin
Kostüme Irmgard Kersting
Licht Lukas Kaltenbäck
Kampfcoach / Fechttraining Martin Woldan
Dramaturgie Brigitte Auer
Assistenz und Inspizienz Felix Metzner
Hospitanz Charlotte Morschhausen

Kritiken

Kurier – 12.04.2018

Sein oder nicht sein im Staate Punkt Punkt Punkt

Shakespeares "Hamlet" am Theater der Jugend zu spielen, ist eine gute Idee. Hamlet ist DER Pubertierende der Literaturgschichte. (...) Es dürfte vielen jungen Zuschauern nicht schwerfallen, sich mit Hamlet zu identifizieren - zumal er hier von Jakob Elsenwenger ganz großartig mit der unsterblichen und doch so verletzlichen Kraft der Jugend ausgestattet wird.

(...) Danach folgt ein flotter, gut getexteter, schön inszenierter, moderner, aber nicht unbedingt unkonventioneller Hamlet, der vor allem von den ausgezeichneten Schauspielerleistungen lebt. Jakob Elsenwenger ist ein hinreißender, von Hormonen gebeutelter Hamlet. Aline-Sarah Kunisch ist eine ebensolche Ophelia (die Wahnsinns-Szenen sind großartig!).

Felicitas Franz spiel die Königin Gertrude virtuos als zerrissene Persönlichkeit (...). Jürgen Heigl spielt diesen Realpolitiker von einem König großartig aasig. Frank Engelhardt zeigt Polonius als geschickten Opportunisten, Tomas Rabbering (Rosenkranz) und Kaj Louis Lucke (Güldenstern) sind Mitläufer, die zu Tätern werden. Okan Cömert (Laertes) und Pascal Groß (Horatio) sind ebenfalls sehr gut. Schönste Szene des Abends ist das Theater im Theater, das hier als drastisch-komisches Puppenspiel dargestellt wird.

(...) Der letzte, der noch stehen kann (Horatio), setzt sich die Krone auf, und der Rest ist nicht Schweigen, sondern verdienter Jubel.

Guido Tartarotti


Kronen Zeitung – 18.04.2018

Weltliteratur für Kinder

Das Theater der Jugend traut sich, Shakespeares berühmtes Meisterwerk über Wahrheit, Liebe und Verrat auf die Bühne des Renaissancetheaters zu bringen. Ein "Hamlet" fürs junge Publikum aufbereitet, aktualisiert und neu übersetzt. "Widerstand üben" lautet das Jahresmotto des Theaters der Jugend.

Intendant Thomas Birkmeir beweist mit seiner Inszenierung, dass er das Motto sehr ernst nimmt und lässt das Stück für Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene in einer spannenden und jugendgerechten Nacherzählung zu neuem Leben erwachen.

(...) Jakob Elsenwenger hat in der Titelrolle einen großen Auftritt und kommt hier als gleichwohl zarter wie verschrobener "angry young man" bestens zur Geltung. Er ist ein eindrucksvoller, moderner Hamlet und wirkt sehr authentisch. Vieles scheint leicht, spontan und gar nicht einstudiert - so wie im echten Leben. Als überzeugende Partnerin jugendlicher Beziehungsdiskussionen steht ihm als Ophelia Aline-Sarah Kunisch glaubwürdig zur Seite. Fulminant Jürgen Heigl (Claudius / Geist) und Frank Engelhardt als Polonius.

Thomas Birkmeirs Fassung von Hamlet ist gelungen. Überzeugend. Es wimmelt von Details, zahlreichen gut durchdachten Kleinigkeiten, die den Zuschauer immer wieder zum Schmunzeln bringen. Besonders glänzt das Stück aber durch die souveräne Besetzung.

Florian Krenstetter


Wiener Zeitung – 14.04.2018

Liebe - ein Cocktail der Hormone

(...) Thomas Birkmeir beschied sich nicht mit einer Aktualisierung im Design – einen "Hamlet im Frack" gab es in Wien schon 1926 im Volkstheater. Dem originalen Handlungsstrang entlang (neben Don Quichotte der einzige in der Neuzeit fixierte Mythos) schrieb er seinen eigenen "Hamlet". Wenig alter Text ist mit viel Neusprech durchsetzt, im gewohnten Rhythmus der Verse. Das Königspaar Claudius-Gertrude stellt sich, arrangiert vom Spindoctor Polonius, wie bei einem Pressetermin vor den Kameras vor. Wird Ophelia gefragt, ob sie noch Jungfrau seit, ruft Hamlet dazwischen: "Wen geht’s was an!" Sein aufgeklärtes Ich erklärt der Prinz so: "Wir sind determinierte Biomaschinen." Ein SMS an Ophelia signiert er mit "Maschine Hamlet" (Heiner Müller lacht im Grab). Keine Belohnung sei zu erwarten von einem Lieben Gott. Seine Mutter: bloß Spenderin einer Eizelle. Die Liebe? "Ein Cocktail von Hormonen".

(...) Wäre nicht Birkmeir als Regisseur dem Autor Birkmeir beigesprungen, bliebe viel Neuerungskrampf im Fokus. Doch auf der Bühnenschräge, mit nichts als rasch beweglichen Vorhängen, rollt von der ersten bis zur letzten Szene Action ab. Wächter mit Kalaschnikow. Hamlet erschießt Polonius mit einem Revolver. Eine wunderbare Blüte aufwandlosen Theaters: Die Verfolgungsjagd durch einen Wald rasch bewegter Vorhänge.

(...) Jakob Elsenwenger, dieser wirklich junge Hamlet mit flinken blauen Augen und Sprungfederkraft, ist ein Selbsthelfer von unten; kein nobler Mythenzauber trägt ihn, der ist weggeräumt. Empfindsam, doch durchsetzungsfähig ist dieser Typ, ergebnisorientiert auf Rache aus! Ihm fehlt alle deutsche Melancholie – die freilich nur so alt ist wie die Übersetzungskunst in der Romantik von Schlegel-Tieck. (...)

Hans Haider


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu »Hamlet« bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf phantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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