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Der talentierte Mr. Ripley 13 +

von Patricia Highsmith
in einer Fassung von Thomas Birkmeir

Stückinfo

Ort: Theater im Zentrum, 1010 Wien, Liliengasse 3
Zeitraum: 11. Januar 2017 - 29. März 2017
Premiere: 13. Januar 2017
Dauer: 02:00
Regie: Thomas Birkmeir

»Das Komische ist, dass nicht ich mich als jemand anderes ausgebe, sondern dass Du derjenige bist!«

»Wenn ich nur einen riesigen Radiergummi nehmen und alles löschen könnte… angefangen mit mir selbst.«

Patricia Highsmith. Der talentierte Mr. Ripley

Einem achtjährigen Mädchen fällt ein populäres Psychologiebuch in die Hände, von dem es später sagen wird: »Es waren Fallgeschichten – Kleptomanen, Pyromanen, Serienmörder – praktisch alles, was mental falsch laufen konnte. Die Tatsache, dass es sich um reale Fälle handelte, machte es so interessant und sehr viel wichtiger als Märchen. Ich merkte, dass diese Leute äußerlich völlig normal aussahen und bemerkte, dass ich von solchen Menschen umgeben sein könnte.«
An ihrem Lebensende wurde dieses ehemalige Mädchen von KritikerInnen in eine Reihe gestellt mit Autoren wie Dostojewski, Conrad, Kafka, Gide und Camus: Patricia Highsmith. Die Krimiautorin, die niemals das »Whodunit«, sondern vielmehr das »Whydunit« interessierte, schuf eine der Ikonen der amoralischen »Helden« der Weltliteratur, Tom Ripley.
Dieser schlägt sich mit kleinen Betrügereien durch sein Leben, als sich ihm die große Chance bietet: Von einem reichen Amerikaner auf dessen Sohn Richard angesetzt, der sein Leben in Italien nach Meinung des Vaters »verplempert«, erkennt Tom sehr schnell die Vorteile des »Dolce Vita« und da er zweifellos mit einem monströsen kriminellen Intellekt begabt ist, sich aber vom »Schicksal« benachteiligt wähnt, wächst ein dunkler Plan in ihm: Was wäre, wenn er einfach Richards Identität annimmt? Doch damit das gelingen kann, muss Richard »verschwinden«…
Patricia Highsmith schrieb »Der talentierte Mr. Ripley« 1954 in nur sechs Monaten. Zeit ihres Lebens war sie davon überzeugt, dass das »sogenannte Böse« schlichtweg ein selbstverständlicher Teil unserer Persönlichkeit sei. »Nicht jeder wird ein Mörder, aber gänzlich ausgeschlossen ist es nie. Es gibt kein Verlass auf ein Gewissen, das unseren Handlungen Einhalt gebieten kann.«

Aufführungsrechte: Diogenes Verlag AG Zürich

Besetzung

Tom Ripley Jakob Elsenwenger
Richard Greenleaf Julian Schneider
Marge Sherwood / Signora Buffi Ursula Anna Baumgartner
Freddie Miles Uwe Dreysel
Tenente Roverini Frank Engelhardt
Herbert Greenleaf Uwe Achilles
Regie Thomas Birkmeir
Bühne Goda Palekaitė
Kostüme Susanne Özpinar
Dramaturgie Gerald Maria Bauer
Licht Fritz Gmoser
Assistenz/Teilinspizienz Felix Metzner
Teilinspizienz Florian Pilz
Hospitanz Gregor Schmidinger

Kritiken

Der Standard – 16.01.2017

"Der talentierte Mr. Ripley": Hinein ins Reich der Vogelfreiheit

Faszinierende Amoral im Wiener Theater der Jugend

Wien – New York ist das angesagte Pflaster für alle Gauner und Möchtegern-Dandys. Swing-Jazz fegt durch das Wiener Theater im Zentrum. Ein blasser Jüngling mit Streberbrille schlendert durch das Häusermeer. Tom Ripley (Jakob Elsenwenger) versteht sich auf Betrügereien. Er glaubt sich von einem Mann mit Hut und Mantel verfolgt. Der "alte Schwule" entpuppt sich jedoch rasch als Sendbote von Göttin Fortuna.

Ripley wird vom Reedereibesitzer Greenleaf (Uwe Achilles) als Emissär dorthin entsandt, wo die Zitronen blühen. Er soll den nichtsnutzigen Sohn des Geldsacks vom italienischen Strand auflesen und per Express heim in die Staaten schicken. Ripley hat natürlich nichts Besseres zu tun, als den Auftrag getreulich nicht zu erfüllen. Er hintergeht der Reihe nach alle Beteiligten. Er geht buchstäblich über Leichen, und am Ende führt er, dem keine Regung anzumerken ist, womöglich sich selbst hinters Licht.

Leichtfüßige Fassung

Der berühmteste Romanheld der großen Patricia Highsmith genießt jetzt in einer wunderbar leichtfüßigen Textfassung von Thomas Birkmeir (Regie) für das Theater der Jugend ein zweites, komplett angstbefreites Leben. Der talentierte Mr. Ripley ist ein schmuckes Hohelied auf die Illusion jeglicher Moral. Birkmeir hat sich dazu entschlossen, das junge Publikum (von 13 aufwärts) von Anfang an ins Vertrauen zu ziehen. Mitwisserschaft sichert dem Antihelden am wirkungsvollsten die Sympathien. Und so entwickelt Tom in Gestalt des famosen Elsenwenger eine tröstlich einlullende Suada. Die richtet er ohne Hast und Skrupel in das schockierte Auditorium. Stück für Stück wird man Zeuge einer kindlichen Katzbalgerei. Tom verliebt sich Hals über Kopf in seinen Klienten, den melancholischen Leider-nein-Maler "Dickie" Greenleaf (Julian Schneider). Er muss dessen Gefährtin, die spröde Kunstblondine Marge (Ursula Anna Baumgartner), von ihm wegscheuchen. Ripley hat alle Hände voll zu tun. Und so bemerkt man nicht ohne wachsende Faszination, dass noch der nichtswürdigste Halunke mit den Aufgaben, die ihm gestellt werden, wachsen kann.

Moralische Vogelfreiheit

Die Atmosphäre dieser wunderbar ambivalenten Aufführung ist die des Traums. Eben weil dieser Ripley kein Wässerchen trüben kann, schlüpft er ohne merkliche Verrenkung in die Rolle des Mörders, der "Dickie", der ihn durchschaut, mit dem Ruder erschlägt.

Die Übernahme der fremden Identität ist bloß ein weiterer Schritt hinein ins Reich der geistig-moralischen Vogelfreiheit. Und so managt Ripley sein "Glück" mit dem beflissenen Stolz eines Vorzugschülers, der sich seinen Lehrstoff selbst zurechtlegt. Gummischnüre schirmen die kahle Bühne (Ausstattung: Goda Palekaité). Das Traumland der unbegrenzten Möglichkeiten ist nachgiebig und weich. Irgendwo, unsichtbar, liegen Tom Ripleys bessere Anlagen begraben: seine Empathie, seine Befähigung zur Liebe, seine Sehnsucht nach validen Verhältnissen. Ein akklamierter Abend, mit einem irrlichternden Auftritt Uwe Dreysels als "Freddie Miles": die Figur des Dandys als echte Nervensäge. Chapeau.

Ronald Pohl


Kronen Zeitung – 15.01.2017

Wo der Horror lauert

Das Buch ist längst gelesen, und auch den Film mit Matt Dämon und Gwyneth Paltrow aus dem Jahr 1999 hatte man nach der Premiere vergessen: Im Theater im Zentrum treibt ab sofort Patricia Highsmiths smarter Mr. Ripley sein mörderisches Unwesen: in einer gelungenen Mischung aus Poesie und Grauen.

Sehr erwachsen war das Publikum bei der österreichischen Erstaufführung von Thomas Birkmeirs Fassung von Highsmiths "Der talentierte Mr. Ripley" im Theater im Zentrum. Das Böse, das wohl in jedem steckt, fasziniert eben Jung und Alt, besonders wenn es so charmant verpackt ist wie in Highsmiths Erfolgsroman aus dem Jahr 1954. Die dunklen Pfade der Seele verstecken sich im Buch, im Film wie auch in Birkmeirs spannender Inszenierung, denn hinter der aufgeweckten Freundlichkeit, der naiven Fassade des im Leben nicht gerade erfolgreichen Tom Ripley verbergen sich Berechnung, Geldgier
und eine Leichtigkeit des Mordens. Birkmeir und sein Ausstatterteam (Bühnenbild: Goda Palekaite, Kostüme: Susanne Özpinar) treffen diese Stimmung zwischen Leichtigkeit des Seins in italienischer Atmosphäre und dem leisen Horror, den Tom mit perfider Naivität heraufbeschwört. Töten ist nicht lustvoller Akt, sondern Mittel zum Zweck - um in die Person eines anderen zu schlüpfen und seinen "Opfern" einiges an Geld abzugewinnen: Jakob Elsenwenger als Ripley schafft das ideal mit smartem Aussehen, Verstellung, Hinterlist. Ein scheinbar biederer College-Junge zieht da an den Lebensfäden, spielt Schicksal - und gewinnt! Ursula Anna Baumgartner als Marge, die ob des Verschwindens ihres Freundes Dick (überzeugt als Typ: Julian Schneider) nervös wird, und alle anderen fügen sich perfekt in das stimmige, packende wie lebendige Bild Birkmeirs.

Thomas Gabler


Kinder Kurier – 14.01.2017

Sympathie für den Bösen

„Der talentierte Mr. Ripley“ von Krimi-Spitzenautorin Patricia Highsmith in einer Inszenierung im Theater der Jugend in Wien.

Obwohl wir’s vordergründig lieber hätten, dass immer das Gute siegt, sind wir doch nicht selten von bösen Hauptfiguren fasziniert. Lehnen zwar – danach befragt oder selber auch nur kurz nachdenkend – ihre Handlungen ab, fiebern aber dennoch mit, ob sie’s letztlich schaffen, durchzukommen. Das Happy End ist dann nicht, dass der Intrigant, Betrüger, Mörder hinter Gitter kommt, sondern sich durchschwindelt – oder US-Präsident wird – wie in der Serie „House of Cards“. Oder in „Der talentierte Mr. Ripley“, das in einer eigenen Version kürzlich vielumjubelte Premiere in der kleineren Spielstätte des Theaters der Jugend in Wien (Theater im Zentrum) feierte.

Auch wenn das Schlüpfen in eine andere Identität vielleicht an Facebook & Co. erinnern möge, die Geschichte ist mehr als 60 Jahre alt. 1954 verfasste die Krimi-Autorin Patricia Highsmith den Roman, der so beliebt wurde, dass sie die Hauptfigur in einer Reihe weiterer ihrer Bücher weiter spielen ließ.

Die Grundstory

Zunächst noch kurz die Grundstory: Tom Ripley (Jakob Elsenwenger) lernt per Zufall den superreichen Herbert Greenleaf (Uwe Achilles) und dessen krebskranke Frau kennen, die sich kränken, dass ihr Sohn Richard, genannt Dickie (Julian Schneider), sich schon jahrelang nicht mehr daheim anschauen hat lassen, sondern ein Lotterleben in Italien führt. Tom tut, als würde er ein guter Freund „Dickies“ sein. Der alte Greenleaf hofft, Ripley könnte den Sohn zur Rückkehr in die USA bewegen und lässt ihn auf einem seiner Schiffe über den Atlantik fahren – ausgestattet mit Geldscheinen. Dem junge Greenleaf, einem untalentierten, erfolglosen Maler, kommt der „Freund“ zwar nicht geheuer vor, er kann sich beim besten Willen nicht an ihn erinnern, aber seine Gegenwart verschafft ihm ein bisschen Abwechslung zur eher klammernden Freundin Marge (Ursula Anna Baumgartner). Tom kann sich das Vertrauen des reichen Erben erschleichen, treibt sogar einen Keil in dessen Beziehung und tötet Dickie auf einer Bootsfahrt, um dessen Identität anzunehmen, in dessen Namen einen Brief an Marge zuschreiben, dass er Abstand brauche und vertschüsst sich nach Rom. Da taucht ein alter Freund des jungen Greenleaf, Freddie Miles (Uwe Dreysel) auf. Den beseitigt er auch. Die Polizei in Person des Kommissars Tenente Roverini (Frank Engelhardt) schöpft Verdacht, meint jedoch, den jungen Greenleaf vor sich zu haben. Tom wird wieder zu Tom und versucht mit einem Abschiedsbrief einen Selbstmord Dickies vorzutäuschen.

Wandelbarer Raum

Zur Inszenierung (Regie: Thomas Birkmeir): Ein fast leerer Raum – lediglich drei weiße Würfel und einige in den Boden eingelassene LED-Reihen- wird von einem (20 Kilometer langen) doppelreihigen Gummiband, das an italienische Schnürlvorhänge erinnert, begrenzt (Bühne: Goda Palekaitė). Per Klick verwandelt sich dieser durch wechselnde Lichtstimmungen (Fritz Gmoser) – und manchmal Video-Einspielungen von der Wolkenkratzer-Skyline zu einem eleganten Salon, in ein Segelboot, ein edles Hotelzimmer, zur billigen Wohnung...

Komplizen-Suche

Wie Francis „Frank“ Underwood steigt Tom Ripley hier hin und wieder aus seiner Rolle raus, wendet sich direkt ans Publikum, verrät seine Tricks – die Lüge funktioniert oft am besten durch Preisgabe der Wahrheit, weil die viele dann gar nicht glauben wollen. So zieht er die Zuschauer_innen sozusagen ins Vertrauen, macht sie zumindest zu Mitwisser_innen. Er gesteht, eigentlich nichts zu können außer „brillant lügen, betrügen, Unterschriften fälschen und Leute nachmachen“. Das macht er noch dazu recht charmant. Und schon fiebern alle mit ihm mit. Gut, zur eigenen (Zuschauer-)Entschuldigung könnte anfangs noch dienen, dass er eh nur dem reichen Schnösel Geld aus der Tasche zieht. Aber, immerhin mordet der Typ ja! Und wie – in beiden Fällen in Zeitlupe mit einem Anflug von Slapstick, so dass die Taten nicht ganz so grausam wirken.

Doch ganz lässt die Inszenierung das Publikum nicht in das Lager des bösen driften. Als er Dickies Freundin Marge gegen Ende in den Wahnsinn zu treiben versucht, verspielt er doch einiges an Sympathie. Immerhin!

Was sonst noch – neben einer starken Leistung aller Ensemble-Mitglieder und dem wunderbar wandelbaren Raum samt Licht, Videos und Musik – anzumerken bleibt: Es schadet den ganzen zwei spannenden Stunden nicht im geringsten, dass das Stück zur Zeit des Romans – ganz ohne Handys, mit Schiff-Überfahrt statt Flug usw. – angesiedelt ist ;)

Heinz Wagner


Tiroler Tageszeitung / APA – 14.01.2017

Ein Saal voller Verbündeter: „Mr. Ripley“ im Theater der Jugend

Wien (APA) - Am Ende hat Underdog Tom Ripley das Publikum in der Tasche: Thomas Birkmeir hat es in seiner Bühnenversion von Patricia Highsmiths „Der talentierte Mr. Ripley“ für das Wiener Theater der Jugend (TdJ) erfolgreich von Mitwissern zu Verbündeten gemacht. Da verzeiht man dem jungen Zyniker auch, dass er mordet, lügt und betrügt wo es nur geht. Viel Applaus bei der gelungenen Premiere am Freitagabend.

Eigentlich ist Tom Ripley, der unterprivilegierte Underdog aus Boston, ein etwas farbloser Kerl. Aber er ist intelligent, elegant und ein famoser Trickser mit einem gewinnenden Lächeln. „Unterschriften fälschen. Lügen. Jeden beliebigen Menschen Nachmachen“ nennt er selbst als seine Fähigkeiten. Sie sind es auch, die Ripley am Ende zu einem reichen Mann machen werden. Dank eines Regiekniffs hat Ripley, überzeugend gespielt von Jakob Elsenwenger, die Zuschauer dabei bald auf seiner Seite: Immer wieder wendet er sich direkt an sie, rechtfertigt sein Lügen und Betrügen und wird so immer mehr zum sympathischen Schlitzohr, dem man nicht lange böse sein kann.

as ist nur konsequent. Schon in Highsmiths Vorlage kam der vife Lügner mit Hang zum Verbrechen so gut bei den Lesern an, dass die Autorin ihn später noch in vier weiteren Romanen auftreten ließ. Inszeniert hat TdJ-Direktor Birkmeir die von ihm geschriebene Bühnenfassung von „Mr. Ripley“ im Theater im Zentrum auf einer minimalistischen Bühne: Gerahmt von durchbrochenen Wänden aus insgesamt mehr als 20 Kilometer elastischem Gummi, entstehen auf ihr durch Musik, Videoprojektionen und im Boden eingelassene farbige LED-Streifen immer wieder neue Orte und Räume. Als Requisiten reichen über weite Strecken drei niedrige weiße Quader, die zu Boot, Bar und Auto werden.

Die Geschichte: Der Werftbesitzer Herbert Greenleaf (Uwe Achilles) beauftragt Tom, seinen Sohn, den oberflächlichen Lebenmann Richard „Dickie“ Greenleaf (Julian Schneider), in die Staaten zurückzuholen um das Familienunternehmen zu übernehmen. Tom fährt ins italienische Mongibello, wo Dickie als erfolgloser Maler mit seiner Freundin Marge Sherwood (Ursula Anna Baumgartner) in den Tag hineinlebt, und gibt sich als alter Bekannter aus. Dickie durchschaut den Schwindel zwar, findet Tom allerdings immerhin so unterhaltsam, dass er ihn in seinem Haus wohnen lässt.

Bald entwickelt Tom Gefühle für Dickie und beginnt sich immer mehr mit ihm zu identifizieren, Dickie ist des neuen Freundes allerdings bald überdrüssig. Ein Bootsausflug der beiden eskaliert schließlich: Tom erschlägt Dickie - Zeitlupentempo! - mit einem Ruder. Leiche und Boot müssen verschwinden. Vor Marge behauptet Tom, dass Dickie wegen eines vorangegangenen Streits mit seiner Freundin erst einmal Abstand brauche und deshalb nach Rom verschwindet. Toms endgültige Verwandlung beginnt: Er nimmt Dickies Identität an - „Ich werde sogar anfangen, schlechte Bilder wie er zu malen!“

In Rom lässt er es sich in seinem neuen Leben gutgehen - bis eines Tages Dickies alter Freund Freddie Miles (Uwe Dreysel) bei ihm auftaucht und Verdacht schöpft. Tom wird wieder zum Mörder - und Elsenwenger zeigt beim Abtransport der Leiche im imaginären Auto, dass er neben Schauspiel auch Pantomime kann. Trotz gefälschtem Alibi steht Tom schließlich unter doppeltem Mordverdacht - allerdings als Richard Greenleaf. Kommissar Tenente Roverini (Frank Engelhardt) glaubt, dass Dickie nicht nur seinen Freund Freddie, sondern auch einen gewissen Tom Ripley ermordet hat. In Mongibello ist nämlich mittlerweile das blutverschmierte Boot, in dem Tom Dickie umgebracht hat, wieder aufgetaucht.

Kein Problem für den gewieften Tom Ripley: Er schlüpft wieder in seine eigene Identität, wechselt die Stadt und erbt dank dem von ihm selbst in Dickies Namen verfassten Testament auch noch jede Menge Geld. Skrupel? Wohl kaum. „Man trifft ja nie einen Menschen, der von sich selbst behauptet, er sei schlecht oder grausam“, sagt Tom zum Schluss. Und lächelt.

APA


Die Presse – 17.01.2017

Patricia Highsmiths reuloser Mörder, nun auf der Bühne

„Ich habe eine klammheimliche Sympathie für Missetäter, und ich weiß, dass das abscheulich von mir ist“, sagte Patricia Highsmith 1968 in einem Interview. Der 13 Jahre zuvor von ihr geschaffene und inzwischen zweifach verfilmte „Talentierte Mr. Ripley“ ist ein Missetäter, dem Sympathie entgegenzubringen einem nicht schwerfällt. Natürlich lehnt man sein Verhalten ab – schließlich lügt, betrügt, mordet er ohne Reue – und doch gönnt man es ihm, dass er damit durchkommt. Im Theater der Jugend zeigt Intendant Thomas Birkmeir nun seine eigene, solide Bühnenfassung des Romans.
Sie lässt einen abermals grübeln, wie ein so skrupelloser Charakter den Zuschauer so auf seine Seite ziehen kann. Tom Ripley ist ein blasser Brillenträger, der sich mithilfe seiner Talente – Unterschriften fälschen, Menschen nachahmen – durchs Leben schwindelt. Ein reicher New Yorker Schiffsbauer schickt ihn nach Italien, wo er dessen Sohn Dickie Greenleaf, einen launischen Hedonisten, zur Rückkehr nach Amerika überreden soll. Hauptdarsteller Jakob Elsenwenger trägt das ganze Stück, er gibt Ripley als vielschichtigen Menschen: Grant auf die privilegierte Elite schwingt in seinen eloquenten Reden ebenso mit wie der Charme eines mittellosen Bohemien. Mit verzweifelter Sehnsucht drückt er seine (unerwiderte) Liebe zu Dickie (Julian Schneider) aus, vor dessen Freundin Marge (Ursula Anna Baumgartner) er rein freundschaftliche Absichten vortäuscht. Dann erklärt er dem Publikum, erregt von seinen amoralischen Gedanken, wie er mittels Identitätsdiebstahl zu einem besseren Leben aufzusteigen gedenkt – und sichert sich die Komplizenschaft der Zuseher. Wozu er dann tatsächlich fähig ist, das scheint ihn manchmal selbst zu überraschen.

Mord in Zeitlupe

Das minimalistische Bühnenbild in der Innenstadt-Spielstätte Theater im Zentrum spiegelt die kalkulierende, unterkühlte Seite des Tom Ripley: Wenn blaues Licht durch den die Bühne eingrenzenden Schnürlvorhang fällt und die LED-Streifen im Boden aufleuchten, sieht es aus wie im Solarium; Licht- und Videoeffekte führen durch die Schauplätze. Etwa auf das offene Meer, wo Ripley in Zeitlupe seinen ersten Mord verübt. An anderer Stelle werden die weißen Fäden zu Gitterstäben, die Ripley in seinen Träumen immer näher kommen. Er mag keine Reue und kein Mitgefühl zeigen, aber kalt lassen ihn seine Taten auch nicht – und sei es nur, weil er um die eigene Seelenruhe fürchtet. „Ich bin sicher, in einiger Zeit werde ich vergessen haben, dass ich gemordet habe“, sagt er. Auch das will man ihm fast gönnen.

Katrin Nussmayr


Materialien

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