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Geschichte

Zur Geschichte des Theaters der Jugend

Im November 1932 legten der Schauspieler Stefan Wagner sowie der Realschuldirektor Hans Zwanzger den Grundstein für das Theater der Jugend. Die Idee hinter ihrem Projekt eines »Theaters der Schulen« war es, der »Wiener Schuljugend« »künstlerisch und literarisch wertvolle Theateraufführungen« zu günstigen Preisen anzubieten. Bereits im Jänner 1933 wurde die Publikumsorganisation mit einer Inszenierung in der Wiener Volksoper eröffnet. Stefan Wagner war für die szenische Umsetzung der Stücke zuständig, für das kleine Ensemble sowie die Spielorte, Hans Zwanzger hielt Kontakt zu den Schulen und hatte Mitspracherecht beim Spielplan.

Der Erfolg war enorm: Innerhalb eines Jahres besuchten mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler die Vorstellungen des Theaters der Schulen. 1934 wurde auf einer Sondersitzung der österreichischen Bühnenvereinigung von einigen hohen Funktionären der österreichischen Kulturpolitik – unter ihnen Hans Homma, der Leiter des Rings österreichischer Bühnenkünstler, Hans Brecka, der Leiter der Österreichischen Kunststelle und der spätere Unterrichtsminister Hans Pernter – sowie Theaterpraktikern wie Wagner und Zwanzger diskutiert, wie man in Zukunft mit Theateraufführungen für die Jugend umgehen wolle. Hans Pernter war es, der erstmals den Namen »Theater der Jugend« nannte. So sollte der Verein heißen, der dem Theater der Schulen nachfolgte.
Bereits im November 1934 wurde das Theater der Schulen aufgelöst und kurz darauf der Verein Theater der Jugend gegründet. Stefan Wagner wurde als Künstlerischer Leiter durch den früheren Burgtheaterdirektor Franz Herterich ersetzt.
Eine ministerielle Verordnung sicherte dem Theater der Jugend das Monopol für Jugendtheater sowie die Bewerbung dessen an den Schulen zu.

Im Jahr 1936 wurde als eine Unterorganisation des Theaters der Jugend das Theater des Kindes gegründet – mit dem Ziel »wertvolle Märchen- und Kinderstücke« für 6- bis 12-Jährige zu produzieren.

1939 wurde der Verein Theater der Jugend aufgelöst, an seine Stelle trat der »Veranstaltungsring der Hitlerjugend«.

Nach dem Ende der Herrschaft der Nationalsozialisten und des Zweiten Weltkriegs wurde das Theater der Jugend bereits im Oktober 1945 – auf Basis der Vereinsstatuten von 1934 – neu gegründet und nahm bald seinen Betrieb wieder auf. Als Vorstand fungierte Hans Zwanzger, die Künstlerische Leitung hatte erneut Franz Herterich inne, und für die Verwaltung zeichnete Walter Hills verantwortlich. Mehr als 170.000 Theaterkarten verkaufte das Theater der Jugend in seiner ersten Saison nach dem Krieg – eine Zahl, die sich bis 1951 auf unglaubliche 400.000 Karten erhöhte. Dem Besucheransturm versuchte man durch neu eingeführte Jahresabonnements sowie der Einteilung in verschiedene Altersstufen Herr zu werden.

Im Mai 1948 nahm eine weitere Erfolgsgeschichte ihren Lauf: Aus den bis dato so genannten »Mitteilungsblättern des Theaters der Jugend« wurden die »Neue(n) Wege – Kulturzeitschrift für junge Menschen«, die sich in den darauf folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Medien für Literatur, Kunst, Kultur – und die Jugend – in Österreich entwickelte. Viele große Namen der österreichischen Literatur wie Ernst Jandl oder Friederike Mayröcker traten hier erstmals mit ihren Texten in Erscheinung.

Ab der Saison 1955/56 wurde das Theater der Jugend zusätzlich mit der organisatorischen Betreuung des vom Kulturamt der Stadt Wien ins Leben gerufenen Jugendabonnements beauftragt.

Im Jänner 1957 ging man noch einen Schritt weiter – und pachtete das Renaissancetheater, in welchem schon seit einigen Jahren Stücke für das Theater der Jugend produziert wurden. Alternierend mit der Löwingerbühne wurden so vom neuen Künstlerischen Leiter Hans Niederführ mit einem stetig wachsenden Ensemble eigene Inszenierungen von Kinder- und Jugendstücken in der Neubaugasse gezeigt. (Seit dem 12. November 1912 wurde das Renaissancetheater von der ehemaligen Freien Volksbühne bespielt. Ab 1920 setzte sich der Name Renaissancebühne durch.)

1964 wurde nach der Bestellung von Peter Weihs zum Künstlerischen Leiter des Theaters der Jugend zusätzlich das Theater im Zentrum in der Liliengasse als Spielstätte übernommen, um dem hohen Qualitätsanspruch der Theater der Jugend-Produktionen weiterhin gerecht werden zu können. Mit Schillers »Kabale und Liebe« wurde am 26. Oktober 1964 der neue, eigene Spielort höchst erfolgreich eröffnet.
Unter der Direktion Weihs ließ sich in den folgenden Spielzeiten eine Hinwendung des Spielplans zur Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen erkennen. Man wolle nicht mehr nur »Illustration des Deutschunterrichts« sein.

Ab dem 1. September 1970 übernahm das Theater der Jugend dann auch das Renaissancetheater in Hauptmiete und musste sich den Spielort in Folge nicht mehr mit einem anderen Ensemble teilen.

Weitere Neuerungen sollten folgen: Am 14. September 1971 fand die erste Sitzung des Pädagogischen Beirats des Theaters der Jugend statt, der sich aus Mitgliedern der Stadt- und Landesschulräte sowie der Elternverbände zusammensetzt und dem Theater der Jugend bis heute zur Seite steht.

Ab 1. September 1974 war Edwin Zbonek Künstlerischer Leiter und setzte den von Weihs begonnenen Weg, zeitgenössisches Theater für Kinder und Jugendliche zu zeigen, konsequent fort.

Und auch Reinhard Urbach, der die Leitung des Hauses ab der Spielzeit 1987/88 übernahm, hielt daran fest. Unter seiner Ägide fanden auch einige bauliche Veränderungen am Herz des Theaters, der Bühne, statt. Der Vergrößerung der Vorbühne fielen zwar einige Sitzplätze zum Opfer, jedoch bot die Bühne von nun an mehr Spielfläche und neue Möglichkeiten für SchauspielerInnen und Regie.

Am 1. September 2002 trat schließlich Thomas Birkmeir die Künstlerische Leitung des Hauses an, die er bis heute inne hat. Gemeinsam mit der Kaufmännischen Direktorin Marianne Aly - seit September 2011 hat diese Funktion Sonja Fretzer inne - legt er ein besonderes Augenmerk in die Gestaltung des Spielplans auf Ur- und Erstaufführungen. Viele der Produktionen des Theaters der Jugend finden sich später auch höchst erfolgreich auf den Spielplänen anderer Theater wieder.
Ein zweiter Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Förderung junger Talente, die neben altgedienten Theaterstars auf den beiden Bühnen des Theaters der Jugend stehen.
Acht bis zwölf Produktionen zeigt das Theater der Jugend pro Saison seinen fast 47.000 AbonnentInnen. Fast 300.000 verkaufte Theaterkarten und eine Auslastung von ~ 95% sprechen für sich: Das Theater der Jugend ist seit fast achtzig Jahren brandaktuell.


Weitere Informationen zur Geschichte des Theaters der Jugend, der Literaturzeitschrift »Neue Wege« sowie unseren beiden Spielstätten Renaissancetheater und Theater im Zentrum finden Sie in

Gerald M. Bauer und Birgit Peter (Hg.)
»Neue Wege«
75 Jahre Theater der Jugend in Wien
LIT-Verlag
200 S., broschiert, 19,90 EUR
ISBN: 978-3-8258-1637-7