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Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff 11 +

von Louis Sachar
in der Bühnenfassung von Jethro Compton
Deutsch von Gerald Maria Bauer und Anna Klein

Stückinfo

Ort: Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Zeitraum: 21. April 2017 - 26. Juni 2017
Premiere: 25. April 2017
Dauer: 01:50
Regie: Jethro Compton

»Je kleiner etwas ist, desto schwieriger wird es, das Ding unter Kontrolle zu halten. Einen Tiger oder Bären können Sie in einen Käfig sperren, aber einen winzigen Mikroorganismus am Fliehen zu hindern, ist etwas völlig anderes.«

»Ich war nicht mutig – ich hatte Angst!«

Louis Sachar. Schlamm

Tamaya, Schülerin der privaten Woodridge Academy in Heath Cliff, weiß nicht, was sie tun soll. Warum verhalten sich plötzlich alle so anders als noch vor den Schulferien? Seit wann ist es gut, sich an keine Regeln zu halten? Und warum will Marshall auf dem Nachhauseweg neuerdings eine unwegsame Abkürzung nehmen? Auch wenn sie eigentlich nicht durch den Wald gehen darf, folgt sie ihm.
Was Tamaya nicht weiß: Schon seit einiger Zeit ist Marshall die Zielscheibe seines Klassenkameraden Chad. Der heutige Umweg ist nur der Versuch, einer Prügelei aus dem Weg zu gehen. Im Wald treffen alle drei aufeinander. Dabei kommen sie mit einem merkwürdigen Schlamm in Berührung. Am nächsten Tag leidet Tamaya unter einem aggressiven Ausschlag, und Chad wird vermisst.
Immer mehr Indizien deuten darauf hin, dass bei der Entwicklung einer revolutionären Energiequelle etwas schief gelaufen sein könnte… Um das Ausmaß der Katastrophe einzudämmen, wird eilig ein Untersuchungsausschuss in Heath Cliff einberufen. Gescheite Menschen scheinen sich mit den besten Absichten daran gemacht zu haben, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Ein Schuss, der oftmals nach hinten losgehen kann. Nun drohen nationaler Notstand und Quarantäne. Was kann Heath Cliff noch retten?
Welche Verantwortung haben wir anderen Menschen und unserer Umwelt gegenüber? Welche Folgen kann es haben, nicht das Richtige zu tun? Und was ist überhaupt das »Richtige«?
Mit »Schlamm« schreibt Louis Sachar, mittlerweile weltberühmt durch seinen Roman »Löcher«, mitreißend über Schule, Freunde und Bullies und schafft gleichzeitig einen mit schrägem Humor durchsetzten Thriller um die Möglichkeiten und Gefahren moderner Wissenschaften.

Aufführungsrechte: Österreichischer Bühnenverlag Kaiser & Co. Ges.m.b.H.

Besetzung

Tamaya Claudia Waldherr
Marshall Johannes Huth
Chad Stefan Rosenthal
Monica Soffi Schweighofer
Summer / Ärztin Mieke Biendara
Mr. Davison / Dr. Fitzman Rafael Schuchter
Dr. Humbard Uwe Achilles
Senator Frank Engelhardt
In weiteren Rollen Ensemble
Regie / Bühne Jethro Compton
Kostüme Susanne Özpinar
Bühnenbildassistenz Clio van Aerde
Dramaturgie Gerald Maria Bauer
Licht Fritz Gmoser
Assistenz und Teilinspizienz Anna Klein
Teilinspizienz Felix Metzner
Hospitanz Carmen Wessiak

Kritiken

Der Standard – 27.04.2017

"Schlamm": Furchtbarer Ausschlag für furchtlose Kinder

Ein spannender Öko-Thriller, angesiedelt in einer Highschoolkultur

Wien – Jugendromane über amerikanische Highschools sind oft ein warm-schauriges Bad in Klischees. Auch in Louis Sachars Schlamm – Die Katastrophe von Heath Cliff sind sie alle vereint: der fesche Fiesling, die brillentragende Streberin und das oberflächliche Püppchen. Alle gleichsam furchtlos, aber furchtbar naiv.

Als der beliebte Chad seinen weniger beliebten Klassenkollegen Marshall mitsamt Freundin Tamaya verprügeln will, eskaliert der Streit im stadtnahen Wald. Die Teenies kommen mit einem seltsam schleimigen Schlamm in Berührung, am nächsten Tag bleibt Chads Platz in der Klasse leer. Tamaya plagt gleichzeitig ein blutender, blasenartiger Ausschlag, der sich rasant ausbreitet. Die Probe des Schlamms, die Tamaya zuvor im Wald genommen hat, vermehrt sich sogar in nur zwei Minuten auf die doppelte Menge. Schnell erhärtet sich der Verdacht, dass im streng bewachten Regierungszentrum bei einem missglückten Experiment mit erneuerbaren Energiequellen eine gefährliche Mutation entstanden ist.

Nebel und flackernde Lichter

Jethro Compton hat Sachars Öko-Thriller für das Theater der Jugend als packendes und humorvolles Theaterstück inszeniert. Das Ensemble geht problemlos als Highschoolklasse durch und spielt mitreißend, die Lichter flackern, und der Zuschauerraum wird emsig von Rauchmaschinen zugenebelt. Nicht nur die Kinder und Jugendlichen, auch die mit gebrachten Erwachsenen schnappen gespannt nach Luft, wenn die Bewohner von Heath Cliff versuchen, dem zerfressenden Schlamm zu entkommen. Zwischen den Szenen werden Orts- und Zeitangaben auf die Bühne projiziert – dass die Geschichte in den 80ern spielt, wäre aber ohnehin unmissverständlich gewesen. Video killed the radio star und die junge Whitney Houston klingen aus den tragbaren Radiogeräten der Kinder.

Spätestens hier können Netflix-Kontobesitzer die Parallelen zur umjubelten Serie Stranger Things kaum übersehen, der Roman entstand jedoch vor der Serie. Als der Vorhang fällt, fühlt man sich, wie nach einem guten Film, wenn die Credits über den Bildschirm laufen, nur dass jetzt das Ensemble in Ninja-Turtle-Pose vor dem applaudierenden Publikum steht. Man wünscht sich insgeheim, dass Schlamm auch eine Serie wäre, bei der wie auf Netflix in 15 Sekunden die Fortsetzung abgespielt wird.

Eva Walisch


Die Presse – 26.04.2017

Kurz noch mal die Welt retten

Jethro Compton inszeniert "Schlamm" nach Louis Sachars Roman flott als Umwelt-Thriller, Sozialdrama, Liebesgeschichte.

Gibt es etwas Unheimlicheres als Mikroben, die uns (der Menschheit!) den Garaus machen könnten, wie einst fast die Pest? US-Autor Louis Sachar, er schreibt Bestseller für Kinder, hat dieses Thema in seinem Roman „Fuzzy Mud“ (2015) aufgegriffen, im aktuellen Kontext der Gefahr gentechnologischer Manipulation: Ein verrückter Wissenschaftler schafft etwas Schleimig-Schlammiges, das prompt mutiert. Es braucht den Mut und die Erfindungsgabe von Schülern, um eine globale Katastrophe zu verhindern. Zugleich arbeitet der Text alltägliche Ängste Jugendlicher aus: Gehöre ich zur coolsten Gruppe dazu? Werde ich geliebt? Wie wehre ich mich gegen Mobbing? Sachar versteht es, diese Probleme auf den Punkt zu bringen, vor allem aber, Spannung zu erzeugen.

Der talentierte britische Regisseur und Autor Jethro Compton ( geboren 1988) hat Sachars Roman für das Theater der Jugend dramatisiert. Im Theater im Zentrum ( dem kleineren Haus in der Liliengasse 3), wurde bei der Premiere von „Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ am Dienstag eine flotte, leichtgängige Aufführung heftig bejubelt.

Irgendwo in Pennsylvania, USA, scheint etwas außer Kontrolle geraten zu sein. Männer in gelben Schutzanzügen stapfen über die durch Vorhänge mehrschichtige Bühne, begleitet von bedrohlicher Musik. Einer der Vorhänge dient als Leinwand: wie auf einem Computer sieht man Zahlenreihen, die rasant wachsen, so wie die bösen Mikroorganismen. Das nächste Bild zeigt Schulalltag. Mr. Davison (Rafael Schuchter, er spielt auch den durchgeknallten Biologen), Lehrer an der Woodridge Academy in Heath Cliff, versucht seine Schüler für Naturwissenschaften zu begeistern. Bis auf die Streberin Tamaya (Claudia Waldherr) und den eingeschüchterten Marshall (Johannes Huth) scheint ihm kaum jemand folgen zu wollen. Monica (Soffi Schweighofer) und Summer (Mieke Biendara) sind eher an Burschen als am Lehrplan interessiert. Bald wird das Beziehungsgeflecht deutlicher. Der brutale Chad (Stefan Rosenthal) will Marshall verprügeln, der wählt deshalb den unheimlichen Wald als Heimweg, begleitet von Tamaya. Die Zuseher sind jedoch durch dazwischengeschaltete Szenen mit Katastropheneinsätzen und Rückblenden zu Video-Konferenzen verantwortlicher Politiker und Wissenschaftler aus Washington vorgewarnt: Dort im Wald kann es tödlich sein.

Comptons Inszenierung ist abwechslungsreich. Liebes- und Sozialdrama, Horror und Action werden geschickt verflochten, voll Energie (...). Die pädagogische Absicht ist klar (...): Wir müssen nur noch einmal rasch die Welt retten – logisch, dass dies vor allem dank der beherzten Klugheit der Jugendlichen gelingt. Nebenbei können die Streberin, der Schüchterne und der Außenseiter außerdem reifen. Das ist vielleicht der Beginn wunderbarer Freundschaften.

Norbert Mayer


Kinder Kurier – 26.04.2017

Sich aus dem giftigen Schlamm kämpfen

Im Jugendstück „Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ im Theater im Zentrum (Wien) geht's sowohl um Gefahren von Experimenten als auch um Jugend-Freund- bzw. -Feinschaft.

Packend, spannend, mitunter sogar gruselig geht’s im jüngsten Stück im kleineren Haus des Wiener Theaters der Jugend zu. Und trotzdem bleibt auch Platz für manches Lachen und auch sanfte Emotionen. In einer recht trashig wirkenden Bühne wird in fast zwei Stunden (eine Pause) ein Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts angeseidelte und dennoch fast zeitlose Geschichte erzählt.

In „Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff“ des US-Erfolgs-Jugendautors Louis Sachar verknüpft sich eine durchaus alltägliche Teenager-Schul-Jugend-Freund- und –Feindschaft mit einem ernsten Umweltproblem. Der Schlamm im Wald, den Tamaya nimmt und Chad ins Gesicht schleudert, weil der Marshall verprügeln will führt zunächst zu einem Ausschlag. Aber was für einem! Rasend schnell wird die Kleinstadt unter Quarantäne gesetzt, weil schon Dutzende Menschen damit in Berührung gekommen sind.

Das Gute, das Böses schafft

Die schädlichen bis tödlichen Mikroorganismen sind bei Experimenten mit neuen Energieformen in einem an sich abgeriegelten Labor entwichen. Die rasche Ausbreitung erinnert die Streberin Tamaya an eine Schulstunde in der sie über die Pest gelernt hatten – und dass da nicht die Ratten, sondern die Flöhe der Ratten die Überträger waren – die Ratten gestorben sind und die Flöhe offenbar etwas in sich trugen, das sie überleben ließ. Das wird – ohne den Schluss zu verraten – zum Schlüssel für die Lösung. Das Mädchen wird zur Retterin der Welt, nein „nur“ der Menschheit. Und eigentlich ist es ja die, die die Welt zerstört. Also schuf sie mit ihrer Rettung die Basis für die weitre Zerstörung? Diese Fragen stellen sich die jugendlichen Figuren. Und kann dem Einhalt geboten werden?

Verwandlungen

Neben dieser inhaltlich gesellschaftspolitischen Grundfrage, die sich alle paar Jahrzehnte immer wieder aufs Neue stellt – ob das die Erfindung des Dynamits oder später der Atomkernspaltung – selbst für friedliche Zwecke – war oder heute reale sowie virtuelle Viren sind, spielt auch die für praktisch alle Jugendlichen viel näher liegende Fragen eine zentrale Rolle: Ausgrenzen, Mobben auf der einen und gegenseitiges Helfen sowie im Verlauf der Geschichte Interesse für die/den Anderen und die Beweggründe bösen Handelns. Und so schaffen vor allem Claudia Waldherr als Tamaya und Stefan Rosenthal als Chad meisterhaft ihre Verwandlungen authentisch zu spielen: Die eine von der Streberin zur Retterin, indem sie sich über viele Regeln hinweg setzt und der andere vom Schläger zum Kumpel, weil er sich endlich verstanden fühlt.

Heinz Wagner


Materialien

Unsere theaterpädagogischen Materialien zu "Schlamm oder Die Katastrophe von Heath Cliff" bieten Ihnen Informationen, Fragebögen, Spiele und Szenenvorschläge! So können Sie die besuchte Aufführung mit Ihrem Kind oder Ihrer Klasse auf phantasievolle Weise vor- und nachbereiten.
Klicken Sie hier um die Materialien herunterzuladen. Bei eventuellen Fragen und für weitere Informationen, wenden Sie sich bitte an [YjY0dGFnOmxpc2EuYnJhbWVzaHViZXJAdGRqLmF0]

Video

Termine

  • 26. Juni 2017

    • 16:00 - 17:50
      Ausverkauft