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  • Grimm! Grimm!
 

Spielplan 2016/2017

Grimm! - Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf 6 +

Musik von Thomas Zaufke
Text von Peter Lund

Stückinfo

Ort: Renaissancetheater, Neubaugasse 36, 1070 Wien
Zeitraum: 14. Februar 2017 - 11. März 2017
Premiere: 16. Februar 2017
Dauer: 02:05
Regie: Werner Sobotka

»Das was wir tun
was wir verschweigen
was wär so schrecklich
es allen zu zeigen?
Wenn jeder von uns
den Mut endlich fände
fänd dieses Märchen vielleicht
ein besseres Ende…«

Thomas Zaufke und Peter Lund. Grimm!

Es war einmal ein Mädchen mit dem Namen… Halt! »Rotkäppchen« hat ihren Spitznamen gründlich satt! Denn, wer will schon so heißen wie ein giftiger Pilz, nach dessen Genuss man sich mindestens zweimal übergeben muss? In Wirklichkeit heißt »Rotkäppchen« nämlich Dorothea, und Dorothea ist alles andere als angepasst und niedlich…
Und weil es besonderen Spaß macht, etwas zu tun, was ihr alle anderen in ihrem kleinkarierten Dorf verbieten, nämlich in den »Dunklen Wald« zu gehen, ist es genau das, was Dorothea will! Dort soll ein gefährlicher, böser, zähnefletschender und durch und durch unsympathischer Wolf namens »Grimm« hausen…
Das Leben ist erstens dazu da, dass man seine brennende Neugierde stillt, und zweitens natürlich, um Abenteuer zu überleben, die man später seinen Enkeln erzählen kann. Selbstverständlich wandert Dorothea deshalb schnurstracks in den Wald hinein. Koste es, was es wolle – und sei es ihr Leben!
Und siehe da – Überraschung – Grimm, der Wolf, ist nicht nur hypersensibel und kennt sich gut mit der Psyche der Frauen aus, er ist auch noch ziemlich gutaussehend… Aber, er hat eine ganz eigene Geschichte; eine Geschichte, die so ganz und gar nicht zu dem passen will, was Dorothea schon als kleines Kind ständig eingebläut wurde… Hallo? Hier stimmt was nicht! Hier muss gehandelt werden!
Was wäre, wenn all die Geschichten über das Fremde und Unbekannte nur erstunken und erlogen sind? Wenn wir nur vorurteilsfrei und vorbehaltlos aufeinander zugingen? Vielleicht ist der »Andere« wesentlich netter als der eigene Onkel…?
Das vielfach prämierte Musical des Erfolgsduos Thomas Zaufke und Peter Lund stellt unsere Denk-Welt schwungvoll auf den Kopf. Musikalisch in die unterschiedlichsten Rhythmen verpackt, erzählt »Grimm!« von der unbegründeten Angst vor allem »Fremden«, von Toleranz und dem Mut eigene Wege zu gehen.

Eine Kooperation mit der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Abteilung für Musikalisches Unterhaltungstheater, 2. und 3. Jahrgang

Aufführungsrechte: Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Berlin

Besetzung

Dorothea, genannt Rotkäppchen Florine Schnitzel
Grimm, ein junger Wolf Lukas Weinberger
Oma Eule Enny Alejandra Grijalva Villalobos
Schweinchen Wild Katharina Gorgi
Sultan, der alte Hofhund Thomas Wagenhammer
Rex, sein Sohn Alexander Ernst Doevendans
Raphael Groß
Schweinchen Schlau Kaj Luis Lucke
Schweinchen Dicklinde Diana Schniererova
Schweinchen Didi Lukas Müller
Alexander Rapp
Gisela Geiss, alleinerziehende Mutter Alexandra-Yoana Alexandrova
Geisslein Katharina Gorgi
Geisslein Enny Alejandra Grijalva Villalobos
Geisslein Martina Pallinger
Lisa-Marie Rettenbacher
Geisslein Celina dos Santos
Inés Vogt
Regie Werner Sobotka
Musikalische Leitung Michael Schnack
Choreographie Simon Eichenberger
Bühne Karoline Hogl
Kostüme Elisabeth Gressel
Licht Christian Holemy
Dramaturgie Wolfgang Türks
Assistenz und Inspizienz Eva Maria Gsöllpointner
Dance Captain Lisa-Marie Rettenbacher
Hospitanz Fabiola Eröd

Kritiken

Der Standard und derstandard.at – 21.02.2017

"Grimm!": Schwein sein, beieinander bleiben

Märchenklassiker werden auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft und entpuppen sich als Gerüchte einer tierischen Dorfgemeinschaft

Endlich Schluss mit den Märchen! Die pubertierende Dorothea (Florine Schnitzel) hat im Renaissancetheater genug von den Geschichten über den bösen Wolf und von ihrem Spitznamen Rotkäppchen. Viel lieber möchte sie den verbotenen Wald erkunden und stößt dabei sogleich auf Grimm (Lukas Weinberger). Der junge Wolf in Lederkluft hat jedoch auch so einige Horrorerzählungen über die Spezies Mensch gehört. Im Musical von Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text) werden Märchenklassiker auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft und entpuppen sich als Gerüchte einer tierischen Dorfgemeinschaft. Gisela Geiss (Alexandra Yoana Alexandrova) ist beispielsweise eine sitzengelassene Ziegenmutter mit vier – statt sieben! – Geißlein. Unter der Regie von Werner Sobotka wird nun auch im Theater der Jugend mit Grimm! die "wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf" erzählt. Da bleibt auch das klassische Märchen-Happy-End aus. Am Ende liegt es am jungen Publikum selbst, dass sich dieses einlöst.

Schweinische Natur

Sobotka hat ein charmant-witziges Ensemble zusammengestellt. Die heimlichen Helden sind hier schweinischer Natur. Das Wildschwein (Katharina Gorgi) und Dicklinde (Diana Schniererova) werden zum Traumpärchen und überschreiten mit ihrer Liebesbeziehung nicht nur die Wald-Dorf-Grenze. Zum sprichwörtlichen Wolf im Schafspelz wird Schweinchen Schlau (Kaj Luis Lucke): Dieses spekuliert auf das Amt des Bürgermeisters und verbreitet deshalb in Trump-Manier ("Make the Dorf great again!") Lügen über das Gebiet hinter der Dorfgrenze. US-Politik im Märchengewand: Die Waldbewohner rund um Oma Eule (Enny Alejandra Grijalva Villalobos) tragen Mexiko-Flaggen (Kostüm: Elisabeth Gressel). Dazu liefern eingängige Gesangseinlagen eine Botschaft, die zu mehr Toleranz auffordert. Jubelnder Applaus!

Katharina Stöger


Kronen Zeitung – 18.02.2017

Böser Wolf mit Herz

Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf erzählt das Theater der Jugend im Renaissancetheater in unterhaltsamer Form. Thomas Zaufkes (Musik) und Peter Lunds (Text) Musical "Grimm" ist herzig. Und gescheit, denn es wirbt für Toleranz ohne erhobenen Zeigefinger und zeitgeistiges Gewäsch.

Eigentlich sind Grimms Märchenfiguren, die sich auf (...) der Bühne des Renaissancetheaters tummeln, weniger schräge als skurrile, liebenswerte Typen. Meist Tierchen mit allen menschlichen Zügen,
Lastern und Leidenschaften. Natürlich haben alle mit dem bösen Wolf zu tun. Wie da sind: das Rotkäppchen (lieb: Florine Schnitzel), die
alleinerziehende Mutter Gisela Geiss (heiß: Alexandra-Yoana Alexandrova), Hund Sultan (Thomas Wagenhammer), die drei kleinen
Schweinchen, angeführt vom perfiden Schlau (lässt an Orwells "Farm der Tiere" denken: Kaj Luis Lucke)... Denn die Sache rund um den hungrigen Wolf war eine ganze andere - die soll nicht verraten werden.

Im Dorf ist die Hölle los, als Rotkäppchen und Oma Eule den einsamen jungen Wolf Grimm ins Dorf bringen. Der ist ein Halbstarker mit "geilem" Hüftschwung und verschmitztem Lächeln, ganz und gar nicht böse, auch nicht in Rage: Lukas Weinberger singt und tanzt sich in die Herzen des jungen Publikums. Das auch, weil Peter Lund und Thomas Zaufke den Gefühlen viel Raum geben - im Text wie in der flotten Musik samt Ohrwürmern. Werner Sobotka (Regie), Michael Schnack (musikalische Leitung), Simon Eichenberger
(Choreografie), Karoline Hogl (Bühne), Elisabeth Gessel (Kostüme), das gesamte Team und das Ensemble sorgen für besten Musical-Schwung.

Thomas Gabler


Online Merker – 16.02.2017

WIEN / Theater der Jugend: GRIMM!

Da gibt es doppelten Boden, wohin man schaut. „Grimm“, das sind natürlich die Brüder Grimm mit ihren Märchen als die ursprünglichen Erfinder der Geschichte. „Grimm!“ mit Rufzeichen steht auch für den bösen, grimmigen Wolf des Märchens, der hier so böse nicht ist. Es geht ja auch, obwohl der Subtitel „Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf“ lautet, nicht wirklich um Rotkäppchen, die selbst von sich sagt, dass sie eigentlich Dorothea heißt und dass die meisten Märchen nicht wahr sind. Was ist das also?

Es ist eine Brüder-Grimm-Paraphrase, die ein politisches Gleichnis erzählt, nicht weniger – für diesen Text ist Peter Lund verantwortlich. (Wir kennen Lund übrigens auch in anderer Funktion – er hat den über die Maßen amüsanten, gelungenen „Axel an der Himmelstür“ an der Volksoper inszeniert.) Es ist auch ein Musical, und das dank der Musik von Thomas Zaufke, die ungemein griffig und schmissig ist und auch in die Ohren geht – mehr, als man von vielen der schwerfälligen Werke behaupten kann, die sich auf Wiens großen Bühnen herumwälzen.

Nun, als Polit-Spaß und Musical ist dieser „Grimm!“ vollinhaltlich eine Sache für Erwachsene – das Theater der Jugend spielt ihn im Renaissancetheater für Kleinkinder ab 6 Jahren. Und auch das funktioniert. Die Kleinen lachen bei derben Witzen, und je lauter und stürmischer es zugeht, umso mehr vergnügen sie sich. Das tiefere Verständnis der Geschichte wird für sie graduell verschieden sein – aber auch, wenn es sich gar nicht einstellt, haben sie noch einen lustigen, bunten Abend erlebt.

Tatsächlich lässt man sich gerne belehren. Wie könnte man eine Multi-Kulti-Geschichte besser erzählen als in einem Dorf, wo die Schweine, die Hunde und die Geißlein zusammen leben (sind ja alles Tiere, nicht wahr?), sogar ein Mensch (Rotkäppchen) hat sich zu ihnen verirrt. Die Demarkationslinie verläuft genau vor dem Wald – dort ist der „böse“ Wolf. Und noch ein Eber. Und auch das, was einst die Großmutter war und hier zur weisen Eule mutierte. Die „Anderen“ jedenfalls. Und im Grunde ist nur Rotkäppchen, Verzeihung, Dorothea eine unerschrockene Grenzgängerin. Und weil sie so ohne weiteres auf den Wolf zugeht, stellt sich heraus, dass der gar nicht so „böse“ ist, wie alle sagen…

Freilich, die Macher dieses Stücks wollen nicht lügen: Der Versuch, den Wolf in die Dorfgemeinschaft zu integrieren, gelingt nicht wirklich – trotz des „Willkommen“-Getues (Parodie auf eine „Willkommens-Kultur“, die sich selbst feiert und es so gar nicht ernst meint). Es wird nicht klappen für den Wolf im Dorf, nicht nur der Schweine wegen, die sich als solche verhalten (Schweinchen Schlau gar mit blonder Donald-Trump-Schmolle, damit man es ja mitkriegt). Und andere, wie der Hund, die sind halt ein bisschen feig und duckmäuserisch. Und die Ziege wurschtelt sich verlogen so durch – ganz wie die Menschen eben.

Und außerdem ist der Wolf ja doch zu anders, als dass er sich letztendlich im Dorf wohlfühlen könnte… das muss auch gesagt werden. Aber die versöhnende, „alle Menschen werden Brüder“-Tendenz des Stücks wird ausführlich genug gepredigt und gesungen, so dass sie alles durchdringt.
Das könnte penetrant sein, aber die Geschichte ist so bunt, schnell, turbulent und letztlich auch kabarettistisch, dass dies nicht wirklich passiert: Dafür sorgt schon Regisseur Werner Sobotka, der solches wirklich kann, und Choreograph Simon Eichenberger, der den Darstellern gnadenlos alles abfordert – als stünden sie auf einer großen Musical-Bühne (wo oft weniger überzeugend agiert wird).

(...)

Eine vielschichtige Angelegenheit – so „geschichtet“, dass sie wirklich für jeden etwas zu bieten hat. Bis 11. März im Renaissancetheater. Man sollte einmal vorbeischauen.

Renate Wagner


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu "Grimm! - Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf" bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf phantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
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